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Verschwörungstheorien zur Mondlandung: Der Erdtrabant aus dem Hollywoodstudio

Neil Armstrong setzte 1969 als erster Mensch einen Fuß auf den Mond - oder nicht? Könnte es nicht sein, dass alles bloß vor einer Hollywood-Kulisse stattfand? Wie kaum ein anderes geschichtliches Ereignis hat die Mondlandung die Fantasie beflügelt - und Verschwörungstheorien entstehen lassen.

Die Sache mit der Mondlandung - alles nur Show, alles Lüge, das ganze Spektakel wurde in Wahrheit in einem Hollywood-Studio gedreht? Keine andere Verschwörungstheorie in den USA ist derart langlebig. Es begann 1974: Mit seinem im Selbstverlag erschienenen Buch "We never went to the moon" ("Wir sind gar nicht zum Mond geflogen") sorgte der bis dahin völlig unbekannte Ratgeber-Autor Bill Kaysing für Aufsehen. Kaysing, selbst kein Wissenschaftler, hatte einige Jahre als eine Art Archivar für eine Zulieferfirma der Nasa gearbeitet. Nun behauptete er, die US-Raumfahrt sei technisch weit davon entfernt gewesen, Menschen zum Mond zu fliegen. Und schon gar nicht sicher zurück. Stattdessen sei ein "30 Milliarden Dollar-Schwindel" inszeniert worden.

Tatsächlich boten Kaysings Thesen alles, was eine erfolgreiche Verschwörungstheorie braucht. Erstens Motive: Mitte der 60er lagen die USA im Weltraum-Wettrennen mit den Sowjets demütigend weit zurück, zusätzlich standen sie wegen Kennedys Mondlandungs-Versprechen von 1961 unter enormem Druck, ein Erfolg musste her. Zweitens eine gewisse Plausibilität: Bis kurz vor dem Mond-Coup hatte die Nasa immer wieder verheerende Rückschläge erlitten, etwa den Brand in der Apollo-1-Kapsel mit drei toten Astronauten 1967. Drittens präsentierte Kaysing eine ganze Reihe mutmaßlicher Beweise, darunter angebliche Unstimmigkeiten auf von der Nasa präsentierten Mondfotos und -filmen. Und viertens ignorierte er die tatsächlichen Beweise für die Landungen - die von den Apollo-Missionen auf dem Mond hinterlassenen Lichtreflektoren beispielsweise oder das mitgebrachte Mondgestein, das eine Zusammensetzung aufweist, wie sie auf der Erde nicht vorkommt. Die Argumente der Kritiker reichen von der "wehenden Fahne", bis zu den "fehlenden Sternen" und den "falschen Schatten" bei den TV-Bildern.

Fehlende Sterne, falsche Schatten und eine wehende Flagge

Punkt eins: die fehlenden Sterne. Tatsächlich sind Armstrong und Buzz Aldrin vor einem pechschwarzen Nachthimmel zu sehen. Kaysing sah darin die Rückwand eines Filmstudios im legendären Sperrgebiet "Area 51" in Nevada. Er kam zu dem Schluss, dass die Sterne weggelassen worden seien, weil ein astronomisch auch nur halbwegs korrektes Hintergrundbild nicht zu fälschen gewesen sei. Tatsächlich liegt die Erklärung für die fehlenden Sterne einfach in der kurzen Belichtungszeit: Das Sternenlicht ist zu schwach, um bei normaler Belichtung auf den Bildern zu erscheinen.

Punkt zwei: die Fahne. Nachdem Armstrong und Aldrin die Stars-and-Stripes ins Mondgestein gerammt hätten, habe die Flagge "im Wind geweht" - dabei gehe auf dem Mond kein Lüftchen. Die Flagge sei durch die Vibrationen in Bewegung geraten, als die Astronauten sie aufstellten, lautet ein Gegenargument. Oder war die von Aldrin in den Boden gerammte Fahne einfach gerafft und faltig, so dass es nach einem Wehen aussah? Dass der Faltenwurf auf allen Fotos gleich aussieht, beweist eindeutig, dass die Fahne nicht im Wind wehte, finden Gegner der Verschwörungstheorien.

Punkt drei: die "falschen Schatten". Auf den Nasa-Bildern hätten die Objekte und Menschen nicht-parallele Schatten geworfen. Da es auf dem Mond aber nur die Lichtquelle Sonne gebe, sei dies ein schlagender Beweis, dass alles in einem Hollywood-Studio mit diversen Scheinwerfern gedreht wurde. Auch hier verweisen die Experten auf ein simples Gegenargument. Da der Mond nicht topfeben sei, gebe es auch keinen 100 Prozent "korrekten" Schattenwurf; auch dieses Phänomen gebe es auf der Erde.

"Silly", schlichtweg lächerlich und albern, nennt Roger Launius, Chef-Historiker im Smithsonian Weltraum-Museum in Washington, die Argumente, dass alles bloß ein gigantisches Illusions-Theater gewesen sei. Er führt einmal in der Woche Besucher und zeigt ihnen ein Modell der Mondlandefähre "Eagle", mit der die US-Astronauten Neil Armstrong und Edwin Aldrin am 20. Juli 1969 auf dem Mond landeten. Er weiß, dass die Verschwörungstheorien nicht totzukriegen sind. Zeitweise schenkten über zehn Prozent der Amerikaner der "Mond-Lüge" Glauben. "Im Durchschnitt sind es auch heute noch sechs Prozent der Amerikaner", sagt Launius und ergänzt: "Die coolste Sache, die wir machen könnten, wäre es, noch mal zum Mond zurückzukehren - einfach um zu beweisen, dass wir dort gewesen sind."

DPA/AP / AP / DPA