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Flug MH370: Interpol wirft malaysischen Behörden Schlamperei vor

Mit einem gestohlenen Pass ein Flugzeug zu besteigen, ist sehr schwierig. Denn üblicherweise gleichen Flughäfen entsprechende Daten mit der Interpol-Datenbank ab. Malaysia hielt das bisher für unnütz.

Angehörige der Passagiere von Flug MH370 protestieren in Peking gegen die Informationspolitik Malaysias. Die meisten Passagiere des vermutlich abgestürzten Flugzeugs waren Chinesen.

Angehörige der Passagiere von Flug MH370 protestieren in Peking gegen die Informationspolitik Malaysias. Die meisten Passagiere des vermutlich abgestürzten Flugzeugs waren Chinesen.

Interpol erhebt im Zusammenhang mit der vermissten malaysischen Passagiermaschine schwere Vorwürfe gegen die Einwanderungsbehörde des südostasiatischen Landes. Diese habe die Reisepässe von Passagieren in diesem Jahr bis zum Verschwinden der Boeing überhaupt nicht mit der Interpol-Datenbank abgeglichen, teilte die internationale Polizeiorganisation mit. Viele andere Länder nutzten dagegen den Datenbestand Millionen Mal im Jahr.

Zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen befanden sich an Bord der Maschine der Malaysia Airlines, die am 8. März auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking von den Radarschirmen verschwand. Nach Einschätzung der Behörden stürzte das Flugzeug mit 239 Menschen an Bord wahrscheinlich in den Indischen Ozean. Unter anderem wird eine Entführung für möglich gehalten. Ermittler schließen aber auch technische Probleme nicht aus. Die meisten Passagiere waren Chinesen.

Datenabgleich dauert nur "Sekunden"

Die Maschine war auf dem Flug von Kuala Lumpur nach Peking vom Kurs abgewichen und ist seitdem verschwunden. Sie flog nach Auswertung von Satellitensignalen Richtung Süden. Wegen der zwei Passagiere mit gestohlenen Pässen hatte es kurz nach dem Verschwinden Spekulationen über einen möglichen Terroranschlag auf die Maschine gegeben. Später stellte sich jedoch heraus, dass die Männer offenbar in EU-Ländern Asyl beantragen wollten und die Pässe von Schleusern bekamen. Interpol machte die malaysischen Behörden für dieses Versäumnis verantwortlich. Ob das Verschwinden der Maschine in irgendeinem Zusammenhang mit den Passagieren mit den gestohlenen Pässen steht, ist völlig unklar.

Am Mittwoch hatte der malaysische Innenminister Zahid Hamidi im Parlament gesagt, es dauere zu lange, die Daten jedes Mal abzugleichen. Das führe zu Verzögerungen am Flughafen. Diese Kritik wies Interpol nun zurück. Es dauere nur "wenige Sekunden", um mit Hilfe von Interpol-Daten herauszufinden, ob Passagiere mit gestohlenen Pässen unterwegs seien, so die internationale Polizeiorganisation.

Noch immer keine Wrackteile geborgen

Nach den Überresten des Flugzeugs wird weiter Ausschau gehalten. Am Samstag suchten acht Flugzeuge näher als zuvor an der australischen Westküste nach möglichen Wrackteilen. Sie wollten vor allem mehrere Objekte wiederfinden, die am Freitag gesichtet worden waren und möglicherweise zu Flug MH370 gehören könnten. Vor Ort ist nach Angaben der australischen Seesicherheitsbehörde (Amsa), die die Suche koordiniert, auch das chinesische Schiff "Haixun 01". Die Behörde meldete bisher allerdings keinen Durchbruch. Bis Sonntag sollten mehrere Schiffe, die Wrackteile bergen könnten, die Region erreichen.

In Kuala Lumpur traf Malaysias Verkehrsminister Hishammuddin Hussein Angehörige der Flugzeuginsassen, die sich mit der Frage quälen, was die Menschen an Bord in den letzten Stunden des langen Irrflugs erlebt haben. Näheren Aufschluss kann nur die Blackbox geben, die technische Daten und Gespräche im Cockpit aufzeichnet. Sie liegt aber mit höchster Wahrscheinlichkeit am Meeresgrund. Die Suche könnte lange dauern.

Hishammuddin versprach den Angehörigen nach eigenen Angaben, weder die Suche nach dem Wrack noch nach Überlebenden aufzugeben. "Egal, wie unwahrscheinlich es ist, wir geben die Hoffnung nicht auf, wir beten, und wir suchen weiter nach Überlebenden", sagte er anschließend.

Australiens Ministerpräsident Tony Abbott dämpfte Hoffnungen auf rasche Erfolge. "Wir sollten die Schwierigkeit dieser Aufgabe nicht unterschätzen", sagte Abbott in Perth. "Wir versuchen, kleine Trümmerteile in einem riesigen Ozean zu finden." Das Suchgebiet war nach neuen Analysen zur mögliche Flugroute und dem möglichen Absturzort am Freitag nach Nordosten verlegt worden, in eine Region rund 1700 Kilometer westlich von Perth. Das Gebiet ist schneller zu erreichen als das vorherige Suchgebiet. Damit haben die Suchflugzeuge mehr Treibstoff und können länger suchen.

anb/Reuters/DPA/AFP / DPA / Reuters