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Positionsdaten Machtkampf im Weltall – Chinas Satellitennavigationssystem deckt die ganze Welt ab

Die letzten Beidou-Satelliten wurden vom Weltraumbahnhof Xichang im Südwesten Chinas ins Weltall gebracht.
Die letzten Beidou-Satelliten wurden vom Weltraumbahnhof Xichang im Südwesten Chinas ins Weltall gebracht.
© PR
Jahrzehntelang gab das GPS-System der USA die Position an, nun arbeitet Pekings Pendant Beidou weltweit. Es macht das Militär unabhängig und ist Ausdruck des globalen Machtanspruchs Chinas. Galileo aus Europa braucht noch etwas Zeit, wird aber sehr viel genauere Daten zur Verfügung stellen.

Jedes Handy kann die Position auf der Erde bestimmen – möglich macht das ein Netz von Satelliten, deren Signale ausgewertet werden. Das erste und nach wie vor wichtigste System – GPS - stammt aus den USA. Wegen der militärischen Bedeutung der Signalgeber gibt es mehrere Konkurrenzveranstaltungen. Wie etwa das rein zivile Galileo-System der EU. Im Juni hat Peking den 35. Satelliten seines eigenen Beidou-Systems erfolgreich in den Orbit geschickt. 30 davon sind für den Betrieb notwendig, fünf Satelliten haben experimentellen Charakter und dienen als Reserve.

Beidou – nach dem Sternbild des Großen Bären benannt – ist damit komplett und deckt den ganzen Planeten ab. An dem System wurde seit den 1990er Jahren gearbeitet. Im Jahr 2000 deckte Beidou das Gebiet von China ab, 2012 den asiatisch-pazifischen Raum und nun die ganze Welt.

Militärische Unabhängigkeit

Ein eigenes Satellitennavigationssystem spielt Peking in mehrfacher Hinsicht in die Hände. Zuerst ist der militärische Wert zu nennen. Chinas Militärsysteme würden im Falle eines Konflikts mit den USA online bleiben, dazu kann es ihnen nicht mehr passieren, dass die USA die Signalgüte absichtlich verschlechtern. "Die tiefgreifendste Auswirkung ist, dass China jetzt unabhängig ist. China hat jetzt ein System, das widerstandsfähig ist und in Konfliktzeiten eingesetzt werden kann", sagte Christopher Newman, Professor für Weltraumrecht gegenüber dem TV-Sender CNBC.

Auch Sanktionen aus Washington können Peking im Bereich der Navigation nicht mehr treffen. "Das Beidou-Netzwerk ist ein Sinnbild für Chinas große außenpolitische Ambitionen. Sie nehmen eine viel globalere Sichtweise ein", so Newman. Das Navigationssystem ist eng mit der "Belt and Road Initiative" verknüpft. Auf der neuen Seidenstraße und in der Hardware, die China herstellt, wird Beidou das US-System ablösen. Mehr als die Hälfte aller Länder nutzen das Netzwerk bereits, erklärte Yang Changfeng, der Chefdesigner von Beidou. China habe sich damit "von einer bedeutenden Nation im Bereich des Weltraums zu einer wahren Weltraummacht entwickelt".

Galileo wird sehr genaue Daten liefern

Zhou Chenming, ein chinesischer Militärexperte, sagte, das Beidou-System werde dazu beitragen, die militärischen Fähigkeiten Chinas zu stärken. "Mit unserem eigenen Navigations- und Ortungssystem, das über eine gute Präzision verfügt, können sich Chinas Raketen, Drohnen und andere Fahrzeuge auf unsere eigene Technologie verlassen, ohne sich über Signalverluste Sorgen machen zu müssen, und dies wird unserem Militär helfen, Truppeneinsatz und die logistische Unterstützung besser zu koordinieren."

Positionsdaten sind nicht alle gleich. Nachdem das US-Monopol geknackt ist, wird ein Wettbewerb über die besseren Daten ausgetragen. Das GPS-System soll bislang dem US-Militär qualitativ bessere Daten zur Verfügung gestellt haben, als dem zivilen Sektor. Damit will das europäische Galileo-System aufräumen, wenn es vollständig einsatzfähig ist. Galileo soll jedem Nutzer Positionsdaten mit einer Genauigkeit von 20 Zentimetern zur Verfügung stellen. Das wäre um den Faktor zehn genauer als die jetzigen GPS-Daten.

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