MedEvac-Airbus Die fliegende Intensivstation


Mit dem MedEvac-Airbus verfügt die Bundeswehr über ein weltweit einzigartiges Rettungssystem. In der Spezialmaschine können bis zu 44 Verletzte transportiert werden. Auch das Personal genügt höchsten Ansprüchen.

Für 44 schwer verletzte deutsche Touristen im Katastrophengebiet von Thailand kann die fliegende Intensivstation der Luftwaffe Rettung bedeuten. Zwei luftwaffengrau gestrichene umgebaute Airbus 310 stehen ständig voll ausgerüstet am Flughafen Köln/Bonn bereit, um nötigenfalls verletzte Soldaten oder Zivilsten aus Krisengebieten, nach Terroranschlägen oder aus Katastrophenregionen auszufliegen.

Die Maschine, die nach Ankündigung von Bundesaußenminister Joschka Fischer noch am Dienstag nach Phuket starten sollte, ist die "Hans Grade" mit der Kennung 10+26. Nach Angaben von Oberstleutnant Günther Otterski vom Pressezentrum der Luftwaffe in Köln-Wahn fliegt der Airbus in der Standardkonfiguration. Das heißt, die Maschine verfügt über sechs hochmoderne, computerüberwachte Intensivbehandlungsplätze, die nach Aussage der Bundeswehrmediziner den Vergleich mit modernsten Einrichtungen in Kliniken auf dem Boden nicht scheuen müssen. Dazu kommen 38 Betten für nicht lebensbedrohlich Verletzte sowie 32 Passagierplätze.

Weltweit einzigartiges Flugzeug

Der MedEvac-Airbus (für "medizinische Evakuierung") gilt als weltweit einzigartig. Insgesamt vier Airbus 310 hatte die Bundeswehr von der Lufthansa gekauft und 1999 zu flexiblen Mehrzwecktransportern umbauen lassen. Äußerlich zeichnen sich die Flugzeuge durch eine riesige Frachtluke auf der linken Seite vor den Tragflächen aus. Durch das hydraulisch bediente Tor können Verwundete auf Tragen ins Flugzeug gehoben werden.

Auch das medizinische Personal, bis zu 25 Soldatinnen und Soldaten, genügt nach den Angaben der Luftwaffe höchsten Ansprüchen. Die Intensivmediziner an Bord werden je nach Einsatz von Bundeswehrkrankenhäusern wie dem in Koblenz geholt. Ihre Ausbildung gilt als besser als die normaler Notärzte. Sie müssten schwerst verletze Patienten am Leben halten können, bis der Rettungsflug ein reguläres Krankenhaus erreicht habe.

Die Zeit zwischen Alarmruf und Abflug sei aber nicht der allein entscheidende Faktor, "da die Patienten in aller Regel bereits erstversorgt sind, bevor wir sie abholen", erklärt Stabsfeldwebel Guido Rademacher, der auf der Heimatbasis des MedEvac-Airbus in Köln-Wahn dafür sorgt, dass alle medizinischen Geräte einsatzfähig sind, wenn ein Alarmruf kommt. "Innerhalb von drei Stunden nach Alarmierung kann der Airbus abheben", sagt der 40-Jährige. Viel zeitintensiver sei es manchmal, die Überflugrechte über bestimmte Staaten zu bekommen.

Der von der Luftwaffen-Flugbereitschaft verwendete Airbus A310-304 ist ein zweistrahliger Mittelstreckenjet. Er ist die 1982 erstmals geflogene kürzere Version des ursprünglichen Airbus A300. Das Flugzeug ist 46,66 Meter lang, 15,80 Meter hoch und hat eine Spannweite von 43,90 Metern. Das Leergewicht beträgt 79 Tonnen.

9.000 Kilometer Reichweite

Angetrieben werden die Maschinen von zwei Triebwerken des Herstellers General Electric mit einem Schub von jeweils 238.000 Newton. Mit einer Tankfüllung von fast 49.000 Litern Kerosin kann der Airbus A310-304 eine maximale Nutzlast von rund 33 Tonnen etwa 9.000 Kilometer weit befördern. Die Maschine fliegt dabei in maximal 12,5 Kilometer Höhe mit einer Reisegeschwindigkeit von etwa 860 Kilometer pro Stunde.

Die fliegenden Intensivstationen waren in den vergangenen Jahren schon mehrfach im Einsatz. So holten sie verletzte Franzosen nach einem Anschlag aus Karachi und verletzte deutsche Touristen aus Tunesien nach dem Anschlag auf der Ferieninsel Djerba.

Bis Phuket wird die "Hans Grade" nach Angaben der Luftwaffe etwa 15 Stunden unterwegs sein. Wegen der erforderlichen Treibstoffmenge und Zuladung muss der MedEvac-Airbus in Dubai zwischenlanden, um aufzutanken.

Joachim Sondermann/AP AP

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