HOME

Neuer Fiat Panda: Eine flotte Kiste wird erwachsen

In der dritten Panda-Generation klappert nichts, der Winzling ist ein erwachsenes Auto geworden. Im März muss sich der Panda einem gefährlichen Herausforderer stellen: dem VW Up.

Für Autokäufer, die mit Statussymbolen wenig am Hut haben, war der Fiat Panda stets eine gute Wahl: eine Art Weltanschauung, Nonkonformismus, Kult. Das galt besonders für die erste Generation, gebaut von 1980 bis 2003: quadratisch, praktisch, günstig.

"Panda - die tolle Kiste", so die damalige Werbebotschaft. Dies traf - eingeschränkt - auch auf den Nachfolger zu, der zwar optisch nichts mehr mit dem Ur-Panda zu tun hatte, dennoch seinen Grundwerten treu blieb und auf seine Weise ein ähnlicher Sympathieträger war. Über 6,4 Millionen Panda hat Fiat bislang verkauft. Damit fährt die tolle Kiste auf einer Linie mit dem Renault 4 oder der Ente vom Citroen.

Am 3. März rollt die dritte Generation des Panda zu den Händlern. Vieles ist anders, vor allem runder. Um elf Zentimeter hat sich der kleine Italiener gestreckt, fährt aber mit 3,65 Metern weiterhin in der Klasse der Kleinsten. Designer Roberto Giolito hat das Auto so gezeichnet, dass es jeder – trotz der Rundungen - als Panda wiedererkennt.

Weil hier die Karten gerade neu gemischt werden - der Volkswagenkonzern bringt die Drillinge VW up!, Seat Mii und Skoda Citygo ins Spiel - passt es gut, dass Fiat dem Panda seine neuesten Produktionsanlagen zur Verfügung gestellt hat. Generation Nummer drei wird nicht mehr in Tychy/Polen - dort läuft noch bis Ende 2012 der Vorgänger vom Band -, sondern wieder in Italien gebaut, genauer, im neu eingerichteten Werk Giambattista Vico in Pomigliano bei Neapel.

Design-Gimmicks im Innenraum

Bis zu 1050 Panda können hier täglich gebaut werden. Fiat verspricht Topniveau. "Die Kombination aus gut geschultem Team und modernsten Fertigungsanlagen garantiert eine sehr gute Qualität", sagt Produktionsvorstand Stefan Ketter. Der Kunde misst dies in erster Linie an der Verarbeitung im Innenraum. Und hier verbucht der neue Panda in der Tat Pluspunkte. Gegenüber dem Vorgänger wirken die Materialien deutlich hochwertiger. Ein wenig übertrieben haben die Designer aber beim sogenannten "Squircle", dem Mix aus Square (Quadrat) und Circle (Kreis). Wo man auch hinblickt oder hinfasst, alles ist eingerahmt von dieser markanten Form: Instrumente, Lüftung, Schalter, Türgriffe, ja sogar der Sitzhöhenversteller. Jedermanns Geschmack dürfte dies sicher nicht sein.

Mustang-Fahrer blamiert sich bei Show-Einlage

Dafür sitzt es sich prima im Panda, auch das Platzangebot stimmt, zumindest vorne. Im Fond geht es in dieser Fahrzeugklasse naturgemäß enger zu. Doch lässt sich, je nachdem, ob Personen oder Gepäck mitfahren sollen, die Rücksitzbank längs verschieben. Der Kofferraum wuchs von 190 Liter auf 225 Liter, bei umgeklappten Lehnen sind es bis zu 870 Liter.

Fiat Panda: Die Größe im Kleinen
Trotz der allgegenwärtigen Rundungen wurde der typische Panda-Look erhalten

Trotz der allgegenwärtigen Rundungen wurde der typische Panda-Look erhalten

Mini-Motor mit guten Leistungen

Neuer Look, neues Werk, da darf ein neuer Motor nicht fehlen. Neben den bekannten 1,2-Liter-Vierzylinder mit 69 PS und 1,3-Liter-Turbodiesel mit 75 PS erweitert Fiat die Antriebspalette um seinen einzigartigen Zweizylinder. Der nur 0,9 Liter kleine Turbo-Direkteinspritzer aus der TwinAir-Familie leistet 85 PS und lässt den Panda wenn nötig in nur zwölf Sekunden auf 100 km/h preschen. Als Spitze sollen 177 km/h drin sein, als Verbrauch gibt Fiat 4,2/100 km an.

Auf einer ersten Testfahrt in und um Neapel hat sich das TwinAir-Motörchen als recht agil gezeigt. Gewöhnen sollte man sich nur an den knurrigen Klang beim Beschleunigen und daran, dass der Zweizylinder keine niedrigen Drehzahlen mag. Im langsamen Stadtverkehr muss unnötig oft in den ersten Gang zurückgeschaltet werden. Entschädigt aber werden die Insassen durch ein gut abgestimmtes Fahrwerk mit viel Komfort und leisen Abrollgeräuschen. Der neue Panda wirkt eine ganze Klasse erwachsener als sein Vorgänger.

Preisrutsch bei den Marktpreisen zu erwarten

Wie knapp im Klassenkampf der Kleinsten kalkuliert werden muss, zeigen die Ausstattungen. Das gilt besonders fürs Einstiegsmodell "Pop". Zwar gibt Fiat noch keine Verkaufspreise bekannt, zu rechnen aber ist mit unter 10.000 Euro. Dafür sind die vorderen Türen mit elektrischen Fensterhebern versehen und es gibt eine Zentralverrieglung. Wer Letzteres vom Schlüssel aus bedienen möchte, muss in die Ausstattungslinie "Easy" aufsteigen. Hier sind zudem eine Dachreling, Seitenschutzleisten und eine Radiovorbereitung an Bord. Ab Werk Musik hören kann man schließlich in der höchsten Ausstattungsversion "Lounge", bei der auch eine Klimaanlage und elektrische Außenspiegel zum Lieferumfang gehören. Traditionell sind die Listenpreise beim Panda nur Empfehlungen, die von gut ausgestatteten Sondermodellen und Rabatte regelmäßig unterboten werden. Mit dem Auftauchen der Up-Armada wird das Leben für den Panda schwerer: Traditionell sind die Listenpreise beim Panda nur Empfehlungen, die von gut ausgestatteten Sondermodellen und Rabatte regelmäßig unterboten werden. Der höhere Konkurrenzdruck wird sicher dazu führen, dass man in Zukunft noch mehr Panda für sein Geld bekommt.

Michael Specht/MID / MID

Wissenscommunity