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Sechs Monate nach Amoklauf: Der Schock in Newtown sitzt noch tief

Der Amokläufer tötete 20 Kinder und sechs Erwachsene. Seit diesem Tag vor sechs Monaten versuchen die Hinterbliebenen in der US-Kleinstadt Newtown, ins normale Leben zurückzufinden.

Am 14. Dezember 2012 um halb zehn Uhr morgens stürmt Adam Lanza die Sandy-Hook-Grundschule in Newtown, rund 100 Kilometer nördlich von New York. Mit einem Sturmgewehr des Typs Bushmaster und mehreren Handfeuerwaffen schießt er wild um sich. 20 kleine Kinder und 6 Mitarbeiter sterben. Vorher hatte der 20-Jährige bereits daheim seine Mutter umgebracht - und am Ende des Amoklaufes löscht er auch sein eigenes Leben aus. Sechs Monate sind an diesem Freitag seit der Tragödie vergangen, die als eine der schlimmsten Bluttaten in die US-Geschichte eingegangen ist.

Seit jenem Tag ist die idyllische Kleinstadt in Connecticut nicht mehr das, was sie einmal war. Die Kameras sind längst verschwunden, die Bundespolizei FBI hat ihre Zweigstelle wieder geschlossen, Kerzen und Plüschtiere wurden weggeräumt. Sie hätten die Kinder auf dem Schulweg eingeschüchtert, heißt es. Denn die Angst blieb. "Jedes Mal wenn man einen Raum betritt, schaut man sich um, wo man sich verstecken würde," sagt eine 17 Jahre alte Schülerin aus Newtown dem TV-Sender CNN. "Sogar Lehrer haben gesagt, dass sie das machen." Die noch immer geschlossene Grundschule wird bald abgerissen und durch einen Neubau an gleicher Stelle ersetzt.

Kampf um strengere Waffengesetze

Die Familie Barden verlor bei dem Amoklauf kurz vor Weihnachten ihren jüngsten Sohn Daniel. Am schlimmsten sei es morgens, um die Zeit, als sie immer mit ihm auf den Schulbus gewartet hätten, erzählen die Eltern der "Washington Post". Mit Spaziergängen und anderen Aktivitäten versuchten sie sich abzulenken, um diese Stunden zu überstehen. Die Tochter leide seit Daniels Tod unter Angstzuständen - und jeden Tag sei es ein harter Kampf, bis sie in die Schule gehe. Alle schlafen in einem Zimmer in dem großen Haus.

Was die Familie nun antreibt, ist der Kampf um strengere Waffengesetze. "Es ist nun unsere Aufgabe, dass sich die Menschen daran erinnern", sagt Vater Mark Barden - und vielleicht eine Lehre daraus ziehen. Täglich sterben in Amerika Menschen durch Pistolen- und Gewehrschüsse - mehr als 4800 sind seit Newtown, wie eine Zählung auf der Internetseite Slate.com ergab. Erst vergangenen Freitag tötete ein Mann fünf Menschen und sich selbst in Kalifornien. Am Sonntag erschoss ein Vierjähriger versehentlich seinen Vater mit einer herumliegenden Pistole.

Republikaner behalten Waffenlobby in der Hand

Nach dem Amoklauf hatten viele in Amerika auf strengere Waffengesetze gehofft. Kurz schien es, als habe sich der Wind im Land der Waffenliebhaber gedreht. Präsident Barack Obama machte es zur Chefsache, dann aber behielten die Republikaner und die Waffenlobby doch die Oberhand. Schnell war klar, dass Maßnahmen wie das Verbot militärischer Waffen oder großer Magazine scheitern würde. Doch im April stimmte eine Mehrheit im Senat sogar gegen striktere Kontrollen der Käufer von Waffen, obwohl laut einer Meinungsumfrage 83 Prozent der Amerikaner dies befürworteten.

Obama sprach von einem "beschämenden Tag". Während in der US-Hauptstadt bei dem Thema Stillstand zu herrschen scheint, haben einige Bundesstaaten - vor allem im liberaleren Nordosten - ihre Waffengesetze verschärft. Andere Bundesstaaten haben sie hingegen wieder gelockert.

Inzwischen reisten auch in dieser Woche wieder Familien der Opfer von Newtown nach Washington, um den Druck auf die oppositionellen Republikaner zu erhöhen. Die Vereinigung "Bürgermeister gegen illegale Waffen" von Michael Bloomberg, Milliardär und Noch-Bürgermeister von New York, startet an diesem Freitag eine Bustour durch 25 Bundesstaaten. Bloomberg unterstützt im ganzen Land Kandidaten, die für strengere Waffengesetze eintreten.

Dominik Wurnig, DPA / DPA