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Essstörungen: Statussymbol: dünn

Sie wollen dürr wie Models sein und ernähren sich fast nur von Salat. Nahezu 18 Prozent der jungen Mädchen wachsen mit gravierendem Mangel an Nährstoffen heran.

Das Plakat am S-Bahnhof ist groß, der abgebildete Po klein und knackig, das beworbene Bikinihöschen knapp - und nebensächlich. "Ein perfekter Hintern", stöhnt Lina ergriffen. "Allerdings" und "Kann man so sagen", pflichten Nora und Carmen bei, dann fixieren die drei Freundinnen schweigend das Hinterteil. Die gute Laune von eben weicht dem Frust der Lage. "Es ist deprimierend, wenn man nicht so perfekt gebaut ist", nörgelt Nora schließlich. Sie findet ihre Oberschenkel zu dick, Carmen mosert über ihren "Hüftspeck", Lina über ihren Po, "der ist zu breit und zu flach. Es wäre besser, wenn der so zusammen und hoch wäre".

"Du musst dünn sein"

Die drei Berlinerinnen sind 14. Ein Alter, in dem es gilt, eine Frau zu werden, und in dem das Leben ziemlich aus dem Lot gerät. Vorbilder weisen den Weg. "Du musst dünn sein", verkörpern die Idole des Medienzeitalters. Ihre Botschaft kommt an. 17,6 Prozent der Mädchen zwischen elf und 15 Jahren sind untergewichtig. Das offenbarte vor einigen Monaten eine Untersuchung im Auftrag der Weltgesundheitsorganisation WHO, in der das Gewicht von 5650 deutschen Jugendlichen erfasst worden war.

Doch die Information rutschte durch das Raster der journalistischen Relevanz. Das Wissen über zu viele zu dünne Mädchen fügt sich nicht ins verbreitete Bild vom verfetteten Nachwuchs. Dabei beträgt der Anteil der Altersgenossinen mit Übergewicht nach dieser Studie 5,9 Prozent - also gerade mal ein Drittel der zu Dürren. Superschlank zu sein erfüllt gesellschaftliche Erwartungen.

"Im Schulalltag fallen eigentlich nur die dicken Schüler auf", sagt Sandy Elder, die Sportlehrerin von Nora, Carmen und Lina. "Erst auf Klassenfahrten sieht man dann, dass einige Schülerinnen die Mahlzeiten komplett ausfallen lassen." So etwa bei der Skireise der Schule im vergangenen Frühjahr, an die sich Nora voller Stolz erinnert: "Da habe i ch zwei Wochen lang außer ein bisschen Salat nichts gegessen und fünf Kilo abgenommen."

"Wie eine kleine runde Kugel"

Als Nora elf Jahre alt war, wurde sie mal wegen ihrer Figur gehänselt. "Ich fühlte mich wie eine kleine runde Kugel, obwohl ich damals eigentlich auch nicht doll dick war." Noras Kampf gegen das Fett begann, "inzwischen habe ich mir angewöhnt, nicht mehr so viel Hunger zu haben". Zum Frühstück isst sie etwas Salat oder gar nichts, da sei "oft keine Zeit oder Lust". Dafür geht Nora jeden Morgen vor der Schule eine halbe Stunde joggen und absolviert ihr Work-out-Programm, das sie mittags und abends wiederholt: "Erst 100 bis 150 Sit-ups für den Bauch, dann die Übungen für Po und Oberschenkel."

In der Schule kauft sie sich gelegentlich eine Brezel, für das von der Mutter gekochte Mittagessen fehlt wiederum häufiger "die Zeit oder Lust". Manchmal bekommt Nora richtig Appetit, besonders bei mit Käse überbackenem Nudelauflauf, "aber dann denke ich an die vielen Kalorien und esse lieber einen Apfel".

Abends wird zusammengerechnet

Gegen Abend geht es ans Zählen: "Wenn ich schon ziemlich viele Kalorien zu mir genommen habe, dann esse ich nichts mehr. Ein Apfel hat zum Beispiel auch 50 Kilokalorien." Nora ist 1,72 Meter groß, wiegt 48 Kilo - und will unbedingt noch ein paar Kilo runterkriegen. Lina findet das okay, sie hat dazu einen Grundsatz parat: "Auch wenn man jemanden eigentlich schon für sehr dünn hält, sollte man diese Person beim Abnehmen unterstützen. Nicht dass sie magersüchtig wird, aber so, dass sie sich nachher besser fühlt." Auch Lina würde gern drei bis vier Kilo weniger wiegen. Jedes zweite normal- und untergewichtige Mädchen findet sich zu dick. Bereits jede dritte Schülerin zwischen zwölf und 20 leidet an Frühformen von Essstörungen. Das zeigt eine vom Jenaer Institut für Medizinische Psychologie erstellte Studie aus dem Jahr 2002. Bei 14 Prozent der Mädchen wurde ein sehr hohes Risiko für die Entwicklung einer Magersucht oder Bulimie ausgemacht.

Irreparable Schäden sind zu befürchten

Hans Hauner, Professor für Ernährungsmedizin an der TU München, warnt davor, Untergewicht von Teenagern auf die leichte Schulter zu nehmen: "Diese Mädchen, die durch strikte Reduzierung der Nahrungsaufnahme ihren dürren Schönheitsidolen nacheifern, können sich damit gesundheitliche Schäden zufügen, die irreparabel sind." Er wundert sich über das Desinteresse vieler Kollegen: "Es geht um ein gravierendes Problem, das auf den wissenschaftlichen Tagungen kein Thema ist."

So deckt die Altersgruppe der 15- bis 19-Jährigen ihren Kalziumbedarf durchschnittlich nur zu 56 Prozent. "Kalziumreiche Kost wie Milch, Käse und Quark wird gemieden, weil sie als Fettmacher verschrien ist", beobachtet Hauner. "Es ist zu befürchten, dass die Mädchen frühzeitig an Osteoporose erkranken."

Fließender Übergang

Auch Nährstoffe wie Vitamine, Eisen und Folsäure werden in der Pubertät in stark erhöhtem Maße benötigt, aber von den Mädchen in viel zu geringer Dosis aufgenommen. "Besonders gefährlich ist die häufige Kombination aus niedriger Energiezufuhr und hoher sportlicher Leistung", warnt die Ernährungswissenschaftlerin Christine Lambert von der Universität Hohenheim. "Dadurch kann das hormonelle Gleichgewicht derart gestört werden, dass die Monatsblutungen ausbleiben und die Geschlechtsreifung nicht vollzogen werden kann." Die fehlende Menstruation gilt als eines der typischen Erkennungszeichen für eine Magersucht. Allerdings sind die Übergänge in die Anorexia nervosa fließend.

Hungerwillige Mädchen erscheinen meist als starke Persönlichkeiten, sie sind diszipliniert und leistungsorientiert. "Meine Mutter macht sich schon Sorgen, weil ich so viel für die Schule lerne", sagt Carmen, "aber mir sind gute Noten eben extrem wichtig."

Bei seiner Arbeit mit essgestörten Patientinnen erlebt Professor Hauner die Abnehmsucht der jungen Frauen in erster Linie als "Oberschichtphänomen". Vereinfacht stellt sich das so dar: Während unten in der Gesellschaft eher Resignation vorherrscht, die sich schnell in überflüssigen Pfunden manifestiert, eifern am anderen gesellschaftlichen Ende übermotivierte Mädchen Schönheitsidealen nach und kämpfen so für eine erfolgreiche Zukunft. Besonders aber um Anerkennung und Zuwendung.

"Es geht immer weiter"

"Eigentlich ist es Schwachsinn, dass man immer sagt, man macht das alles nur für sich selbst", sagt Lina. "Man macht das, damit man gut vor den Jungen aussieht", meint Nora. Lina: "Das ist ja irgendwie voll psycho, dass man das für die macht." Das Anstrengende an ihrer Figurarbeit sei: "Man kann nie sagen, jetzt bin ich perfekt, jetzt muss ich nichts mehr machen. Es geht immer weiter, das stoppt nicht irgendwo."

Den Weg in die Welt der Schönen hat Lina bereits eingeschlagen. Vor einem Jahr begann sie als Fotomodell zu arbeiten und wurde schon für große Werbekampagnen gebucht. Später möchte sie kreativ arbeiten, als Schauspielerin in Hollywood oder Musicalsängerin am Broadway, dafür nimmt sie bereits Unterricht. Carmen möchte "den Hüftspeck wegkriegen" und es dann vielleicht auch mit dem Modeln versuchen.

Nora will spätestens in zehn Jahren ihre erste Hauptrolle in einem großen US-Streifen spielen. Neben Nacktszenen gibt es für sie ein großes Tabu. "Niemals würde ich für eine Rolle zunehmen. Dann würden die Menschen doch ein schlechtes Bild von mir bekommen."

Lassen Sie sich nicht täuschen

Sylvia Baeck, Geschäftsführerin des Beratungszentrums "Dick & Dünn" in Berlin, erklärt, woran Eltern essgestörte Jugendliche erkennen können, und gibt Tipps für den richtigen Umgang mit ihnen Hinweise auf eine Essstörung. Ständiges Kalorienzählen, Wiegen und Nörgeln über die eigene Figur deuten auf ein zwanghaftes Verhalten der Tochter hin. Ein eindeutiges Indiz ist, wenn ein schlankes Mädchen ständig klagt, es sei zu dick. Viele Eltern lassen sich dadurch täuschen, dass hungernde Mädchen gern für die Familie kochen. Die Betroffenen versuchen, so ihre Sehn süchte nach dem Essen zu bekämpfen. Oft wirken sie zunehmend verschlossen und blühen nur noch im Kreis gleich gesinnter Freundinnen auf. Was Eltern tun können > Überprüfen Sie zunächst sich selbst. Haben Sie ein zwangloses Verhältnis zum Essen? Oft geben die Eltern kein gutes Vorbild ab. Ihr Blick auf die Figur der Tochter ist ein wichtiger Faktor beim Entstehen einer Essstörung, weil viele Mütter und Väter ihre normalgewichtigen Kinder schon für zu dick halten.

> Finden Sie die Motive Ihrer Tochter

und versuchen Sie, über gemeinsame Gespräche ein Problembewusstsein herzustellen. Warum glaubt sie, beliebter zu sein, wenn sie abnimmt? Was bedeutet es eigentlich, eine Frau zu werden? Das Mädchen muss schrittweise begreifen, dass es sich nicht mehr normal verhält und sich großen körperlichen Schaden zufügt. Eltern sollten diese langwierige Konfrontation aushalten, auch wenn ihr Kind aggressiv reagiert. Sehr hilfreich kann es sein, eine weitere Vertrauensperson des Mädchens in ein Gespräch mit einzubinden.

> Werfen Sie einen Blick auf das schulische Umfeld.

Häufig finden sich dort regelrechte Epidemien: Eine Schülerin hat angefangen abzunehmen, und alle anderen machen es nach. Mädchen hungern oft, um zu einer bestimmten Gruppe Gleichaltriger zu gehören.

> Stärken Sie das Selbstbewusstsein Ihrer Tochter.

Es ist wichtig, ihr zu vermitteln, dass sie ein wertvoller Mensch ist - unabhängig davon, wie dünn oder dick sie ist. Ein Kind möchte immer so geliebt werden, wie es ist. Abfällige Bemerkungen über die Figur sollten unbedingt vermieden werden.

> Seien Sie nicht überfürsorglich. Essgestörte Mädchen sind meist überangepasst und streben mit ihrem Hungern nach Autonomie. Viele Mütter, die ich berate, umsorgen die pubertierende Tochter wie ein kleines Kind. Junge Frauen brauchen die Freiheit, ihr eigenes Leben führen zu können.

> Wenden Sie sich am besten gleich dann an eine Beratungsstelle,

wenn das Essverhalten Ihres Kindes auffällig wird. In der Regel müssen sich zunächst die Eltern ändern, sonst kann es die Tochter auch nicht. Oft rede ich in unserem Beratungszentrum ein halbes Jahr mit den Müttern, bevor die Jugendlichen zu mir kommen.

Nina Hermann / print
kann man sich gegen eine maßnahme vom jobcenter wehren?
hallo. ich bin quasi arbeitsunfähig seit meinem 18ten lebensjahr. ich wiege 200 kg und habe eine betreuung weil ich sonst gar nichts schaffen würde. sie bringt mich zu terminen und begleitet mich zu arzt besuchen. das einzige was ich noch alleine kann ist einkaufen und das auch nur weil es nunmal lebensnotwendig ist ,jedoch bin ich danach total erschöpft und fertig.ich kann keine 200 meter mehr laufen.und mal ganz abgesehen von meiner körperlich verfassung leide ich seit meiner kindheit an starken depressionen,borderline,panikattacken,einer traumatischen belastungsstörung und angstzuständen. ich bin demnach körperlich sowie auch psychisch ziemlich fertig. gestern war ich beim amtsarzt zur begutachtung sowie auch einmal vor 2 jahren. und die ärztin sagt mir ernsthaft,das es zumindest köperlich nicht ausreichen würde das ich weiterhin krank geschrieben werden kann und sagte,das eine maßnahme sicherlich gut sein kann.und das obwohl ich bereits sagte,das ich körperlich unfähig bin irgendwas alleine zu schaffen und ,meine betreuerin mich überallhin begleiten muss.(ich habe kein auto)ich bin vollkommen entsesetzt und habe nun angst das sie mich in eine maßnahme stecvken welche ich einfach nicht schaffe und sie mir dann das minum an geld nehmen welches ich bekomme und ich dann verhungernd und auf der starße leben muss,eben weil es ein ding der unmöglichkeit für mich darstellt.kann man sich da irgendwie wehren?sie sagt sie findet ich sei zu jung um berentet zu werden (28).ich habe gerade wirklich angst.kann man einen menschen zwingen etwas für ihn unmögliches zu tun?ich hab das gefühl die wollen irgendeine quote erfüllen und solange man die arme bewegen kann,ist man arbeitsfähig...hilfe :(