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Tsunami-Gefahr im indischen Ozean: Durchatmen nach den großen Beben

Zwei der stärksten Erdbeben der vergangenen Jahre haben die Menschen in Indonesien, Sri Lanka und Thailand in Panik versetzt. Ein großer Tsunami blieb aus. Die Warnsysteme haben funktioniert.

Innerhalb von wenigen Stunden haben zwei der stärksten Erdbeben der vergangenen Jahre die Küste vor der indonesischen Insel Sumatra erschüttert. Millionen Menschen rund um den Indischen Ozean, darunter auch viele Urlauber, waren in Angst und Schrecken. Schlimme Erinnerungen an die verheerende Tsunami-Katastrophe Ende 2004 wurden wach. Die befürchteten Flutwellen blieben diesmal jedoch aus.

Experten erklärten den vergleichsweise glimpflichen Ausgang damit, dass es nur waagrechte Erdbewegungen gab. "Wenn sich der Meeresboden nur horizontal bewegt, werden deutlich weniger Wassermassen in Bewegung gesetzt", sagte Rainer Kind vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam.

Warnsystem deutlich besser als 2004

Die beiden Beben hatten die Stärken 8,6 und 8,2, wie die US-Erdbebenwarte mitteilte. An Weihnachten 2004 hatte das Beben einen Wert von 9,1 erreicht. Die meterhohen Wellen danach rissen etwa 230.000 Menschen in den Tod.

Das Warnsystem beim Erdbeben in Indonesien hat nach Ansicht eines Mitarbeiters des Roten Kreuzes deutlich besser funktioniert als bei dem verheerenden Beben 2004. "Das Unglück damals war der große Schreckschuss. Heute ist das Land in einem ganz anderen Zustand", sagte Erhard Bauer vom Deutschen Roten Kreuz (DRK), der die Geschehnisse von der indonesischen Hauptstadt Jakarta aus verfolgte. "Bis 2004 hatte die indonesische Regierung die Katastrophenvorsorge völlig vernachlässigt." Erst nachträglich sei beispielsweise eine Katastrophenbehörde gegründet worden.

Menschen reagierten nach erstem Schock gefasst

Auch in Thailand funktionierte das Krisenmanagement. Der Flughafen von Phuket wurde vorübergehend geschlossen, Menschen wurden evakuiert. "Die Hotels in Ferienregionen wie Phuket und Khao Lak, die direkt am Strand liegen, haben ihre Gäste in höher gelegenes Terrain gebracht", sagte Tui-Chefreiseleiter Ralf Rau in Bangkok. Etwa 2800 deutsche Tui-Urlauber hielten sich in der Umgebung auf. "Der Krisenstab ist sofort alarmiert worden, wir sind in ständigem Kontakt mit unseren Leitern im Zielgebiet. Die Botschaft ist aber schon jetzt: Die Alarmsysteme funktionieren", sagte eine Tui-Sprecherin.

Am Mittwochnachmittag hatte das Tsunami-Warnzentrum auf Hawaii dann nach wenigen Stunden Entwarnung für die Küsten rund um den Indischen Ozean gegeben. Es habe nur eine Flutwelle von etwa 60 Zentimetern gegeben..

In der Provinzhauptstadt Banda Aceh auf Sumatra rannten Menschen panisch auf die Straße, Sirenen heulten, Tausende machten sich mit Auto oder Moped auf die Flucht. Nach anfänglichem Schock reagierten die Menschen aber mit Fassung.

Banda Aceh war 2004 fast völlig zerstört worden

Die deutsche Entwicklungshelferin Ramona Thiele in Banda Aceh sagte der Nachrichtenagentur dpa, sie habe bei ihrer Fahrt durch die Stadt weder Verletzte noch Schäden gesehen. Die meisten Geschäfte hätten nach den Erdstößen geschlossen, sagte sie am Telefon. Der Strom sei ausgefallen. "Wir sind alle in Panik rausgerannt", sagte Timbang Pangaribuan dem Radiosender Elshinta aus Medan auf Sumatra.

"Das Erdbeben ereignete sich am Nachmittag, viele waren bei der Arbeit. Viele Menschen konnten sich gut informieren und haben auch sofort auf die Tsunami-Warnung reagiert", sagte Erhard Bauer, der die Delegation des Deutschen Roten Kreuzes in Indonesien leitet.

Das erste Beben am Mittwoch hatte sein Zentrum rund 435 Kilometer südwestlich von Banda Aceh in etwa 22 Kilometern Tiefe, das zweite rund 620 Kilometer entfernt, in 16 Kilometern Tiefe. Die Stadt war 2004 fast völlig zerstört worden. Damals kamen allein auf Sumatra 170 000 Menschen ums Leben.

iml/DPA/Reuters/AFP / DPA / Reuters