Nordwestdeutschland Schneechaos legt Verkehr lahm


Schnee, Eis und Sturm haben den Verkehr in Teilen von Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen in der Nacht zum Samstag zum Erliegen gebracht. Vielen Menschen steckten in Zügen fest oder wurden in Notunterkünften untergebracht.

"Das war das blanke Chaos", kommentierte ein Polizeisprecher die Zustände in weiten Teilen Nordwestdeutschlands. Mehrere hundert Reisende steckten stundenlang in Zügen fest. Andere wurden in Notquartieren wie Turnhallen und Schulen in Osnabrück, Münster, Bohmte, Rheine und Bad Bentheim untergebracht. Sie konnten ihre Reise nicht fortsetzen, weil Schnee und umgestürzte Bäume die Schienen blockierten. Der Bahnverkehr in Osnabrück wurde bis zum Morgen völlig eingestellt. Gegen acht Uhr sollten die Züge wieder fahren.

Verzweiflung machte sich bei denen breit, die stundenlang in der Bahn eingeschlossen waren: "Bei uns liegen die Nerven blank", sagte ein 38 Jahre alter Mann, der gemeinsam mit rund 400 weiteren Fahrgästen in einem Intercity-Zug aus Köln festsaß. "Wir wissen nicht einmal, wo wir sind. Wir warten immer wieder irgendwo im Niemandsland. Keiner informiert uns", klagte er. Seit mehr als 14 Stunden befinde er sich in der Bahn und habe keine Ahnung, wann er an seinem Zielbahnhof in Hamburg ankomme.

Viele Züge fielen aus

"Die Bahn arbeitet auf Hochtouren", sagte eine Bahnsprecherin. Die Strecken würden so schnell wie möglich geräumt. Auch in Nordrhein-Westfalen fielen diverse Züge aus oder fuhren nur mit Verspätung. Für rund 30 Bahnreisende wurde deshalb am Hauptbahnhof in Münster ein Notquartier in einem ehemaligen Bunker eingerichtet.

Auf mehreren Autobahnen herrschte die Nacht über Chaos. Auf der A 31 bei Gronau staute sich der Verkehr wegen eines herabgestürzten Starkstromkabels zeitweilig auf bis zu 50 Kilometer Länge. "Es ist alles sehr problematisch. Aber wir kriegen die Lage ganz langsam in den Griff", sagte ein Polizeisprecher. Auf der Strecke entspannte sich die Lage am frühen Samstagmorgen.

Nächte auf der Autobahn

Auf der A 1 dagegen kam es in den Morgenstunden kurz vor einer Raststätte bei Tecklenburg in der Nähe von Osnabrück erneut zu einem Stau von rund 20 Kilometern Länge. Auf der A 33 bei Osnabrück versorgten Helfer die Menschen, die teilweise die ganze Nacht in ihren Wagen verbringen mussten, mit heißen Getränken und Decken.

In zahlreichen Ortschaften in Nordrhein-Westfalen herrschte in der Nacht weiterhin Stromausfall. Ein Krankenhaus im Kreis Steinfurt musste über ein Notstromaggregat versorgt werden. Die Stromausfälle könnten teilweise noch bis zum Samstagnachmittag andauern, hieß es.

Überfrierende Nässe in Bayern

In anderen Teilen Deutschlands hatte das Winterwetter den Straßenverkehr ebenfalls fest im Griff. In Baden-Württemberg kam es auf der A 6 bei Sinsheim zu stockendem Verkehr wegen Schneeglätte und zu vermehrten Unfällen mit Blechschäden. In Bayern warnte die Polizei vor überfrierender Nässe.

In den Niederlanden und Großbritannien verursachte der Wintereinbruch ebenfalls massive Probleme. Südlich von Enschede nahe der deutschen Grenze waren etwa 40.000 Menschen in mehreren Ortschaften seit Mittag ohne Elektrizität, weil eine Stromleitung unter der Schnee- und Eislast gebrochen war. Niederländische Soldaten kamen eingeschneiten Autofahrern mit Geländefahrzeugen zu Hilfe. Noch am späten Abend gab es insgesamt rund 300 Kilometer Stau auf den Schnellstraßen des Landes.

Rund 1000 Menschen saßen in Südwestengland in ihren Autos im Schnee fest. Die Polizei alle verfügbaren Kräfte im Einsatz, um noch in der Nacht alle Autofahrer zu erreichen und in warme Unterkünfte zu bringen. Am Nachmittag waren bis zu 1000 Schulkinder in ihren verschneiten Schulen in Cornwall eingeschlossen gewesen.

DPA/AP AP DPA

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