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Ex-Geheimdienstler zu Terrorismus: "Das wollen Sie jetzt nicht lesen, aber es muss gesagt werden"

"Ihr könnt eine Weltanschauung nicht bombardieren!" Peter van Buren, Ex-Geheimdienstmitarbeiter aus den USA, hat nach den Anschlägen in Paris die Regierungen der Welt in einem Artikel zum Umdenken aufgerufen. Ein Resümee von 14 Jahren Krieg gegen den Terror.

Auf den Straßen der französischen Hauptstadt sind Soldaten nach den Terror-Anschlägen in Alarmbereitschaft.

Kriegsähnliche Bilder aus Paris: Auf den Straßen der französischen Hauptstadt sind Soldaten nach den Terroranschlägen in Alarmbereitschaft. Peter van Buren appelliert in einem Online-Artikel an die Regierungen, jetzt besonnen zu reagieren. 

"Sie wollen das nicht lesen, mir macht es auch keine Freude es zu schreiben und niemand möchte das ausgerechnet jetzt hören. Aber ich glaube, es muss gesagt werden", heißt es in einem Text von Peter van Buren auf der Website des Ron Paul Institutes für Frieden und Prosperität. Der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter aus den USA ist vor allem durch seine Kritik am Irakkrieg bekannt geworden. Nach den Anschlägen in Paris meldet er sich jetzt wieder zu Wort und stellt die Erfolge westlicher Strategien im Kampf gegen den Terror infrage. 

14 Jahre Krieg gegen den Terrorismus

"Auch wenn wir seit 14 Jahren Krieg gegen den Terror führen, ist der Terror mitten unter uns - mehr als jemals zuvor - vielleicht sogar noch mehr. Es ist an der Zeit zu überdenken, was wir getan haben und was wir tun", schreibt van Buren. Die USA habe seit 2001 verschiedene Nationen wie Großbritannien, Frankreich oder

Australien in den Krieg gegen den Irak, Afghanistan, Libyen oder Syrien geführt. Er nennt auch die Drohnenangriffe auf Pakistan oder die Philippinen. Zudem habe man für diesen Krieg grundlegende Freiheiten der Bürger zu Hause aufgegeben. Sein Fazit der letzten 14 Jahre: "Wir haben wenig, bis gar nichts erreicht".

Insbesondere kritisiert van Buren die USA. Das Land habe seine Freiheit aufgegeben, um den Terror zu bekämpfen. Die kriegerischen Einsätze der US-Truppen hätten viele Amerikaner das Leben gekostet und in den betroffenen Ländern gescheiterte Staaten hervorgerufen. Zudem würde man weiterhin die Muslime diskriminieren und bloß stellen und sich anschließend darüber wundern, wenn diese radikalisiert enden. Verantwortlich dafür mache man dann den sogenannten Islamischen Staat und seine Tweets.  

Der wahre Test für Frankreich

Schließlich betont der Whistleblower die Herausforderungen für Frankreich, was vielen zunächst aufstoßen dürfte. "Bei den Anschlägen in Paris geht es nicht um den Tod von 150 unschuldigen Menschen. Zur Hölle, so viele sterben jeden Tag in Syrien oder im Irak.  Der wahre Test für Frankreich ist, wie das Land auf diese Anschläge antwortet - und das langfristig gesehen." Amerika habe diesen Test nach dem 11. September nicht bestanden und auch die Ansprache von Präsident Hollande nach dem Terroranschlag in Paris ginge in eine ähnliche Richtung. Tatsächlich hat Frankreich bereits am Montagmorgen reagiert - mit Luftschlägen auf IS-Stellungen in Syrien. 

"Lasst den Mittleren Osten in Ruhe"

Zum Schluss fordert er die Regierungen der Welt dazu auf, den Pfad der letzten 14 Jahre wieder zu verlassen. Auch wenn er selbst glaubt, ihm werde niemand zuhören, schreibt der Autor: "Lasst den Mittleren Osten in Ruhe. Hört auf neue gescheiterte Staaten zu schaffen. Hört auf unseren Frieden zu Hause wegzuschmeißen. 

Hört auf Muslime, mit denen wir zusammenleben, zu diskriminieren. Versteht den Krieg als das, was er ist - ein Krieg gegen Anschauung - und Vorstellungen kann man nicht bombardieren. Rache kann keine Ideologien auslöschen." Andernfalls werde die Zahl der Toten auf beiden Seiten weiter steigen, ist seine Prognose. 

Kathrin Mansfeld