Tote bei Zugunglück in Südtirol "Es können immer noch Opfer im Schlamm stecken"


Ein Erdrutsch hat am Montag in Norditalien einen Regionalzug zum Entgleisen gebracht und mindestens neun Menschen sterben.

Eine breite Schlammlawine rast talwärts, reißt einen Zug mit zwei Wagen von den Gleisen und mindestens neun Menschen in den Tod. Bei dem schweren Zugunglück am Montagmorgen in Südtirol wurden außerdem 28 Menschen verletzt, 7 von ihnen schwer. Die Regionalbahn wurde im Meraner Land in einer engen Schlucht von den herabstürzenden Erd- und Gesteinsmassen erfasst und aus den Schienen geschleudert.

"Ein Wagen wurde bei diesem Sturz direkt getroffen", sagte der Rettungshelfer Florian Schrofenneger dem italienischen Fernsehsender Sky TG24. Mehrere Bäume in der Nähe des Gleises verhinderten, dass der erste von zwei Waggons in das Kiesbett des Etsch gedrückt wurde. Die Feuerwehren sicherten den Waggon mit einem Flaschenzug. Zusammen mit dem Zivilschutz gruben sie mit Schaufeln und Händen nach Opfern.

"Es können immer noch Opfer in dem Schlamm stecken", sagte der bestürzte Südtiroler Landeshauptmann Luis Durnwalder mittags an der Unfallstelle zwischen Malles und Meran im Vinschgau. Die etwa 40 Menschen in dem Zug seien alle durch die gewaltige Wucht der herabrutschenden Schlammlawine entweder getötet oder verletzt worden.

"Das ist ohne jeden Zweifel die schlimmste Zugtragödie, die wir jemals in der Provinz Bozen gehabt haben", erklärte Durnwalder. Es verstärkte sich im Laufe des Tages der Verdacht, dass ein geborstenes Bewässerungsrohr zu dem Erdrutsch geführt haben könnte. Die Schlamm- und Gesteinsmassen bewegten sich in einer Breite von 10 bis 15 Metern talwärts und drangen auch in die Waggons ein, erläuterte der Bozener Chefgeologe Ludwig Nössing. Die Leichen mussten aus den Schlamm- und Geröllmassen geborgen werden. Die Verletzten wurden auf mehrere Südtiroler Krankenhäuser verteilt.

"Die Rettungshubschrauber sind pausenlos im Einsatz", sagte Markus Perwanger vom Studio Bozen des Senders Rai der Nachrichtenagentur dpa. Nach allen Informationen könnte eine Beregnungsleitung eines Obstanbaugebietes oberhalb der Schlucht über Nacht geplatzt sein und das ausströmende Wasser das Gelände aufgeweicht haben. Das habe möglicherweise eine Mure, also die Schlamm- und Geröllmassen, ausgelöst. Darauf ließen auch erste technische Überprüfungen am Unfallort schließen.

Die Mure erfasste den Regionalzug R108 gegen 09.00 Uhr auf dem Weg nach Meran. Die angrenzende Straße wurde gesperrt, damit die Rettungsmannschaften zu dem Unfallort gelangen konnten. Die eingleisige Bahnlinie, auf der sich das Unglück ereignete, gehört zu den modernsten Schienensträngen Südtirols.

Hanns-Jochen Kaffsack, DPA DPA

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