Flutkatastrophe Hilfsmaßnahmen für Flutopfer


Flutopfer warten auf Dächern auf Hilfe und retten sich in Gummireifen vor den Wassermassen: Bei den schweren Überschwemmungen auf der indonesischen Insel Sumatra sind mehr als 70 Menschen ums Leben gekommen.

Am schlimmsten betroffen war die Provinz Aceh, die vor zwei Jahren von dem Tsunami verwüstet worden war. Die Wassermassen hätten mehr als 500 Dörfern überflutet, rund 200 000 Menschen seien in Notunterkünfte geflüchtet. Nach Angaben der Behörden wurden nach den selbst für die Regenzeit ungewöhnlich heftigen Niederschlägen mindestens 2000 Häuser und andere Gebäude sowie 14 Brücken zerstört. Örtliche Medien berichteten, dass zahlreiche Menschen vermisst würden. Hilfe erfolge aus der Luft, da viele Straßen blockiert seien.

Suwarno, Mitarbeiter einer indonesischen Hilfsorganisation, sagte, die Straßen in die am stärksten betroffenen Distrikte Gayo Lues und Tamiang an der Ostküste Acehs seien unpassierbar. "Wir versuchen unser Bestes, die Überlebenden zu erreichen. Aber die Hubschrauber konnten heute nur ein Mal fliegen", sagte Suwarno der dpa. "Die Menschen brauchen Nahrung, sauberes Wasser und Decken." Der Gouverneur von Aceh, Mustafa Abubakar, sprach von mindestens 42 Todesopfern.

Möglicherweise mehr Opfer

Ein weiterer Mitarbeiter der Rettungskräfte schätzte, dass die Zahl der Toten möglicherweise viel höher als in den bislang veröffentlichten, offiziellen Angaben liegen könnte. Gefundene Leichen würden häufig sofort beerdigt. In der angrenzenden Provinz Nord-Sumatra wurden mindestens 21 Menschen nach Erdrutschen tot geborgen. Neun ertranken, und zwölf wurden vermisst. 17 000 mussten ihre Häuser verlassen. In der Provinz Riau traten nach heftigen Regenfällen Flüsse über die Ufer und überfluteten Tausende von Häusern.

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) stellte 300 000 Euro an Soforthilfe für die Opfer in den Überschwemmungsgebieten in Aceh zur Verfügung. "Hier haben die Menschen vor genau zwei Jahren die schreckliche Tsunami-Katastrophe erleben müssen. Jetzt ist die ganze Region von den fürchterlichen Überschwemmungen betroffen", sagte die Ministerin laut einer Mitteilung von Dienstag. Es müsse alles daran gesetzt werden, dass die Aufbauleistung nach dem Tsunami nicht durch die Überschwemmungen zunichte gemacht werde.

Trinkwasserknappheit

Vertreter der indonesischen Behörden erklärten, die Überschwemmungen seien eine weitere Katastrophe für Aceh, nachdem die Provinz die von dem Tsunami am schwersten getroffene Region war. Damals starben 130.000 Menschen. Nach Auskunft von Gunnar Stange, Mitarbeiter der Deutschen Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), wird die Lage in den Überschwemmungsgebieten auch in den kommenden Tagen noch angespannt bleiben. "Das Wasser geht zum Teil zurück, aber es sind weitere schwere Regenfälle vorausgesagt", sagte Stange in einem dpa-Gespräch.

Vordringlichstes Problem sei die Versorgung mit sauberem Trinkwasser. "Es gibt gute Anzeichen, dass die Schwierigkeiten gelöst werden und auf diese Weise der Ausbruch von Seuchen verhindert werden kann." Bislang seien lediglich Durchfall- und Hauterkrankungen aufgetreten. "Teilweise sind keine Straßen mehr zu sehen, einige Häuser stehen komplett unter Wasser, Menschen haben sich auf Gummireifen vor den Fluten gerettet", sagte Stange. Nach seiner Auskunft treffen die Wassermassen auf sehr dicht besiedelte Gebiete. Vertreter der Regierung und Umweltschützer machten für die verheerenden Folgen der Fluten illegale Abholzung in großem Maßstab in den Provinzen Aceh und Nord-Sumatra verantwortlich.

Die Deutsche Welthungerhilfe stellte für die Opfer der Überflutungen in Aceh 100 000 Euro Soforthilfe bereit. Das Geld werde für Nahrungsmittel wie Reis und Nudeln sowie Kochsets verwendet. Gleichzeitig soll dringend benötigtes Trinkwasser verteilt werden. Mehr als 20 000 Betroffene werden in den kommenden Tagen die Hilfsgüter erhalten, hieß es in der Mitteilung.

DPA


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