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Naturgewalt: Starkes Erdbeben erschüttert Japan

Ein Erdstoß der Stärke 7,2 hat in Tokio die Hochhäuser zum Schwanken gebracht. Obwohl ein Beben dieser Stärke katastrophale Auswirkungen haben kann, kam niemand ums Leben.

Bei einem schweren Erdbeben der Stärke 7,2 sind am Dienstag im Norden Japans mindestens 45 Menschen verletzt worden.

Medienberichten zufolge verletzten sich mindestens 22 Menschen, als in einem Schwimmbad in der Millionen-Stadt Sendai Teile der Decke einstürzten. Schnellzüge wurden angehalten und im Atomkraftwerk Onagawa die Generatoren automatisch abgeschaltet. Die Präfektur Miyagi, vor deren Küste das Zentrum des Bebens lag, sprach kurzzeitig eine Tsunami-Warnung aus. Tausende Haushalte waren vorübergehend ohne Strom. Gebäude schwankten auch in der 300 Kilometer entfernten Tokio. Über gravierende Schäden oder Verletzte in der Hauptstadt wurde aber nichts bekannt. Dem Hauptbeben folgten mehrere schwächere Nachbeben. Japanischen Meteorologen zufolge erreichten diese höchstens die Stärke 4,5. Die wirtschaftlichen Schäden hielten sich ersten Berichten zufolge in Grenzen.

Das Beben ereignete sich um 11.46 Uhr Ortszeit (4.46 Uhr MESZ). "Es gab einen gewaltigen Schlag", sagte eine Augenzeugin dem Sender NHK zur Situation im Schwimmbad in Sendai. "Die Leute haben alle durcheinander geschrien und sind zu den Ausgängen gerannt." Viele Zugverbindungen wurden stundenlang ausgesetzt, auch Hochgeschwindigkeitszüge standen still. Die großen Flughäfen in Tokio unterbrachen ihren Betrieb jedoch nur kurzzeitig und untersuchten die Start- und Landebahnen auf mögliche Schäden.

Tausende ohne Strom

Wegen des Bebens seien die drei Generatoren des Atomkraftwerks Onagawa automatisch gestoppt worden, teilte der Energiekonzern Tohoku Electric mit. "Wir prüfen die Anlagen, um zu sehen, ob es irgendwelche Schäden gibt", sagte eine Sprecherin. Es gebe aber keine Hinweise auf einen möglichen Austritt von Radioaktivität. Zeitweise seien 17.000 Haushalte ohne Strom gewesen. Die Stromversorgung laufe aber wieder an. Ein Händler fürchtete indes, der Ausfall könne den Ölpreisen weiter Schub geben. "Wenn das Onagawa-Werk lange geschlossen bleibt, könnte dies die Treibstoffpreise in die Höhe treiben", sagte er. Andere Experten rechneten aber mit lediglich geringen Auswirkungen auf die Wirtschaft.

Asiens größter Energieversorger Tokyo Electric Power gab bekannt, der Betrieb seiner Atomkraftwerke in Nordjapan sei nicht beeinträchtigt worden. Der Öl-Konzern Nippon Oil unterbrach seine gesamte Öl-Produktion in seiner Raffinerie Sendai. "Wir wissen im Moment noch nicht, wann wir den Betrieb wieder anfahren können", sagte ein Sprecher. Über Probleme in anderen Raffinerien des Landes wurde zunächst nichts bekannt.

Der Konzern Fuji Photo unterbrach nach eigenen Angaben seine Produktion digitaler Kameras kurzzeitig, stellte aber keine Schäden an seinen Anlagen fest. Der Konzern Sony, der in Miyagi Magnetbänder und Laser herstellt, berichtete, es habe weder Schäden noch Beeinträchtigungen gegeben.

Tsunami-Warnung wieder aufgehoben

An der Küste von Miyagi stieg der Wasserspiegel nach dem Beben zeitweise um rund zehn Zentimeter an. Eine Tsunami-Warnung wurde nach etwa 90 Minuten wieder aufgehoben.

In Japan ereignen sich häufig Erdbeben. Im Oktober kamen bei einem Beben der Stärke 6,8 in Niigata 40 Menschen ums Leben, mehr als 3000 wurden verletzt. In Kobe starben 1995 bei einem Beben der Stärke 7,3 mehr als 6400 Menschen.

Reuters / Reuters