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Hawkings "Breakthrough Starshot" Wie superschnelle Mini-Raumschiffe das All erobern sollen


Um das All zu erforschen, gilt es, unvorstellbare Distanzen zu überwinden: Stephen Hawking und die Milliardäre Juri Milner und Mark Zuckerberg haben ein neues Projekt vorgestellt. Sie haben eine geniale Idee, wie es mit der Erkundung klappen könnte.

Das Projekt trägt den ambitionierten Namen "Breakthrough Starshot" - und genau das erhoffen sich der Starphysiker Stephen Hawking und der Milliardär, Physiker und Weltraumenthusiast Juri Milner: einen Durchbruch. Endlich den nächsten Schritt gehen. Dass Hawking glaubt, die Menschheit müsse zu einer multiplanetaren Spezies werden, hat er bereits mehrfach betont. Nur so könne auch in Zukunft der Fortbestand der Menschheit gesichert werden, im Falle einer globalen Katastrophe. Und nur so kann die vielleicht älteste aller Fragen beantwortet werden, sind wir alleine in den unendlichen Weiten?

Doch bevor der Mensch zu den Sternen aufbricht, gilt es, das wohl größte Hindernis für die Erforschung des Alls zu überwinden: die schier unvorstellbaren Distanzen in unserer Galaxie, der Milchstraße. Alleine um zum nächstgelegenen Sternensystem  Alpha Centauri - Entfernung 4,3 Lichtjahre (Anm. d. red. Die Geschwindigkeit des Lichtes beträgt ungefähr 300.000 Kilometer pro Sekunde) - zu gelangen, würde ein Raumschiff mit konventionellem Antrieb zehntausende, wenn nicht hundert tausende Jahre benötigen. Für uns Menschen mit unserer doch sehr begrenzten Lebensdauer dürfte dies zur unüberwindlichen Herausforderung werden. Maschinen sind für solche Reisen deutlich besser gewappnet - auch weil kosmische Strahlung über Jahre hinweg sehr schädlich für unseren Organismus ist.

"Der Tag ist gekommen, von dem Weltraumforscher träumten"

Doch auch für Sonden gilt: Mit konventionellem Raketentreibstoff wird die Reise zu den Sternen nicht gelingen. Raketentriebwerke sind zu ineffizient, zu langsam und haben eine sehr begrenzte Reichweite. Um jemals unseren kosmischen Nachbarn zu erreichen, benötigt es radikale neue Ideen, den Mut etwas zu wagen - und sehr viel Geld, denn die Raumfahrt ist ein extrem teures Unterfangen. Zusammen mit seinem internationalen Team verfügt Hawking mit dem Projekt "Breakthrough  Starshot" über die besten Voraussetzungen, die Menschheit auf den Kurs Richtung Weltall zu bringen: Neben dem Russischen Milliardär Milner sind auch Facebook-Gründer Mark Zuckerberg sowie Wissenschaftler, Ingenieure und Astronauten an der Initiative beteiligt.

Nun wurde "Breakthrough Starshot" in New York offiziell der Weltöffentlichkeit vorgestellt, und zwar in einer Höhe von 381 Metern auf der Aussichtsplattform des World Trade Centers. Gegenüber Journalisten sagte Milner, die Zeit sei nun gekommen, dass die Menschheit den nächsten Sprung in ihrer Geschichte wage. Für Pete Wardon, den neuen Direktor der Operation "Breakthrough Starshot" war gestern "der Tag gekommen, von dem alle Weltraumforscher träumten. Die Sterne sind zum Greifen nah".

Wie das Projekt funktionieren soll

Doch wie will Projekt "Breakthrough Starshot" das All erforschen? Wenn es nach den Wissenschaftlern geht, soll eine Flotte von superleichten Mini-Raumschiffen, von der Größe einer Kreditkarte, diese Aufgabe übernehmen. Ausgestattet mit Kameras und einem Sonnensegel sollen die kleinen Raumschiffe dann mit Hilfe eines starken Lasers auf bis zu 20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit beschleunigt werden. Laut Harvard-Professor und Astronom Avi Loeb habe "der Laser hat die Kraft von über 100 Gigawatt. Das ist die Kraft, die es brauchte, einst ein Space Shuttle nach oben zu schießen." Das erste der Nanoraumschiffe soll hingegen nur 20 Gramm wiegen.

Mithilfe der Mini-Raumschiffe und dem starken Laser könnte Alpha Centauri so schon in 20 Jahren erreicht werden. "20 Prozent der Lichtgeschwindigkeit würde beispielsweise heißen, das Nanoschiff fliegt in drei Tagen an Pluto vorbei, statt in neuneinhalb Jahren wie noch die Sonde New Horizons brauchte", so Hawking. Wie die "New York Times" schreibt, sehe der Plan vor, zunächst ein Mutterschiff per Raketenantrieb ins All zu befördern. Mit an Bord: tausende kleiner Raumschiffe die nach und nach per Laserstrahlen in alle Winkel unserer Galaxie ausschwärmen sollen.

Die Kosten sind immens - wie die Konten von Milner und Zuckerberg

Daten und Erkenntnisse des Projekts "Breakthrough Starshot"  sollen für jedermann offen zugänglich sein. Nach Angaben des Teams wurde bereits Kontakt mit der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa aufgenommen. Auch mit den Europäern will es zusammenarbeiten. Milner finanziert auch den "Breakthrough Prize", einen der höchstdotierten Preise für Wissenschaftler, der jährlich in drei Kategorien verliehen wird. 2015 startete der Russe außerdem das 100-Millionen-Dollar-Projekt "Breakthrough Listen", das mit Teleskopen nach Signalen von intelligentem Leben außerhalb unseres Sonnensystems fahndet.

Insgesamt sollen die “Breakthrough"-Initiativen laut "New York Times" zwischen fünf und zehn Milliarden US-Dollar kosten - eine geradezu utopische Summe, die für Milners und Zuckerbergs geballte Finanzkraft aber durchaus zu stemmen wäre. Dabei würde das meiste Geld wohl in die Entwicklung des Laser-Systems gehen.

Genau 55 Jahre nachdem der russische Kosmonaut Juri Gagarin als erster Mensch ins All reiste, wollen Hawking, Milner, Zuckerberg & Co. nun also zu den Sternen aufbrechen: Unzählige Mini-Raumschiffe sollen dies ermöglichen. Wenn es nach Harvard Professor Loeb geht sollen, "eine Sonde pro Tag, hunderte Pro Jahr" starten. Doch bleibt abzuwarten ob sich ein technisch so komplexes Projekt in die Tat umsetzen lässt. Auf die Frage, ob die Nano-Raumschiffe wohl neues Leben im All entdecken würden, reagiert Hawking wissenschaftlich-sachlich, aber auch mit einem Quäntchen Humor: "Die Wahrscheinlichkeit ist gering. Wahrscheinlich jedenfalls".


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