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Ölpest erreicht Mississippi-Delta: Hilflos angesichts der drohenden Katastrophe

Die Ölpest kommt unausweichlich auf das Mississippi-Delta zu, nichts hält sie auf. Schwer lastet die Hilflosigkeit angesichts des drohenden Desasters auf den Menschen an der Küste am Golf von Mexiko. Neue Hiobsbotschaften schrecken nicht nur die Küstenbewohner auf.

Die Ölpest kommt unausweichlich auf das Mississippi-Delta zu, nichts hält sie auf. Schwer lastet die Hilflosigkeit angesichts des drohenden Desasters auf den Menschen an der Küste am Golf von Mexiko. Neue Hiobsbotschaften schrecken nicht nur die Küstenbewohner auf: Das Öl tritt fünfmal schneller als gedacht aus dem beschädigten Bohrloch, rund 800.000 Liter pro Tag. Und es scheint, als habe sich auch das Wetter gegen die Retter verschworen. Der Wind über dem Golf von Mexiko dreht und treibt den bedrohlichen Ölteppich in Richtung der hoch empfindlichen Küste, die er wohl am Freitag erreichen wird. US-Präsident Barack Obama erklärt die Ölpest zur "nationalen Katastrophe", der Gouverneur des US-Bundesstaats Louisiana, Bobby Jindal, ruft den Notstand aus.

Umweltschützer rechnen mit dem Schlimmsten, wenn das Öl erst einmal den einzigartigen Lebensraum im Mündungsdelta des Mississippi erreicht hat. "Es ist nicht so, dass da einfach einige Freiwillige hinfahren können, um das Öl aufzuwischen", sagt die Umweltexpertin LuAnn White von der Tulane-Universität in New Orleans. "Hier gibt es viele Meilen sumpfigen Küstenlandes, die nur per Boot erreicht werden können. Es ist höchst empfindlich." Die ersten Ausläufer der Öl-Verseuchung würden am Freitag an die Küste gelangen, sagt Konteradmiralin Sally Brice O'Hara voraus.

Ölverschmutzungen sind für jede Küste eine Katastrophe. Die Beschaffenheit der Golfküste lässt ein besonders schwer zu behebendes Fiasko erwarten. Über Jahrtausende hinweg hat der Mississippi sein Delta durch immer neue Ablagerungen ins Meer hinausgetrieben, das Sumpfdelta ist ein fein verästelter Übergangsbereich zwischen Meer und Land. Die Flut und der Wind könnten die Ölbrühe tief in die Marschen hineintreiben. Eine gründliche Säuberung wäre fast unmöglich, weil Helfer hier auf dem weichen Sumpfboden nicht einmal stehen können.

"Wenn die Salzmarschen und Seegrasbetten direkt mit dem Öl in Berührung kommen, wird die Erholung Jahre dauern", prophezeit der Ökologe Tom Minello von der US-Meeresbehörde NOAA. In den Sumpfgebieten wimmelt es bislang von Leben. Die fruchtbaren Ablagerungen des Mississippi lassen Krebse, Krabben und Muschelbänke gedeihen. Es gibt Fische und Wasservögel, Alligatoren und Schildkröten. Das Öl bedroht aber nicht nur die Lebensgrundlage von Tieren, sondern auch die vieler Menschen: Seit Jahrhunderten leben Fischer an der Küste und an den Bayous, den Wasserarmen im Sumpfland. 40 Prozent der US-Produktion an Krustentieren stammen aus dieser Gegend des Bundesstaates Louisiana.

Gouverneur Jindal sieht sich an den Hurrikan "Katrina" erinnert, der seinen Staat 2005 verwüstet hatte. "Wir müssen für das Schlimmste gewappnet sein", sagte er nach einem Flug über den Ölteppich. "Wir gehen dieses Problem so an, als handle es sich um einen herannahenden Hurrikan."

Erste Versuche zum kontrollierten Abfackeln des Öls sind laut dem Förderkonzern BP erfolgreich verlaufen. Dabei treiben Schiffe das Öl an besonders konzentrierten Stellen in Schwimmbarrieren zusammen und setzen es in Brand. Giftige Rauchschwaden steigen auf, schädliche Rückstände bleiben im Meer zurück. Allerdings ist diese drastische Methode nur dort möglich, wo das Rohöl puddingdick konzentriert und deshalb brennbar ist. Rund 97 Prozent des Ölteppichs bestehen indes aus einem dünnen Wasser-Öl-Gemisch, das nicht brennbar ist.

Allen Johnson, AFP / AFP