Raumfahrt Europas Griff nach dem Mond


Die erste europäische Sonde Smart-1 hat nach einem 13-monatelangen Flug den Mond erreicht. Das Raumfahrzeug soll nicht nur als Prestige-Objekt dienen.

Die Sonde SMART-1 hat als erstes europäisches Raumfahrzeug den Mond erreicht und ist in eine Umlaufbahn um den Erdtrabanten eingeschwenkt. Wie die Europäische Raumfahrtagentur ESA berichtete, näherte sich die Sonde am Montagabend dem Mond bis auf 5.000 Kilometer und startete um 18.48 Uhr (MEZ) ihre erste Mondumrundung, die 129 Stunden dauern wird. SMART-1 erreichte den Mond etwa vier Monate früher als ursprünglich geplant.

Nach den Worten von Projektleiter Guiseppe Racca wird das Haupttriebwerk von SMART-1 vier Tage lang ununterbrochen laufen, um die Sonde allmählich in seine endgültige Umlaufbahn zu steuern. Diese soll das Raumfahrzeug Mitte Januar erreichen. Dann wird SMART-1 den Mond in einer Höhe zwischen 300 und 3.000 Kilometern umkreisen. Die Umlaufzeit verkürzt sich auf fünf Stunden. SMART-1 soll etwa sechs Monate lang den Mond untersuchen. Die Kosten der Mission belaufen sich auf 110 Millionen Euro.

Neues Antriebssystem

Giorgio Saccoccia, Chef der ESA-Abteilung für Antriebstechnik, erklärte, das von der europäischen Raumfahrt erstmals eingesetzte Ionentriebwerk habe exzellent funktioniert. Das mit Edelgas und Elektrizität betriebene Triebwerk habe auf dem 14 Monate dauernden Flug zum Mond 3.700 Stunden Schub geleistet. Damit habe SMART-1 insgesamt 84 Millionen Kilometer zurückgelegt. Der Ionenantrieb habe weit effizienter funktioniert als erwartet, was die Flugzeit deutlich verkürzt habe.

Anders als bei den Mondflügen der 60er und 70er Jahre war SMART-1 nach dem Start am 27. September 2003 zunächst in eine erdnahe Umlaufbahn gebracht worden. Von dort aus musste sich die Raumsonde quasi aus eigener Kraft zum Mond hinbewegen. Der ungewöhnlich lange Flug diente wiederum dem Test des Ionenantriebs für künftige Missionen zu entfernten Planeten. Zudem wurden an Bord zahlreiche neue Techniken erprobt, wie beispielsweise die Kommunikation mit der Erde per Laserstrahl oder eine Anlage zur vollautomatischen Navigation von Raumschiffen.

Weitere Länder planen Mondmissionen

Nach den Worten von Projektwissenschaftler Bernard Foing soll ab Januar unter anderem der Mond mit einer hochauflösenden Spezialkamera komplett neu fotografiert werden. Radargeräte und Spektrometer sollen die mineralische und chemische Zusammensetzung der Mondoberfläche lückenlos dokumentieren. Zudem will die ESA Einschlüsse von Wassereis aufspüren, die in einzelnen Kratern in der Nähe der Mondpole vermutet werden.

Mit SMART-1 beginne 30 Jahre nach dem Ende des US-amerikanischen Apollo-Programms die zweite Phase der Monderforschung, sagte Foing. Er verwies darauf, dass Japan, China, Indien und die USA in den kommenden fünf Jahren ebenfalls Mondmissionen planen. Dies könne zur Einrichtung einer dauerhaften Forschungsstation auf dem Erdtrabanten führen.

Smart-1 ist nur der Anfang

SMART steht für Small Missions for Advanced Research in Technology (Kleinmissionen für fortgeschrittene Technologieforschung). Die SMART-1-Mission dient der ESA als Vorbereitung künftiger Flüge zu anderen Planeten und zur Sonne. Dabei sollen neben dem Ionenantrieb auch zahlreiche Instrumente verwendet werden, die an Bord von SMART-1 erstmals zum Einsatz kommen. Zudem soll die bei der Sonde eingesetzte Technik künftige Raumfahrzeuge deutlich leichter und kostengünstiger machen als Raumsonden der Vergangenheit.

AP AP

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