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Weltraum Galaktische Säuberung – Nasa gestaltet den Sternenhimmel politisch korrekt

Der Eskimonebel, NGC 2392, liegt im Sternbild Zwillinge. 
Der Eskimonebel, NGC 2392, liegt im Sternbild Zwillinge. 
© Nasa / Commons
Die Nasa will "schädliche" Spitznamen von Planeten und Galaxien ändern beziehungsweise nicht mehr verwenden. Denn noch nicht mal im All geht es politisch korrekt zu.

Auch im All geht es politisch nicht immer korrekt zu, meint die Nasa zumindest. Sie will umstrittene Namen, die für Himmelskörper benutzt werden, nicht länger verwenden. Galaxien haben einerseits eine wissenschaftliche Katalog-Bezeichnung. Das ist nur eine Nummer, viele Gebilde tragen dazu einen weiteren Namen, der weitaus einprägsamer ist. Unsere Galaxie heißt beispielsweise Milchstraße. Daran hat noch niemand Anstoß genommen, obwohl "Milch" für den ein oder anderen Veganer auch eine Provokation darstellen könnte.

Koloniale Namensgebung

Dafür geht es NGC 2392 an den Kragen, das Gebilde wurde nämlich "Eskimonebel" genannt. Der Name entstand, weil der sterbende Stern seine äußeren Schichten wie eine Wolke wegbläst. Diese äußere Scheibe umgibt den Nebel und sieht der pelzgefütterten Kapuze eines Parkas ähnlich. Doch "Eskimo wird weithin als ein kolonialer Begriff mit einer rassistischen Geschichte angesehen, der den Ureinwohnern der arktischen Regionen aufgezwungen wird", stellt die Nasa sachlich richtig fest. In einer Erklärung sagte die Raumfahrtbehörde, dass "während wir alle daran arbeiten, systemische Diskriminierung und Ungleichheit in allen Aspekten des Lebens zu identifizieren und anzugehen, ist klar geworden, dass bestimmte kosmische Spitznamen nicht nur unsensibel sind, sondern auch aktiv schädlich sein können".

Auch der Name der beiden Spiralgalaxien NGC 4567 und NGC 4568 kommt auf den Index, sie heißen nämlich "Siamesische Zwillingsgalaxie". "Diese Spitznamen und Begriffe können historische oder kulturelle Konnotationen haben, die anstößig oder unwillkommen sind, und die Nasa ist fest entschlossen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen", so Stephen Shih, Associate Administrator für Vielfalt und Chancengleichheit bei der Nasa.

Bleibt noch viel zu tun

Zu vermuten ist, dass die Säuberungsaktion damit nicht abgeschlossen ist. Gegen Namen wie "Großer Bär" und "Pferdekopfnebel" dürfte es keine Einwände geben. Doch viele Himmelskörper sind nach sogenannten "Entdeckern" benannt, die heute im Verdacht stehen, Wegbereiter von Unterdrückung und Kolonialismus gewesen zu sein. Die kleine und die große Magellansche Wolke (NGC 292 und ESO 56-115) müssen sich wohl bald nach einem neuen Namen umsehen.

Das ISS-Modul Columbus ist zwar kein Stern, besitzt aber auch einen wenig korrekten Namen. Das Ansehen von Kolumbus hat spätestens seit 2018 schwer gelitten, als eine Passage einer seiner Briefe im Internet zirkulierte, in der er sich nicht nur mit Raub und Plünderungen brüstete, sondern ungeniert zugab, gefangene Kinder als Sexsklaven verkauft zu haben. Unklar ist, wie die Nasa sich zu mythologischen Namen wie Uranus und Pluto verhält, denn auch diese Namensgeber sind häufig nicht gerade korrekte Rolemodel.

Quelle: Nasa


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