HOME

Nordsee: 24 Verletzte nach Unglück auf Katamaran

Bei schwerem Seegang sind auf einem Katamaran auf der Rückfahrt von Helgoland 24 Menschen verletzt worden. Meterhohe Wellen hatten die Reling abgerissen, die auf ein Fenster prallte. Drei Passagiere wurden durch herumfliegende Splitter so schwer verletzt, dass sie mit einem Hubschrauber aufs Festland gebracht werden mussten.

Beim Unfall eines Hochgeschwindigkeits-Katamarans auf hoher See sind 24 Urlauber auf dem Rückweg von Helgoland zum Teil schwer verletzt worden. Bei starkem Seegang hatte sich kurz vor der Nordseeinsel Borkum nach den Ermittlungen der Polizei aus zunächst unbekannter Ursache eine Bugreling aus der Verankerung gerissen und eine Panoramascheibe durchschlagen. Durch umherfliegende Glassplitter wurden 24 der insgesamt 361 Fahrgäste der "MS Polarstern" zum Teil schwer verletzt, wie Jörg Lobeck, Sprecher der Wasserschutzpolizei Emden sagte.

Bis sie ärztlich behandelt werden konnten, mussten sie bange drei Stunden warten. Denn solange brauchte das Schiff, um die ostfriesische Insel Borkum anzulaufen. 16 Passagiere konnten wegen Schnittverletzungen und Prellungen ambulant versorgt werden, fünf kamen ins Inselkrankenhaus. Drei Reisende wurden so schwer verletzt, dass sie mit einem Rettungshubschrauber zum Klinikum Emden geflogen werden mussten.

Hubschrauber startete mit Winde

Nach den Erkenntnissen der Polizei ereignete sich der Unfall am Montag, gegen 18.15 Uhr, etwa auf halber Strecke zwischen Helgoland und der Insel Norderney. Ebenso wie die anderen Rettungsdienste erreichte der Alarm kurz nach 20.00 Uhr den ADAC-Rettungshubschrauber "Christoph 26" im friesischen Sanderbusch bei Wilhelmshaven. "Weil wir nicht genau wussten, wie weit der Katamaran noch auf See war, sind wir mit Winde gestartet, um notfalls Verletzte über ein Seil an Bord ziehen zu können", berichtete Notarzt Matthias Ruppert. Als die Maschine vom Typ BK 117 eine gute halbe Stunde später vor Borkum eintraf, war die "Polarstern" nur noch zehn Minuten vom Hafen entfernt.

"Dadurch hatten wir etwas Zeit, zusammen mit den anderen Rettungskräften den Einsatz vorzubereiten", sagte Ruppert. "Alles lief sehr präzise und ruhig ab. Auch drei Ärztekollegen von der Insel kamen zur Unterstützung." Nachdem das Schiff angelegt hatte, wurden zunächst die unverletzten Passagiere von Bord geleitet. "Danach hatten wir einen besseren Überblick über die Situation", schilderte Ruppert weiter. Die Leichtverletzten wurden in einem bereitgestellten Bus des Roten Kreuzes behandelt. "Viele von ihnen hatten Schnittwunden und leichte Kopfverletzungen, bei einigen bestand Verdacht auf Knochenbrüche." Die drei Schwerverletzten wurden per Hubschrauber in Krankenhäuser gebracht.

Wellen waren 2,50 Meter hoch

Die Ermittlungen müssten nun zeigen, ob zum Beispiel ein Materialfehler, ein Fehler des Kapitäns oder Wartungsversäumnisse schuld an dem Unfall waren, sagte Polizeisprecher Lobeck. Am Montagabend hatten nach seinen Angaben Windstärken von 5 bis 6 geherrscht. Die Wellen dürften laut Lobeck etwa 2,50 Meter hoch gewesen sein. Wartungsfehler scheiden nach Ansicht der Sprecherin der Reederei des Katamarans, der AG Ems, als Unglücksursache aus. Das Schiff sei vorschriftsmäßig jährlich in der Werft. "Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, dass da was war", sagte Corina Habben. Denkbar sei höhere Gewalt. Die Schiffe würden von erfahrenen Nautikern geführt.

Die Reederei wolle vor öffentlichen Stellungnahmen aber zunächst intern den Hergang der Ereignisse recherchieren. Nach Angaben der Reederei ist der Katamaran sieben Jahre alt. Er erreicht Geschwindigkeiten von bis zu 42 Knoten entsprechend rund 77,8 Stundenkilometer. Maximal kann er 402 Fahrgäste befördern.

DPA/AP / AP / DPA