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80. Geburtstag von Hans Mommsen Der konfliktfreudige Historiker


Hans Mommsen stammt aus einer politischen Familie. Ein Buch über sie trägt den Untertitel: "Die Geschichte einer Familie ist die Geschichte der Deutschen." Der Historiker Mommsen präsentierte sich stets als konfliktfreudiger Wissenschaftler.

Er hat sich stets engagiert zu Wort gemeldet. Im "Historikerstreit" der 1980er Jahre, bei den umstrittenen Hartz IV-Reformen und in der Diskussion um die Filbinger-Äußerungen von Günther Oettinger erhob Hans Mommsen unüberhörbar seine Stimme. Nicht zuletzt darum gehört er zu den bedeutendsten deutschen Historikern. An diesem Freitag (5. November) wird er 80 Jahre alt. Seine Grundhaltung: sozial-liberal, seine Schwerpunkte: die Geschichte der Sozialdemokratie und der Arbeiterbewegung, die Weimarer Republik, der Nationalsozialismus und der deutsche Widerstand.

Als Literaturnobelpreisträger Günter Grass im Jahr 2006 heftig kritisiert wurde, nachdem er nach jahrelangem Schweigen seine Zugehörigkeit zur Waffen-SS gestanden hatte, nahm Mommsen ihn in Schutz und nannte die öffentliche Aufregung "unangebracht". Die Kritik an Grass sei vielfach "scheinheilig", denn tatsächlich müsse sie an die deutsche Öffentlichkeit selbst gerichtet werden.

In der "Frankfurter Rundschau" schrieb er damals: "Die mangelnde Bereitschaft der Nation, ihre eigene Verstrickung in die NS- Verbrechen einzugestehen und ihr Bestreben, sie auf die NS-Täter im engeren Sinne zu projizieren, ist ja erst die Erklärung dafür, dass vor allem von Angehörigen der späten Kriegsjahrgänge ihre Mitgliedschaft in der Waffen-SS, der NSDAP oder anderen Apparaten des Regimes verschwiegen wurde, um öffentlichen Diffamierungen auszuweichen."

Als der damalige baden-württembergische Ministerpräsident Günther Oettinger (CDU) 2007 seinen wegen Verstrickungen in den Nationalsozialismus zurückgetretenen Vorgänger Hans Filbinger weitgehend unreflektiert würdigte, warf Mommsen Oettinger "schon ein bisschen Feigheit" vor.

Gemeinsam mit seinem nur wenige Minuten jüngeren und 2004 gestorbenen Zwillingsbruder Wolfgang bezog Hans Mommsen auch im "Historikerstreit" der 1980er Jahre über die geschichtliche Einordnung des Nationalsozialismus klar Stellung gegen den Berliner Geschichtsprofessor Ernst Nolte. Nolte hatte in einem Artikel den Holocaust als mögliche Reaktion auf die Verbrechen der sowjetischen Kommunisten beschrieben. Daraufhin entbrannte unter deutschen Historikern ein auch im Ausland beachteter Streit um die Bedeutung und eine mögliche Verharmlosung der Nazi-Gräueltaten. Mitte der 90er Jahre war Hans Mommsen einer der Wortführer der Kritiker an dem umstrittenen Buch des US-Politologen Daniel Goldhagen "Hitlers willige Vollstrecker".

Sein politisches Engagement wurde dem 1930 in Marburg geborenen Hans Mommsen in die Wiege gelegt. Er ist der Urenkel des berühmten Historikers, Juristen und Politikers Theodor Mommsen, der im Jahr 1902 für seine "Römische Geschichte" den Literaturnobelpreis bekam. Von ihm scheint er auch seine Konfliktfreudigkeit geerbt zu haben, seine Pointiertheit und Schärfe.

Auch Hans' Zwillingsbruder Wolfgang machte sich als engagierter Geschichtswissenschaftler einen Namen. Die "Mommsen-Zwillinge" wurden zur Institution in der deutschen Historiker-Szene. Der ältere, 1976 gestorbene Bruder des Zwillingspaares, Karl Mommsen, lehrte in Basel Regionalgeschichte. Auch ihr Vater Wilhelm war - natürlich - Historiker, der allerdings wegen Verstrickungen während der NS- Diktatur nach dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr Fuß fassen konnte.

Hans Mommsen war in seiner langen und erfolgreichen Karriere Professor für Neuere Geschichte an der Ruhruniversität in Bochum und Gastprofessor an Universitäten in den USA und Großbritannien. Seit seiner Emeritierung lebt Hans Mommsen im oberbayerischen Feldafing am Starnberger See. Der Journalist Peter Köpf setzte der Familie Mommsen vor rund sechs Jahren mit einem Buch ein Denkmal. Der Titel: "Die Mommsens. Von 1848 bis heute - die Geschichte einer Familie ist die Geschichte der Deutschen".

Britta Schultajans, DPA DPA

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