HOME

Nach Hurrikan "Katrina": New Orleans wird evakuiert

Millionen Menschen in Louisiana, Mississippi und Alabama sind ohne Strom, obdachlos oder ohne Trinkwasser. Das Wasser hört nicht auf zu steigen, 80 Prozent von New Orleans sind überflutet. Die Stadt wird nun vollständig geräumt.

Nach dem verheerenden Hurrikan "Katrina" steht New Orleans zu 80 Prozent unter Wasser. Die Gouverneurin des US-Staats Louisiana, Kathleen Blanco, ordnete am Mittwoch die vollständige Evakuierung der 480.000-Einwohner-Metropole an. Ingenieure der Streitkräfte versuchten derweil, die Wassermassen mit Sandsäcken aufzuhalten und zwei gebrochene Dämme zu reparieren. Der Erfolg hielt sich jedoch in Grenzen.

Im ebenfalls verwüsteten Nachbarstaat Mississippi wurden mindestens 110 Todesopfer bestätigt. Allein in Louisiana sind eine Million Menschen obdachlos geworden. Hunderte Menschen harrten den dritten Tag in Folge auf den Dächern ihrer Häuser aus und warteten auf Rettung. Mit Booten und Hubschraubern brachten die Rettungskräfte allein in Louisiana 3000 Menschen von Balkonen und Hausdächern in Sicherheit. "Es war die Hölle", sagte die Ladenbesitzerin Kioka Williams aus New Orleans.

In mehreren Ortschaften wurden Geschäfte geplündert, vor allem Schmuck und Bekleidungsstücke wurden entwendet. In New Orleans plünderten Einwohner trotz eines verhängten Ausnahmezustandes Lebensmittelmittelgeschäfte. Nach Angaben des lokalen Fernsehsenders WDSU verletzte ein Plünderer einen Polizisten mit einem Kopfschuss. Außerdem wurden in New Orleans nach Berichten von WDSU das Kriegsrecht ausgerufen, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.

In den Staaten Louisiana, Mississippi und Alabama waren mehr als eine Million Menschen ohne Strom, viele hatten kein Trinkwasser. In New Orleans stiegen die Fluten stündlich. Nach Anordnung von Gouverneurin Blanco sollen deshalb auch die Notunterkünfte geräumt werden - darunter das Footballstadion Superdome, in das sich rund 20.000 Menschen geflüchtet hatten.

Weitere 40.000 hielten sich in rund 200 Notunterkünften auf, die das Rote Kreuz im Katastrophengebiet errichtet hatte. Blanco sprach von einer Herz zerreißenden Situation und rief die Menschen zu Gebeten auf. Etwa 25.000 Menschen könnten in ein still gelegtes Stadion im 500 Kilometer entfernten Houston evakuiert werden, wie die texanischen Behörden am Mittwoch mitteilten. Die Details der Aktion würden noch ausgearbeitet. Der nationale Katastrophenstab stellt derweil 475 Busse für den Transport bereit.

Experten der Streitkräfte ließen von einem Hubschrauber Sandsäcke mit einem Gewicht von 1350 Kilogramm sowie Betonblöcke ins Wasser, um einen Dammbruch in New Orleans abzudichten. Generalmajor Don Riley schlug sogar vor, ein Boot in das 150 Meter breite Loch zu rammen. Nach seinen Angaben dürfte es einen Monat dauern, bevor das Wasser aus der Stadt abläuft. Bürgermeister Ray Nagin, erklärte im Fernsehsender ABC, vermutlich könnten die Bewohner sogar erst nach drei Monaten wieder nach Hause zurückkehren.

Im Umkreis der Kleinstadt Biloxi in Mississippi kamen nach Behördenangaben mindestens 110 Menschen ums Leben. Der Leiter der Behörde für Zivilverteidigung des Bezirks Harrison, Joe Spraggins, fürchtete, dass sich diese Zahl noch verdoppeln oder verdreifachen könnte. Allein in einem einzigen Wohnblock in Biloxi kamen nach Angaben des Katastrophenschutzzentrums 30 Menschen um. Auch die Stadt Gulfport wurde völlig verwüstet. In Louisiana werden ebenfalls zahlreiche Todesopfer befürchtet, wenngleich die Behörden keine Zahlen nannten. Für die Stadtverwaltung von New Orleans hatte zunächst die Rettung der Überlebenden Vorrang. "Wir kümmern uns jetzt nicht um die Toten", sagte Bürgermeister Nagin.

Das Verteidigungsministerium stellte weitere Ressourcen für die Rettung der Flutopfer bereit. Dabei ging es sowohl um die Anlieferung von Versorgungsgütern als auch um Hilfen bei der Suche nach Opfern. "Katrina" wurde mittlerweile zum Tropensturm herabgestuft, am Mittwoch wurden nur noch Windgeschwindigkeiten von rund 50 Stundenkilometern gemessen. Die Meteorologen gaben jedoch keine Entwarnung: In den kommenden Tagen könnten sich über dem Südosten der USA neue gefährliche Tornados bilden.

AP/DPA / AP / DPA