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Hoffnungsschimmer: Samuel Koch in Schweizer Spezialklinik geflogen

Ein Hauch von Zuversicht für Samuel Koch: Genau eine Woche nach dem Unglück bei "Wetten, dass..?" wurde er in eine Reha-Klinik in der Schweiz geflogen. Es soll alles versucht werden, damit er seine Arme und Beine wieder bewegen kann.

Die Hoffnung wächst, aber die Angst bleibt. "Wetten, dass..?"-Kandidat Samuel Koch beginnt nur eine Woche nach seinem schweren Unglück in der ZDF-Show eine Rehabilitation in einer Schweizer Spezialklinik. Rasche Erfolge sind aber nicht zu erwarten: "Wir brauchen Zeit", sagte der Chefarzt des Paraplegiker- Zentrums in Nottwil, Michael Baumberger. "Sechs bis neun Monate in der Rehabilitation - das ist wahrscheinlich die Realität." Was der Patient nach dieser Zeit zu erwarten hat, könne jetzt noch nicht gesagt werden. Samstag vor einer Woche war der 23-jährige Koch beim Versuch, mit Sprungstelzen an den Füßen über fahrende Autos zu springen, schwer gestürzt. Wegen Verletzungen an der Halswirbelsäule wurde er in der Universitätsklinik Düsseldorf zwei Mal operiert.

Dort ging am Samstag die Akutbehandlung zu Ende. Da atmete Koch schon seit 48 Stunden wieder selbstständig, sein Kreislauf war stabiler, und er brauchte weniger Medikamente. Mit einem Flugzeug der Deutschen Luftrettung wurde er nach Zürich und von dort mit einem Hubschrauber nach Nottwil gebracht. Die Reha-Klinik liegt nur etwa 100 Kilometer von seinem Heimatort Efringen-Kirchen in Baden- Württemberg entfernt; in der Spezialklinik werden mehr als 70 Prozent aller Querschnittgelähmten der Schweiz versorgt.

Zuvor hatten die Düsseldorfer Ärzte auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz sichtlich erleichtert über die Fortschritte ihres Patienten berichtet. Auf die entscheidende Frage gab es aber noch keine klare Antwort: Wird er seine Arme und Beine je wieder vollständig bewegen, wird er wieder laufen können?

"Wir hatten das Gefühl gestern, dass eventuell diskrete Bewegungen an einem Bein zu sehen waren", sagte Prof. Hans-Jakob Steiger. Sein Kollege Wolfgang H.-M. Raab sagte, dass die Unsicherheit groß bleibe, stellte aber fest: "Wir sehen aufgrund der derzeitigen Entwicklung realistische Möglichkeiten für eine positive Entwicklung im Sinne einer Heilung."

"Wetten, dass..?"-Moderator Thomas Gottschalk hatte am Freitag bei der Aufzeichnung des ZDF-Jahresrückblicks über Kochs Zustand gesagt: "Wir haben Hoffnung." Raab und Steiger erläuterten dies: Die Zentren im Rückenmark funktionierten wieder besser, und es gibt Anzeichen, dass sich die langen Bahnen zu den Beinen hin langsam erholen.

ZDF-Sprecher Alexander Stock sagte: "Unsere größte Hoffnung ist und bleibt, dass Samuel wieder ganz gesund werden kann." Der Bürgermeister von Kochs Heimatort, Wolfgang Fürstenberger, wünschte dem Patienten "Geduld und Kampfgeist".

Nach seiner Ankunft in der Schweiz ruhte sich Koch erst einmal aus. Den Sonntag brauche man, um sich einen Überblick über seinen Zustand zu verschaffen, sagte eine Kliniksprecherin. Am Montag werde man dann etwas über die nächsten Schritte sagen können.

Oberarzt Hans Georg Koch sagte der Zeitung "Blick" (Sonntag), man sehe "Möglichkeiten einer positiven Entwicklung". Nach Einschätzung von Koch war der Helm, den der Kandidat in der ZDF-Show trug, "völlig zwecklos". Besser geschützt hätte ihn ein Helm, wie ihn Formel-1- Piloten tragen. Bei diesem System wird bei einem Sturz auf den Kopf ein Teil der Energie auf die Schultern statt auf die Wirbelsäule gelenkt.

Eva Gerten und Jürgen Hein, DPA / DPA