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Schweinegrippe: Verdachtsfälle in Deutschland häufen sich

Weltweit werden immer neue Fälle von Schweinegrippe gemeldet. Auch in Europa breitet sich das Virus aus. Deutschland ist bisher verschont geblieben, auch wenn sich immer mehr Menschen mit verdächtigen Symptomen melden.

Die Zahl der Verdachtsfälle auf Schweinegrippe in Deutschland steigt. Drei Patienten in Bayern und einer in Nordrhein-Westfalen könnten sich mit dem neuen Erreger infiziert haben. Mindestens drei von ihnen hatten sich zuvor in Mexiko aufgehalten, wo wohl schon mehr als 150 Menschen an der Krankheit gestorben sind. Bestätigte Erkrankungen gibt es in Deutschland jedoch derzeit nicht, mehrere andere Verdachtsfälle erwiesen sich schon nach kurzer Zeit als falscher Alarm.

Der bayerische Gesundheitsminister Markus Söder (CSU) berichtete am Dienstag von drei Betroffenen, die unabhängig voneinander und zu unterschiedlichen Zeiten in Mexiko gewesen seien und bei denen das bayerische Landesamt für Gesundheit Influenza-A-Viren festgestellt habe. Ob es sich um die neue mexikanische Form handele, prüfe jetzt das Robert-Koch-Institut (RKI). Das Ergebnis steht noch aus. Söder berichtete weiter, dass zwei Patienten zurzeit in Krankenhäusern isoliert worden seien, damit sie möglichst wenig Kontakt mit anderen Menschen hätten. Im Übrigen zeigten sie nur die üblichen Grippe-Symptome wie Fieber und Schnupfen.

Im Hochsauerland-Kreis in Nordrhein-Westfalen meldete sich ein Mexiko-Reisender nach seiner Rückkehr beim Arzt in Deutschland, wie ein Sprecher der Kreisverwaltung mitteilte. Der Betroffene war den Angaben zufolge während seiner Reise an den typischen Grippesymptomen erkrankt. Da die formalen Kriterien eines Verdachtsfalles gegeben seien, habe man sicherheitshalber Laboruntersuchungen eingeleitet und die Kontaktpersonen ermittelt. Allerdings habe bei dem Mann keine Notwendigkeit zu einer Behandlung bestanden. Der Mexiko-Reisende sei auch nicht in Quarantäne, sondern befinde sich zu Hause.

Auch der Berliner Gesundheitssenat meldete am Dienstag zwei Fälle von falschem Alarm. Ein 35-Jähriger, der mit dem Flugzeug aus New York zurückgekommen sei, habe Erkältungssymptome aufgewiesen und sich selbst gemeldet. Eine 60 Jahre alte Frau habe nach ihrer Rückkehr aus dem Mexiko-Urlaub verdächtige Symptome bemerkt und sei damit zum Arzt gegangen. Die Proben seien vom RKI geprüft worden und in beiden Fällen habe sich der Verdacht nicht bestätigt.

Im Kreis Recklinghausen gaben Mediziner nach einen Verdacht auf Schweinegrippe vorläufig wieder Entwarnung: Ein Ehepaar, das am Montag aus Mexiko zurückgekehrt war, hatte über Fieber und Halsschmerzen geklagt. Der am Mittag durchgeführte Schnelltest sei jedoch negativ ausgefallen, sagte ein Sprecher des Kreises. Bis zu dem für Donnerstag erwarteten Abschlussergebnis vom RKI sollte das Paar sicherheitshalber dennoch auf der Isolierstation verbleiben.

Auch die ersten Verdachtsfälle vom Montag hatten sich nicht bestätigt. Nach einem Geschwisterpaar in Bielefeld konnte auch bei einer Frau in Mainz eine Infektion mit der Mexiko-Grippe mit hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden. Bis zur endgültigen Klärung sollten die beiden Bielefelder Patienten aber noch in der Klinik bleiben. Ein dritter zunächst in Medienberichten genannter Verdachtsfall wurde seitens der Stadt dementiert.

Krankheit breitet sich weltweit aus

Das Schweinegrippe-Virus springt von Kontinent zu Kontinent und hält immer mehr Länder in Atem. Nach Amerika und Europa wurde die Krankheit am Dienstag auch im Nahen Osten und in Neuseeland nachgewiesen. In Mexiko sind allem Anschein nach schon mehr als 150 Menschen an der Schweinegrippe gestorben, fast 2000 Verdachtsfälle werden zurzeit noch überprüft. Nach Einschätzung der WHO ist eine Eindämmung derzeit kaum möglich. In Europa bestätigte sich ein weiterer Fall: In Spanien wurde ein Patient in einem Krankenhaus in Valencia positiv auf das Virus getestet, wie Gesundheitsministerin Trinidad Jimenez mitteilte. Der Zustand des Betroffenen sei aber nicht ernst. Den Angaben zufolge stand der Patient schon seit Montag mit 25 weiteren potenziell Erkrankten unter Beobachtung. Sie alle waren erst kürzlich von einer Reise aus Mexiko zurückgekehrt.

Der erste Krankheitsfall in Spanien wurde am Montag bestätigt. Es war zugleich der erste Schweinegrippefall in Europa. Zwei anschließend aus Schottland gemeldeten Schweinegrippepatienten geht es nach Angaben des britischen Premierministers Gordon Brown inzwischen besser. Insgesamt gibt es Verdachtsfälle in mindestens neun weiteren EU-Staaten: in Deutschland, Frankreich, Österreich, Tschechien, Italien, Griechenland, Irland, Dänemark und Schweden.

EU-Gesundheitskommissarin Androulla Vassiliou kündigte ein Treffen mit Vertretern von Pharma-Konzernen an. Generell rät die EU von Reisen nach Mexiko und in die amerikanischen Grenzgebiete dringend ab. In Neuseeland sind nach Angaben des Gesundheitsministeriums mindestens elf Menschen an der Schweinegrippe erkrankt. Dabei handelt es sich um Schüler und Lehrer einer Reisegruppe, die am Wochenende aus Mexiko zurückgekehrt war. Außerdem gibt es dort 43 weitere Verdachtsfälle. Die Seuche erreichte damit den asiatisch-pazifischen Raum. Auch aus Südkorea wurde ein Verdachtsfall gemeldet. Auch in Israel wurden zwei Fälle bestätigt. Beide Patienten seien aber auf dem Weg der Besserung. Weltweit wurden die Sicherheitsmaßnahmen erhöht. Russland, Hongkong und Taiwan erklärten, Durchreisende mit Grippesymptomen würden sofort in Quarantäne eingewiesen.

AP / AP
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