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"New Horizons": Mit Plutonium zum Pluto

Es hat geklappt: Die US-Raumsonde "New Horizons" ist gestartet und befindet sich auf dem langen Weg zum Pluto. Um am Ende der neunjährigen Reise forschen zu können, hat die Sonde Plutoniumkügelchen als Energiequelle an Bord.

Beim dritten Anlauf klappte es endlich mit Wetter und Technik. Mit zwei Tagen Verspätung hob am Donnerstagabend das Kraftpaket von Atlas-5-Rakete mit der Raumsonde "New Horizons" vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab. Zwar ist die unbemannte Sonde nach Angaben der US-Raumfahrtbehörde Nasa mit bis zu 58.000 Stundenkilometern der schnellste jemals gebaute Raumflugkörper, aber dennoch wird die sechs Milliarden Kilometer lange Reise bis zum Planeten Pluto an den Rand unseres Sonnensystems neuneinhalb Jahre dauern.

Plutonium treibt die Sonde an

Pluto wurde 1930 entdeckt; er ist kleiner als der Mond der Erde und ähnelt so sehr den so genannten "Eiszwergen", dass seine Klassifikation als Planet inzwischen umstritten ist. Der Planet und sein größter eigener Mond Charon sind so weit von der Sonne entfernt, dass der "New Horizons" dort nicht genug Licht für die Energiegewinnung zur Verfügung stehen wird. Energie erhält die Sonde daher durch den radioaktiven Zerfall von Plutonium-Kügelchen. Diese betreiben unter anderem sieben wissenschaftliche Instrumente.

Krater, Ozeane oder Berge?

Nie zuvor hat ein irdischer Bote den kleinen Eiszwerg erkundet. Wie bei einer Zeitreise fliegt die Sonde von der Größe eines Klaviers rund vier Milliarden Jahre zurück in die Vergangenheit bis zu den Anfängen unseres Sonnensystems. Pluto wird oft mit einem Embryo aus den Tagen der Planetenbildung verglichen.

Der Winzling aus Eis und Gestein misst gerade zwei Drittel des Erdenmondes und ist ein weitgehend unbeschriebenes Blatt. Alle Aufnahmen, die beispielsweise das Weltraumteleskop "Hubble" von Pluto gemacht hat, sind wegen der weiten Entfernung verschwommen. Es sei ein Rätsel, ob es auf der Oberfläche Berge, Krater oder Ozeane gibt, sagt Fran Bagenal von der Universität Colorado dem Nasa-TV. "Ich möchte wissen, was es da draußen am Rand des Solarsystems gibt. Es ist Neugier", beschreibt Bagenal ihr Interesse.

Verläuft alles planmäßig, wird "New Horizons" Mitte Juli 2015 bis auf 10.000 Kilometer an Pluto heranfliegen. Das Rendezvous wird nur einen kosmischen Wimpernschlag dauern. "New Horizons fliegt so schnell, dass es keine Möglichkeit gibt, sie abzubremsen und in die Umlaufbahn des Pluto zu lenken.

Nach fast zehnjährigem Flug zieht sie blitzschnell in weniger als einem Tag vorbei", sagte Glen Fountain, Projektmanager an der Johns Hopkins Universität von Laurel dem Nasa-TV. Weil bei dieser Entfernung jedes Funksignal 4,5 Stunden bis zu Pluto hin und die gleiche Zeit zurück benötige, stünden beim Vorbeiflug in nächster Nähe nervenaufreibende Momente bevor. "New Horizons" hat jedoch fünf Monate vor der größten Annäherung und einen Monat danach Zeit, um Daten zu sammeln.

17-Jähriger rettete die Mission "New Horizon"

Seit 17 Jahren liefen die Bemühungen für eine Pluto-Expedition. "Es ist eine der am längsten geplanten Missionen", sagt Programm-Manager Alan Stern. Im Jahr 2000 wäre das gesamte Projekt beinahe an der Finanzierung gescheitert. Der 17-jährige Schüler Ted Nichols mobilisierte dann aber eine riesige Fan-Gemeinde, die mit E-Mails und Petitionen den US-Kongress und das Weiße Haus bombardierte. Nichols' Argument, dass Pluto erst wieder in mehr als 200 Jahren so nah an die Sonne herankomme und damit erreichbar wäre, zog am Ende.

Dennoch hängt die Finanzierung des zweiten Teils der Nasa-Expedition in der Schwebe. Spätestens in zehn Jahren müssen die Mittel gebilligt werden, damit "New Horizons" noch weiter heraus aus dem Sonnensystem fliegen kann. Ziel dieser fünfjährigen Reise ist der Kuipergürtel außerhalb der Umlaufbahn des Planeten Neptun. In diesem Steinbruch aus Tagen der Planetenformung gibt es unzählige Bruchstücke, die wegen der weiten Entfernung von der Sonne noch alle ursprünglichen Grundbausteine enthalten.

Besuch im Kuipergürtel

Im Februar kommenden Jahres wird "New Horizons" erstmals seine sieben Bordinstrumente beim Vorbeiflug am Riesenplaneten Jupiter testen. Danach dämmert die Sonde in einem elektronischen Schlafzustand. Nur einmal im Jahr sollen die wichtigsten Systeme geweckt werden. Erst 2012, drei Jahre vor der Ankunft bei Pluto, wird die Sonde nach Angaben der Nasa schon ein halbes Dutzend von Kandidaten im Kuipergürtel für einen Besuch ausspähen. Niemand würde heute für einen geplanten Besuch in Paris im Jahr 2015 Plätze in einem bestimmten Restaurant bestellen, schreibt die Nasa.

Nasa betreibt astronomische Archäologie

Die Sonde wird die Oberfläche, die Zusammensetzung und die Atmosphäre von Pluto und dessen Mond Charon untersuchen. Die Nasa spricht von einer Art "astronomischer Archäologie", weil Pluto eine unschätzbare Innenansicht der Ursprünge unseres Sonnensystems bietet. Den Flug in die wenig erforschten Weiten am Rand unseres Sonnensystems lässt sich die Nasa rund 700 Millionen Dollar (580 Millionen Euro) kosten. DPA/Reuters

Hans Dahne/DPA / DPA