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Mit an Bord: "Scotty" aus "Star Trek": Raumkapsel "Dragon" auf dem Weg zur ISS

Eine neue Ära in der Raumfahrt beginnt. Erstmals fliegt ein privater Transporter zur ISS. Nach mehreren Verschiebungen gelingt am Dienstag ein Bilderbuchstart. Mit an Bord der Trägerrakete: Die Asche von "Scotty".

Im zweiten Anlauf hat es geklappt: Nach einem wahren Bilderbuchstart ist der erste private Raumtransporter auf dem Weg zur Internationalen Raumstation ISS. Die unbemannte Kapsel "Dragon" (Drache) hob mit Hilfe einer Rakete pünktlich um 03.44 Uhr Ortszeit (09.44 Uhr MESZ) am Dienstagmorgen vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida ab. Mit an Bord der Trägerrakete war die Asche des 2005 gestorbenen Schauspielers James Doohan, der einst in der TV-Serie "Star Trek" den Scotty verkörperte.

Wenn alles weiterhin klappt, wird "Dragon" am kommenden Freitag vollgepackt mit Versorgungsgütern an der ISS andocken. Es wäre das erste Rendezvous eines kommerziellen Raumfahrzeuges mit dem Außenposten im All, das es jemals gegeben hat.

Kein Wunder also, dass Nasa-Techniker in der Bodenstation nach dem Start in den Armen lagen. "Der Tag heute markiert eine neue Ära der Forschung", sagte der Chef der Raumfahrtbehörde, Charles Bolden. Noch größer war der Jubel im kalifornischen Hawthorne, dem Sitz des Unternehmens SpaceX, das die Kapsel und die Falcon-9-Trägerrakete entwickelt hat. "Falcon ist perfekt geflogen", twitterte Firmenchef Elon Musk nach dem Abheben. "Ich habe das Gefühl, dass mir gerade eine gigantische Last vom Rücken gefallen ist."

Der "Drache" spuckte Feuer

Ein erster Startversuch war am Samstag wegen eines defekten Ventils an einem Triebwerk der Rakete in letzter Minute abgebrochen worden. Schon davor gab es wiederholte Verzögerungen. Belohnt wurden Techniker und Weltraumfans für ihre Geduld dann mit atemberaubenden Startbildern am Dienstagmorgen. Mit einem Flammenschweif donnerte die Rakete in den dunklen nächtlichen Himmel - der "Drache" spuckte sozusagen Feuer und machte seinem Namen alle Ehre.

Vor allem die Nasa hatte diesen Tag geradezu herbeigesehnt. Seit sie im Sommer vergangenen Jahres ihre Shuttle-Flotte eingemottet hat, war sie ganz auf die russische "Sojus"-Kapsel als Mietfahrzeug angewiesen. Verläuft diese "Dragon"-Testreise nach Plan, wird SpaceX für die US-Raumfahrtbehörde zwölf Transportflüge zur ISS absolvieren. Dazu hat die Nasa mit dem Unternehmen einen 1,6 Milliarden Dollar (1,25 Milliarden Euro) schweren Vertrag abgeschlossen. Allerdings werden Astronauten noch auf Jahre lange Sicht auf die "Sojus" aus Russland als Taxi zur ISS zurückgreifen müssen. "Dragon" wird auf den bisher festgezurrten Flügen nur Material transportieren.

So bringt die 4,4 Meter hohe und 3,7 Meter weite Kapsel auf ihrem Testflug rund 500 Kilogramm Ladung mit, vor allem Lebensmittel für die ISS-Dauerbewohner. Mit an Bord sind auch ein Laptop-Computer und mehrere von Studenten entwickelte Experimente. So soll etwa ermittelt werden, wie rasch sich im All Traubensaft in Wein verwandelt.

Scottys letzte Station: das Weltall

Die zweite Falcon-Raketenstufe, die sich rund neun Minuten nach dem Start von der "Dragon"-Kapsel ablöste, trug außerdem Behälter mit der Asche von 308 Menschen ins All. Wie die auf Weltraumbestattungen spezialisierte Firma Celestis in Texas bestätigte, zählt dazu neben "Sotty" auch der frühere "Mercury"-Astronaut Gordon Cooper. Celestis zufolge wird die Raketenstufe mit der Asche voraussichtlich bis zu einem Jahr lang die Erde umkreisen, um dann in die Erdatmosphäre zu sinken und dort zu verglühen. Die Asche von Doohan und Cooper sollte bereits 2008 ins All geschossen werden, aber die Rakete schaffte das nicht, die Fracht ging verloren. Vorsichtshalber behielt Celestis nach eigenen Angaben aber einen Teil der Asche zurück.

"Dragon" wird auf seinem Rückflug über 600 Kilogramm ISS-Müll zur Entsorgung auf der Erde an Bord haben. Zunächst aber muss die Kapsel sicher landen - im Pazifik vor der kalifornischen Küste. Ein Schiff soll sie dort auflesen und an Land bringen.

Bis dahin stehen dem "Drachen" noch jede Menge Nagelproben bevor. SpaceX und die Nasa wollen die Kapsel auf diesem Flug bis aufs I-Tüpfelchen austesten - vor allem die Sensoren und Systeme, die zum Andocken nötig sind. Am ersten Tag im Orbit sollte die Kapsel mit ihrer ISS-Aufholjagd beginnen, am Donnerstag ist dann ein Vorbeiflug an der Station im Abstand von 2,5 Kilometern geplant. Dabei sollen die Navigationssysteme erprobt werden.

Kritisches Andocken dauert mehrere Stunden

Die kritische Phase des Andockens beginnt laut Nasa nach bisheriger Planung am Freitag um kurz nach 14 Uhr MESZ und dauert etwa drei Stunden. Dabei müssen die ISS-Bewohner Don Pettit und Andre Kuipers "Dragon" mit einem Roboterarm schnappen und an dem "Harmony"-Modul der Station befestigen. Das Auspacken kann dann am Samstag beginnen.

Nach bisherigem Plan soll "Dragon" rund eineinhalb Wochen angedockt bleiben, bevor er als Müllabfuhr zur Erde zurückgeschickt wird. Die nach dem Song "Puff, the Magic Dragon" von Peter, Paul and Mary benannte Kapsel ist mit einem Hitzeschild ausgestattet, um den Wiedereintritt in die Erdatmosphäre zu überstehen.

SpaceX will die Kapsel so weiterentwickeln, dass sie eines Tages auch Astronauten in den näheren Erdorbit befördern kann. Die Nasa verfolgt derweil das ehrgeizige Ziel, Menschen zu einem Asteroiden und dann sogar zum Mars zu bringen. Dazu entwickelt sie eine neue mächtige Rakete.

Gabriele Chwallek/DPA / DPA