HOME

USA: Waffen unterm Weihnachtsbaum: "Sie bekommt eine Louis-Vuitton-Tasche, er ein Gewehr"

Eine Statistik des FBI zeigt: Besonders in der Vorweihnachtszeit werden in den USA viele Waffen verkauft. Was den Frauen der Schmuck, seien den Männern die Waffen, sagt Waffenhändler Mark Waren.

Waffen werden in den USA zu Weihnachten häufig verschenkt

Ob nun ein Football-Saisonticket oder eine Waffe unter dem Weihnachtsbaum – wo sei da der große Unterschied, fragt Waffenhändler Mark Warner.

Waffen unterm Weihnachtsbaum? Für Nicht-Amerikaner eine ziemlich bizarre Geschenkidee. Doch in den Augen von Mark Warner sind Flinten und Gewehre nur das Äquivalent zu Diamanten: Also Schmuck für die Frau, eine Waffe für den Mann. "Zu mir kommen Männer mit ihren Ehefrauen. Sie bekommt eine Louis-Vuitton-Tasche, er ein Gewehr", so Warner zur britischen BBC. Er betreibt in Chantilly in Virginia im Westen von Washington den Waffenladen "Blue Ridge Arsenal". Im Dezember haben er und seine Kollegen besonders viel zu tun.

Das bestätigt nun auch die Statistik des FBI, wonach im Dezember in den USA besonders viele Waffen verkauft werden. Und in diesem Jahr ist er sogar der drittstärkste Monat seit Beginn der Aufzeichnungen. Denn wer in den USA eine Waffe in einem lizenzierten Laden kauft, muss seit 1998 eine Untersuchung durch das FBI bestehen. Durch dieses Kontrollsystem hat die US-Behörde nicht nur einen Überblick darüber, wer alles im Besitz einer Waffe ist, sondern auch, wann besonders viele Waffen gekauft werden. Und das ist besonders in der Vorweihnachtszeit. Für Waffenverkäufer Mark Warner ist der Grund klar: "Das sind Weihnachtsgeschenke", sagt er der BBC. 

Verdeckte Ermittlung: FBI vereitelt Terroranschlag in San Francisco

Ein Jagdgewehr unterm Weihnachtsbaum

Dass in den USA in diesem Jahr viele Waffen unterm Weihnachtsbaum liegen werden, zeichnete sich schon am "Black Friday" Ende November ab. Allein am 24. November erhielt das FBI 203.086 Anfragen für Background-Checks, so viele wie noch nie an einem einzigen Tag, wie die "New York Times" berichtet. Im vergangenen Jahr waren es noch 185.713.

Auch bei Patrick Hudges wird in diesem Jahr ein Gewehr unter dem Weihnachtsbaum liegen – allerdings nicht für sich, sondern für seinen Sohn. Und es wird nicht das erste Mal sein, dass der 16-Jährige eine Waffe zum Geburtstag oder zu Weihnachten bekommt. Seit sein Sohn sechs Jahre alt sei, schieße er, sagt sein Vater. Zu Weihnachten bekomme er in diesem Jahr eine 357-Magnum-Lever-Action, ein Jagdgewehr für rund 500 US-Dollar (rund 440 Euro).

Auch beliebt: Gutscheine für Waffen und Schießstunden

Inzwischen würden Vater und Sohn häufig miteinander schießen gehen – sowohl wettbewerbsmäßig als auch auf Jagd, vorzugsweise Rehe. Für Hudges eine ganz klassische Vater-Sohn-Unternehmung, ein großartiger Spaß und eine tolle vertrauenschaffende Erfahrung. Und mit dieser Sichtweise ist Hudges bei weitem nicht allein. Wenn Eltern ihren Kindern Waffen kaufen, sei das normalerweise ein Gewehr, erklärt Warner. "Hauptsächlich Kaliber 22, kleinkalibrig also, wenig Rückstoß, leicht zu schießen, eine, mit der das Schießen Spaß macht." 

Und wie so häufig sind auch bei Waffengeschenken Gutscheine sehr gefragt – sei es für die Waffe selbst oder für Schießstunden. Der Waffenladen von Mark Warner ist darauf gut vorbereitet. 20 Schießstände gibt es dort, montags ist Ladies Day und einmal im Monat kommt die örtliche Kirche zu Schießübungen. "Das ist wie Bowling", sagt Warner. Und ob nun ein Football-Saisonticket oder eine Waffe unter dem Weihnachtsbaum – wo sei da der große Unterschied, fragt er. Beim Schießen sei man schließlich an der frischen Luft – das sei doch besser als zuhause Videospiele zu spielen.

tyr