Hudson-Unglück Tödliches Geschenk zur Silberhochzeit


Er war ein Geschenk zur Silberhochzeit, doch der Hubschrauberflug zerstörte das Glück der Familie Rigamonti aus Italien. Vater Michele und Sohn Filippo wurden bei dem Absturz über dem Hudson getötet, Mutter Silvia war am Boden geblieben - aus Flugangst.

Das Flugzeugunglück über dem Hudson River in New York am Samstag hat ein italienisches Ehepaar auf seiner Silberhochzeitsreise für immer getrennt. Während der 51 Jahre alte Michele Norelli und der Sohn Filippo (16) mit dem Sightseeing-Hubschrauber tödlich abstürzten, war Ehefrau Silvia Rigamonti wegen ihrer Flugangst am Boden geblieben, berichtete die "New York Times" am Montag. Sie habe dem zweiten Sohn Davide (23) daheim in Bologna die schreckliche Botschaft telefonisch überbringen müssen.

"Wunder vom Hudson" im Januar

Das Ehepaar Norelli hatte den nur zwölf Minuten dauernden Hubschrauberflug entlang der Skyline von Manhattan von der Schwägerin zur Silberhochzeit geschenkt bekommen. Mit an Bord war auch die befreundete Familie Gallazi mit ihrem 15-jährigen Sohn Giacomo. Sie kam ebenso ums Leben wie der 32 Jahre alte Pilot. An Bord des Privatfliegers, der mit dem Hubschrauber zusammengestoßen war, starben der Besitzer Steven Altman (60), sein Bruder Daniel (49) und dessen 16 Jahre alter Sohn Douglas.

Insgesamt wurden bei dem Unglück am Samstag neun Menschen getötet. Bis Sonntagabend (Ortszeit) konnten sieben Opfer geborgen werden. Die Sucharbeiten gingen am Montag unter Hochdruck weiter. "Wir schauen nach allem. Bisher ist noch überhaupt nichts ausgeschlossen", sagte Deborah Hersman von der Nationalen Flugsicherheitsbehörde. Das Unglück löste eine Debatte um die Sicherheit im Luftraum über der Millionenmetropole New York aus.

Augenzeugenberichten zufolge war die einmotorige Maschine vom Typ Piper bei einer Linkswende gegen den Helikopter gestoßen. Die rechte Tragfläche des Flugzeugs und der Propeller des Hubschraubers rissen ab. Beide Maschinen stürzten "wie ein Stein" ins Wasser, berichteten Zeugen.

In dem Streckenabschnitt über dem Fluss dürfen Privatflugzeuge und Helikopter auf einer bestimmten Höhe ohne offizielle Kontrolle auf Sicht fliegen. Besonders bei gutem Wetter wie am Samstag ist der Verkehr extrem dicht.

"Über dem Hudson herrscht Wilder Westen"

"Wir waren überrascht, dass es so lang gedauert hat, bis es zu so einem Unglück kommt", sagte der New Yorker Pilot Ben Lane (34), der noch versucht hatte, seinen Kollegen im Unglückshubschrauber über Funk zu warnen. Über dem Hudson herrsche Wilder Westen, warnte auch Robert Gottheim, Wahlkreismanager des Kongressabgeordneten Jarrold Nadler. "Niemand weiß, wo diese Piloten sind, niemand hat einen Flugplan, es ist total überfüllt", zitierte ihn die "New York Times".

Die Flugsicherheitsbehörde sagte zu, die Ermittlungen auch zu einer Überprüfung der Luftraumregeln zu nutzen. In den vergangenen Jahren wurden den Angaben zufolge acht Unfälle registriert, die jedoch keine Todesopfer forderten. Über dem East River auf der anderen Seite Manhattans war der Verkehr bereits eingeschränkt worden, nachdem im Oktober 2006 ein Hobbypilot und sein Fluglehrer mit einem Sportflieger in ein Hochhaus krachten.

DPA DPA

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