Seit rund einer Woche liegt Wal „Timmy“ an derselben Stelle vor der Insel Poel in Mecklenburg-Vorpommern. Nun steht offenbar eine „finale Entscheidung“ darüber an, was mit dem Tier geschehen soll. Landesumweltminister Till Backhaus (SPD) erklärte, im Laufe des Tages solle ein Gutachten vorgelegt werden, auf dessen Basis entschieden werde, „wie weiter verfahren wird“. Hintergrund ist, dass sich der Zustand des Buckelwals in den vergangenen Tagen massiv verschlechtert hat und Experten inzwischen kaum noch Überlebenschancen sehen.
Konkret wird heute darüber beraten, ob überhaupt noch ein Rettungsversuch sinnvoll ist. Falls ein solcher angegangen werden kann, wird unter anderem der Einsatz eines Spezial-Katamarans aus Dänemark diskutiert, mit dem der rund zwölf Tonnen schwere Wal – mithilfe von Gurten – angehoben und in tiefere Gewässer transportiert werden könnte. Bei dem Schiff handelt es sich nicht um einen „gewöhnlichen“ Katamaran, sondern um ein Spezial-Arbeitsschiff mit zwei Rümpfen, wie es auch in der Offshore-Logistik oder bei Bergungsarbeiten eingesetzt wird.
Der Vorteil: Es gibt eine relativ große Lücke zwischen den beiden Rümpfen. Dort kann ein schweres Tier wie der Wal mit breiten Hebegurten stabilisiert werden, ohne komplett aus dem Wasser gehoben zu werden. Ein normales Schiff könnte das Gewicht des rund zwölf Tonnen schweren Buckelwals kaum gleichmäßig tragen, ohne Druckstellen oder Verletzungen zu verursachen.
Wal „Timmy“ hat wohl kaum noch eine Chance
Allerdings haben Fachleute deutlich gemacht, dass ein solcher Versuch nur dann gestartet werden soll, wenn das Tier noch stabil genug ist – andernfalls könnte die Rettung tödlich für „Timmy“ enden. Burkard Baschek, Direktor des Deutschen Meeresmuseums, hatte erklärt, der respektvollste Umgang könne darin bestehen, das Tier „gehen zu lassen“. Auch Minister Backhaus sagte zuletzt offen: Dass das Tier „solch einen Versuch überleben würde, ist nach Ansicht aller Experten, die wir dazu befragt haben, unwahrscheinlich“.
Gleichzeitig steht die Politik unter Druck: In den vergangenen Tagen gab es öffentliche Kritik und Proteste, bei denen Bürger den Umgang mit dem Wal hinterfragten. Backhaus verteidigte die bisherigen Maßnahmen und Rettungsversuche und wies Vorwürfe zurück, man habe nicht genug getan. Bereits Ende März war versucht worden, mit Baggern eine Rinne ins Wasser zu ziehen, damit der Wal zurück ins Meer gelangen kann – ohne Erfolg. Auch das Erzeugen künstlicher Wellen durch Boote führte nicht zum erhofften Ausgang.
Hinzu kommt, dass „Timmy“ sich zwar mehrfach selbst befreien konnte, jedoch immer wieder in flachen Buchten strandete. Die geografischen Bedingungen der Ostsee – flaches Wasser, fehlende Gezeiten – stehen einem guten Ausgang des Wal-Dramas im Weg.
Experten stehen Katamaran-Rettung skeptisch gegenüber
Sollte der Wal es nicht schaffen und vor der Küste von Poel sterben, soll der Kadaver geborgen und in das Deutsche Meeresmuseum nach Stralsund gebracht werden. Dort wollen Wissenschaftler die Todesursache von „Timmy“ untersuchen, um Erkenntnisse für zukünftige Fälle zu gewinnen. Es gehe ausdrücklich nicht darum, ein Ausstellungsstück zu gewinnen, greift man potenziellen Vorwürfen vor, sondern um Forschung und Aufklärung. Sollte es irgendwann noch einmal zu einer solchen Situation kommen, wäre man dann eventuell besser vorbereitet.