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Hochwasser in Deutschland: Sorge vor der Regenflut im Alpenvorland

Obwohl sich die Lage an Oder und Neiße zunehmend entspannt, scheint das Hochwasser in Deutschland weiter ein Thema zu bleiben. Nach tagelangen Regenfällen droht nun im Alpenvorland eine Flut. In Sachsen und Brandenburg werden dagegen die Trümmer beseitigt.

Den Hochwassergebieten im Osten drohen vorerst keine neuen Regenfluten - dafür wächst an den Alpen die Hochwassergefahr. "Nach mehreren Vorhersagemodellen sind bis Freitag keine neuen Starkniederschläge an Oder und Neiße zu befürchten", sagte am Mittwochabend der Meteorologe Jürgen Knittel vom Deutschen Wetterdienst (DWD). Doch das große Tief sei noch nicht vorüber, weshalb es tollkühn wäre, von einer total entspannten Lage zu sprechen. Tagsüber am Mittwoch hatte ein Vorhersagemodell noch große Regenmengen für die Hochwassergebiete prognostiziert.

Nun sagen mehrere DWD-Vorhersagemodelle in der Nacht zum Freitag für den Alpenrand bis zu 100 Liter pro Quadratmeter voraus. Vom Allgäu bis zum Inn sollen innerhalb von zwölf Stunden an vielen Stellen 40 bis 80 Liter Regen pro Quadratmeter fallen. Von den jüngsten Niederschlägen seien die Böden bereits so voll, dass nicht mehr viel einsickern könne. Das Wasser werde deshalb Bäche und Flüsse im tiefen Süden anschwellen lassen.

Erleichterung im Osten

In den Hochwassergebieten im Osten herrschte dagegen am Mittwoch Erleichterung vor. Die akute Hochwassergefahr war nach Einschätzung von Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) gebannt. Die Situation an Neiße und Spree habe sich deutlich entspannt. In Sachsen wurde weiter aufgeräumt. Ministerpräsident Stanislaw Tillich (CDU) kündigte an, EU-Hilfen beantragen zu wollen.

Das Hochwasser der Neiße sank am Pegel Guben (Brandenburg) innerhalb eines Tages um einen Meter auf 5,30 Meter. Das ist nach Angaben des Landesumweltamtes die zweitniedrigste Alarmstufe 2. Normalerweise ist der Fluss dort im Sommer etwa 1,5 Meter tief. Dagegen näherte sich der Pegel von Brandenburgs zweitgrößter Stadt Cottbus der Stufe 1 - das wäre ein Wasserstand von 2,30 Meter. Normal ist dort etwa ein Meter. 500 Einsatzkräfte hätten bisher 60.000 Sandsäcke an zehn gefährdeten Stellen im Stadtgebiet verbaut, sagte Oberbürgermeister Frank Szymanski (SPD).

Aus der 15 Kilometer südlich von Cottbus gelegenen Talsperre Spremberg wird seit Anfang der Woche kontrolliert Wasser abgelassen. Am Mittwoch wurde die Menge von 60 auf 70 Kubikmeter pro Sekunde erhöht, siebenmal mehr als am Montag. Die Talsperre muss entlastet werden, damit sie die angekündigten Regenmengen aufnehmen kann.

Sachsen will EU-Hilfe beantragen

An der Oder bestand laut Hochwassermeldezentrum Frankfurt/Oder keine Gefahr. Das Neißehochwasser war am Dienstag bei Ratzdorf in den Fluss gekommen - trotzdem gab es zunächst nirgends Alarmstufe 1.

Sachsen möchte zur Beseitigung der Hochwasserschäden auch EU-Gelder. Um entsprechende Förderrichtlinien der Europäischen Union zu erfüllen, müsste das Dreiländereck von Sachsen, Polen und Tschechien zum gemeinsamen Schadensgebiet erklärt werden, sagte Regierungschef Stanislaw Tillich (CDU) bei einem Besuch in Chemnitz. Die EU hatte nach den Überschwemmungen 2002 einen Solidaritätsfonds aufgelegt; jährlich können aus dem Fonds Mittel in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro bereitgestellt werden.

Trotz Spree in der Stadt besteht in der Hauptstadt Berlin keine Hochwassergefahr. Auch nach der Öffnung der Talsperre Spremberg blieb der Pegelstand im Raum Berlin kontrolliert und stabil.

swd/DPA / DPA