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Geiselnahme bei Paris: Angreifer tötet Polizisten - und ruft "Allahu akbar"

In Magnanville hat ein Mann einen Polizisten und anschließend dessen Frau getötet. Spezialeinheiten erschossen den Mann. Der kleine Sohn der Opfer überlebte die Geiselnahme. Der Angreifer soll sich auf den IS berufen haben.

Ein Auto einer Spezialeinheit steht auf einem Parkplatz

Geiselnahme bei Paris: Spezialeinheiten der Polizei waren vor Ort und töteten den Kidnapper

Nach dem blutigen Ende einer Geiselnahme bei Paris mit drei Toten gehen die französischen Ermittler einem möglichen islamistischen Hintergrund nach: Wie in der Nacht zu Dienstag aus Polizeikreisen verlautete, bekannte sich der Geiselnehmer in Verhandlungen mit der Polizei zur Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS). Die Anti-Terror-Abteilung der Pariser Staatsanwaltschaft übernahm noch in der Nacht die Ermittlungen. Präsident François Hollande erklärte, die Attacke habe "zweifellos" einen terroristischen Hintergrund und rief für den frühen Morgen seine Berater zusammen. Anschließend sprach Innenminister Bernard Cazeneuve von einem "erbärmlichen Akt des Terrors".

Der Täter hatte am Montag im Pariser Vorort Magnanville zunächst einen 42-jährigen in Zivil gekleideten Polizisten vor dessen Haus erstochen, wobei er nach Zeugenberichten "Allahu akbar" (arabisch für: Gott ist groß) gerufen haben soll. Danach nahm er Frau und Kind des Polizisten als Geisel und verschanzte sich in deren Wohnung. Sondereinheiten der Polizei stürmten die Wohnung und töteten dabei den Geiselnehmer, wie das Innenministerium mitteilte. 

Dreijähriger Sohn der Opfer steht unter Schock

Die Frau des getöteten Polizisten sei mit einer Wunde am Hals tot aufgefunden worden, sagte ein Ministeriumssprecher. Der dreijährige Sohn des Paars sei in der Wohnung "unter Schock, aber äußerlich unverletzt" gefunden und in Sicherheit gebracht worden. Die Verhandlungen mit dem Täter hätten kein Ergebnis gebracht, weswegen der Befehl zur Erstürmung des Hauses gegeben worden sei, sagte der Sprecher.

Die getötete Frau war selbst Beamtin des Innenministeriums und arbeitete nach Angaben des Staatsanwalts von Versailles als Sekretärin im Polizeikommissariat der nahegelegenen Stadt Mantes-La-Jolie. Ihr Mann war laut "Parisien" stellvertretender Chef der Kriminalpolizei im ebenfalls nahegelegenen Les Mureaux.

Hinweise auf islamistischen Hintergrund

Der Angreifer war wegen Terrorismus vorbestraft. Es handele sich um einen 25-jährigen Franzosen, der 2013 zu drei Jahren Haft verurteilt worden sei, berichteten die Zeitung "Le Monde" und der Sender Europe 1 übereinstimmend. Dabei ging es um ein Netzwerk, das Dschihadisten ins pakistanisch-afghanische Grenzgebiet brachte. Der Mann sei wegen "krimineller Vereinigung zur Vorbereitung von Terrorakten" schuldig gesprochen worden.

Der Staatsanwaltschaft liegen nach Angaben aus Justizkreisen Anhaltspunkte für eine radikalislamische Motivation des Täters vor. Dafür sprächen "das Vorgehen, das Ziel der Tat und Äußerungen, die er in den Verhandlungen mit der Spezialeinheit gemacht hat", hieß es bei der Justiz.

Die Attacke genau sieben Monate nach den Pariser Terroranschlägen vom 13. November fällt mit der Fußball-Europameisterschaft in Frankreich zusammen, die aus Furcht vor Anschlägen von Zehntausenden Polizisten geschützt wird. In Frankreich gilt wegen der EM eine erhöhte Terrorwarnstufe.

Keine Belege für Verbindung zum IS

Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bezeichnete die Geiselnahme als Tat eines ihrer Aktivisten. Die auf die Auswertung islamistischer Nachrichtenseiten im Internet spezialisierte SITE-Gruppe aus den USA zitierte in der Nacht eine Meldung der Nachrichtenagentur Amaq: "Kämpfer des Islamischen Staats tötet Vizechef der Polizeistation von Les Mureaux und seine Frau mit Stichwaffen nahe Paris."

Amaq gilt als Sprachrohr des IS. Belege für eine Verbindung des Täters zum IS legte Amaq nicht vor. Über die Agentur hatte sich die Miliz bereits zu dem Anschlag auf einen Nachtclub im US-Bundesstaat Florida in der Nacht zu Sonntag bekannt.

Präsident Hollande: "Abscheuliches Drama"

Präsident Hollande sprach von einem "abscheulichen Drama", dessen genaue Hintergründe noch geklärt würden. "Es wird vollständige Aufklärung geben", hieß es in einer Erklärung. Innenminister Cazeneuve äußerte sein "unendliches Bedauern" über den Tod des Polizisten und seiner Partnerin. Dem Sondereinsatzteam der Polizei, das die Geiselnahme beendete, bescheinigte er "große Professionalität".

kis/dho / AFP / Reuters