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New York Fähre kollidiert mit Kaimauer - Dutzende Verletzte


Wie jeden Morgen wollten hunderte Pendler mit der Fähre zur Arbeit nach Manhattan fahren. Doch dann gibt es einen Knall. Das Boot ist an den Kai gekracht. Mindestens 57 Menschen werden verletzt.

Das Ziel ist fast erreicht. Zum Aussteigen bereit stehen dutzende Pendler wie jeden Morgen im Innenraum der Fähre aus New Jersey aufgereiht. Hinter den Fenstern glitzern im diesigen Sonnenlicht die Hochhäuser der Skyline des südlichen Manhattans, wo viele von ihnen arbeiten. Einige Passagiere tippen auf ihren Handys, andere lesen Zeitung, wieder andere versuchen noch ein paar Minuten Schlaf nachzuholen. Doch plötzlich rumst es. Ein Knall, Fensterscheiben splittern. Schreie. Viele Menschen aus der Schlange an der Tür werden gegen Wände geschleudert. Die, die noch nicht aufgestanden waren, fliegen von ihren Sitzen.

57 Menschen seien verletzt worden, als die Fähre am Mittwochmorgen (Ortszeit) gegen die Anlegestelle im südöstlichen Manhattan gekracht sei, bilanzieren die Behörden später. Mindestens zwei von ihnen lebensgefährlich und neun schwer. Mehr als 300 Passagiere sollen sich an Bord befunden haben, als das Unglück passierte. Wie ein Autounfall habe sich der Aufprall angefühlt, sagt ein Passagier später einem Fernsehsender. "Niemand wusste, was los war." Die Fähre sei schon ein wenig wackelig an den Kai herangefahren, sagt eine Insassin. "Dann hat das Dock die rechte Seite des Bootes hart getroffen, wie eine Bombe. Alle haben geschrien."

Loch klafft an Steuerbordflanke

Wenige Stunden später liegt die "Sestreak Wall Street" immer noch an der Andock-Stelle des "Pier 11". Der Zusammenprall mit dem Metall-Dock hat ein großes Loch in die Steuerbord-Seite des rund 40 Meter langen weißen Katamarans mit den dunklen Scheiben gerissen. Wie eine aufgerissene Konservenbüchse klafft es etwa 40 Zentimeter über der Wasseroberfläche in der Flanke des Boots. Wasser kann nicht hineinlaufen, der Katamaran schaukelt im Wind.

Polizei, Feuerwehr und Küstenwache haben die Gegend weiträumig abgesperrt. Hubschrauber kreisen über der Unglücksstelle, Polizeiboote patrouillieren im East River. Wo im Schatten der gewaltigen Brooklyn Bridge sonst täglich Dutzende Pendlerboote ankommen und aufbrechen, hunderte Touristen zu Hafenrundfahrten ablegen und Einheimische die praktische Fährverbindung zu einem Möbelhaus im Stadtteil Brooklyn nutzen, ist es Stunden nach dem Unglück außergewöhnlich menschenleer. Die Verletzten sind in Krankenhäuser gebracht worden, Fährverbindungen am "Pier 11" abgesagt oder umgeleitet worden.

Pendlerfähren wichtiger Bestandteil des Nahverkehrs

Lediglich einige Experten von Polizei und Feuerwehr werden an Bord des verunglückten Schiffs gelassen, um die Schäden zu begutachten. Zunächst kann keiner von ihnen sich einen Reim darauf machen, warum die voll besetzte moderne Fähre bei gutem Wetter gegen das Pier knallte. Auch die Sicherheitskommission der Nationalen Verkehrs-Behörde hat eine Untersuchung angekündigt. Dabei soll unter anderem geprüft werden, ob der Kapitän betrunken war oder unter Drogen gestanden hat.

Die Pendlerfähren sind ein wichtiger Teil der Infrastruktur New Yorks. Tausende Menschen aus anderen Stadtteilen oder aus dem Bundesstaat New Jersey nutzen sie, um zur Arbeit nach Manhattan zu kommen. Touristen genießen von den Booten aus die Aussicht auf die Skyline der Millionenmetropole. Die Stadt New York hat den Fährbetrieb deswegen in den vergangenen Jahren immer weiter ausgeweitet. Unfälle sind relativ selten, haben aber auch schon zu Todesopfern geführt.

Die Betreiber-Firma SeaStreak kündigte in einer Mitteilung an, mit den Behörden zusammenzuarbeiten, um den Vorfall aufzuklären. "Unsere Gedanken und Gebete sind bei den Verletzten."

ins/DPA DPA

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