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Ältester Westeuropäer: Spektakulärer Knochenfund in Spanien

Einen 1,2 Millionen Jahre alten Kieferknochen haben Forscher im Nordosten Spaniens entdeckt. Die Überreste des Hominiden sind die ältesten, die bisher in Westeuropa entdeckt wurden. Über die Lebensart der dort siedelnden Frühmenschen ist aus früheren Grabungen etwas bekannt: Sie waren bisweilen Kannibalen.

In einer Höhle im Nordosten Spaniens haben Forscher nach eigenen Angaben die bisher ältesten Überreste der ersten Westeuropäer entdeckt. In der Atapuerca-Grotte nahe der Stadt Burgos wurden Zähne und der Unterkiefer eines Menschen gefunden, der vor rund 1,2 Millionen Jahren in der Region lebte, wie ein Forscherteam um den spanischen Paläontologen Eudald Carbonell in Tarragona im Wissenschaftsmagazin "Nature" berichtet.

Der Fund unterstütze die These, dass die aus Afrika zugewanderten Menschen früher als bislang angenommen nach Westeuropa kamen. An der Fundstelle entdeckten die Forscher auch Steinwerkzeug zur Herstellung von Feuersteinen und Tierknochen mit Schnittspuren.

Gemeinsamer Vorfahr von Mensch und Neandertaler?

Die Wissenschaftler rechnen den Unterkiefer und die Zähne dem Homo antecessor zu, der ihrer These nach als gemeinsamer Vorfahr des Menschen und der Neandertaler gilt. Sie vertreten die Hypothese, dass der Homo antecessor aus Afrika stammt und von dort nach Europa eingewandert ist. Die Definition dieser eigenen Art ist allerdings in Forscherkreisen umstritten, andere Paläontologen gehen davon aus, dass es sich beim Homo antecessor um den Homo heidelbergensis beziehungsweise einen direkten Vorgänger von diesem handelt.

Das erste, rund 800.000 Jahre alte Fossil dieser Art war 1994 in einer benachbarten Grotte in Spanien entdeckt worden. Bis 1996 entdeckten Forscher mehr als 80 fossile menschliche Überreste, die sich sechs Individuen zuordnen ließen. Am besten erhalten ist der der Kieferknochen eines zehnjährigen Jungen. Verschiedene der gefundenen Menschenknochen zeigten typische Schnitte auf, die sich auch auf an der Fundstelle entdeckten Tierknochen zeigen. Dies deutet darauf hin, dass die Frühmenschen Kannibalen waren.

DPA/AFP/bub / DPA