Verantwortung für Loveparade-Tragödie Gutachten soll Sauerland entlasten


Fast alle fordern seinen Abgang, doch trägt Adolf Sauerland überhaupt eine Mitschuld an dem Todesdrama auf der Loveparade in seiner Stadt? Ein externes Gutachten entlastet angeblich den Duisburger Oberbürgermeister.

Der nordrhein-westfälische Landtag beschäftigt sich heute erstmals mit dem Todesdrama auf der Loveparade in Duisburg. Bei der Sondersitzung des Innenausschusses in Düsseldorf wird unter anderem NRW-Innenminister Ralf Jäger (SPD) polizeiliche Zwischenergebnisse zu der Katastrophe vom 24. Juli vorstellen. Wesentliche Enthüllungen sind allerdings wohl nicht zu erwarten, da die Ermittlungen der Duisburger Staatsanwaltschaft nicht durch Veröffentlichungen behindert werden dürfen.

Erkenntnisse über die Verantwortung für die Tragödie mit 21 Toten und mehr als 500 verletzten liefert nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ein Gutachten, das die Stadt Duisburg in Auftrag gegeben hat. Demnach wird darin keine Pflichtverletzung aufseiten der Kommune festgestellt. Vielmehr deute nach Durchsicht von 35 Aktenordnern vieles daraufhin, dass Dritte die Auflagen der Stadt nicht korrekt umgesetzt hätten - so das externe Gutachter-Büro laut "Bild"-Bericht.

Trotz massiver Rücktrittsforderungen muss Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) derzeit offenbar keine Abwahl fürchten. Nach jetziger Lage der Dinge werde die CDU-Fraktion einen Abwahlantrag geschlossen ablehnen, sagte CDU-Ratsmitglied Rainer Enzweiler am Dienstag. Falls Sauerland im Stadtrat über seine eigene Entlassung nicht mitstimmt, wäre ein Abwahlantrag bei geschlossenen Reihen seiner eigenen Fraktion und mindestens einem weiteren Votum eines Ratsmitgliedes dennoch abgelehnt. Es gebe drei Stimmen aus anderen Fraktionen, die sicher für Sauerland seien, sagte Enzweiler.

Auch de Maizière rät zum Rücktritt

Wie auch andere Unionspolitiker legte Bundesinnenminister Thomas de Maizière dem Duisburger Oberbürgermeister einen Rücktritt nahe. Zwar sollte sich niemand hinter Sauerland verstecken. "Trotzdem weiß er wohl selber, dass er nicht im Amt bleiben kann", sagte der CDU-Politiker der "Bild".

Als Lehre aus der Tragödie bei der Raver-Party sollten die Bundesländer nach Ansicht von de Maizière die Möglichkeit erhalten, Großveranstaltungen zu untersagen - wenn sie eine Kommune für überfordert halten. "Entweder sie verbieten die Veranstaltung in so einem Fall ­ oder sie übernehmen selbst die Durchführung und Verantwortung." In Deutschland hätten Kommunen größte Erfahrung mit Großveranstaltungen, sagte de Maizière. "Aber es gibt eben auch Fälle, in denen eine Stadt sich zu viel zutraut."

DPA DPA

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