HOME

Vermisster Flug MH370: Zwang ein Feuer die Piloten zum Kurswechsel?

Entführung, Terrorakt oder Selbstmord der Piloten? Täglich gibt es neue Spekulationen zum Verschwinden von MH370. Oder gab es ein technisches Problem? Ein erfahrener Pilot hat eine einfache Theorie.

Von Till Bartels

Seit fast zwei Wochen wird die Boeing 777-200 der Malaysia Airlines vermisst. Die Suche konzentriert sich im Moment auf ein riesiges Gebiet 2600 Kilometer südwestlich der westaustralischen Stadt Perth, wo eventuell Wrackteile auf Satellitenfotos geortet wurden.

Damit liegt die Region auf einer der beiden möglich Flugradien, die aufgrund automatisch übermittelter Triebwerkdaten als mögliche Flugstrecke der verschwundenen Air-Malaysia-Maschine angenommen werden. Aber wieso kam es kurz nach dem Start der Boeing in Kuala Lumpur auf dem Weg nach Peking zu dem radikalen Kurswechsel?

In den USA hat sich der kanadische Pilot Chris Goodfellow mit einer These zu Wort gemeldet, die alle bisher aufgestellten Verschwörungstheorien vom Tisch fegt: In seinem Posting auf Google+, das auch die Website der Zeitschrift "Wired" übernommen hat, geht er von der Möglichkeit eines Feuers an Bord aus.

Kurs zur Insel Langkawi

Für den Piloten mit 20 Jahren Erfahrung liegt es auf der Hand, dass die Piloten mit ihrer Kehrtwende in der ersten Stunde nach dem Start auf einen Notfall reagierten. "Die Linkskurve ist der Schlüssel", argumentiert Goodfellow. Generell verständigt sich die Cockpit-Crew während eines Reiseflugs laufend über mögliche Ausweichflughäfen, falls es zu einem Zwischenfall wie einem plötzlichen Druckverlust kommt.

"Er steuerte direkt Palau Langkawi an", sagt Goodfellow. Denn auf der Insel, die vor der Westküste Malaysias liegt, gibt es einen internationalen Flughafen mit einer langen Piste. Eine Rückkehr nach Kuala Lumpur sei zu gefährlich gewesen, weil hohe Gebirgszüge im Wege standen.

Doch mit welchen Problemen an Bord mussten sich die beiden Piloten in dem Moment auseinandergesetzt haben? Für Goodfellow sind der Ausfall des Transponders und der Verlust der Kommunikationssysteme ein klares Indiz für ein Feuer, vermutlich für einen Kabelbrand. Denn die Piloten könnten nacheinander verschiedene Stromkreise stillgelegt und Sicherungen gedrückt haben. In solchen Situationen gilt es zunächst, den Brandherd zu lokalisieren, zu isolieren und das Flugzeug auf Kurs zu halten. Weniger wichtig sei die Kommunikation in solchen Notfällen.

Mögliche Ursachen des Feuers

Als Ursache des Feuers könnte eine Überhitzung des Bugrades beim Start in Betracht gezogen werden. Aus dem Fahrwerkschacht dürfte sich der Schwelbrand im vorderen Teil der Maschine mit Qualmentwicklung ausgebreitet haben. Zwar können sich die Piloten Sauerstoffmasken überstreifen, doch eine heftige Rauchentwicklung im Cockpit erschwert ein Ablesen und Bedienen der Instrumente erheblich.

Goodfellow bewundert den Piloten von MH370: "Kapitän Zaharie Ahmed Shad war ein Held, der in einer unmöglichen Situation versuchte, das Flugzeug nach Langkawi zu steuern", schreibt er. Zwar sei ihm gelungen, noch einen Kurswechsel und den Autopiloten teilweise zu programmieren, doch die Crew hatte die Zeit gegen sich. Sie verlor die Kontrolle über die Maschine, eventuell auch das Bewusstsein. Die Maschine flog weiter, ohne dass der Rumpf in Flammen aufging. Sie stürzte erst ins Meer, als der Kerosinvorrat in den Tanks aufgebraucht war.

Parallelen zu Swissair-Flug 111

Der mögliche Schwelbrand erinnert an den Absturz einer Swissair-MD11 im September 1998. Gute eine Stunde nach dem Start am Kennedy-Flughafen in New York bemerkte die Crew Rauch im Cockpit. Vergeblich versuchten die Piloten, in Halifax notzulanden. Flug SR111 stürzte in den Atlantik. Alle 215 Passagiere und 14 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

Fast fünf Jahre später kam der Abschlussbericht der Untersuchungen zu dem Fazit, dass wahrscheinlich ein Kurzschluss, der durch die gebrochene Isolierung eines Kupferkabels hinter der oberen Cockpitverkleidung ausgelöst worden war, die Ursache des Brandes war.

Zwischen der ersten Qualmentwicklung und dem Absturz lag damals nur eine gute Viertelstunde. In dieser kurzen Zeit hatten die Swissair-Piloten mehrere Stromkreisläufe abgeschaltet, ebenso den Transponder, der automatisch Flugdaten übermittel. Eine interessante Parallele zum Fall von MH370.