Wein-Musik-Studie Robbie Williams zum Chardonnay


Rotwein schmeckt besser zur Musik von Jimi Hendrix oder den Rolling Stones. Schottische Forscher haben in einer - wahrscheinlich fröhlichen - Studie herausgefunden, dass Musik das Geschmacksempfinden beim Weintrinken beeinflusst.

Forschung gilt häufig als ernst und etwas spröde. Mitunter lassen sich wissenschaftliche Zusammenhänge aber auch in einer geselligen Runde klären. So riefen schottische Wissenschaftler zu einer Weinverkostung zu Forschungszwecken auf. Die Studie war eine Zusammenarbeit zwischen einem chilenischen Wein-Produzenten und der Abteilung für Psychologie an der Heriot Watt University in Edinburgh. 250 Studenten der Uni durften mit unterschiedlicher Musik-Beschallung verschiedene Weine testen. Das Ergebnis: Der Geschmack von Cabernet Sauvignon wird von den Weintrinkern stärker mit "mächtiger und schwerer Musik" empfunden. Chardonnay hingegen habe bei "schwungvollen und erfrischenden" Melodien deutlich besser gemundet.

Die schottischen Psychologen gehen allerdings noch weiter. Sie empfehlen zu Cabernet Sauvignon unter anderem "All Along The Watchtower" von Jimi Hendrix, "Honky Tonk Woman" von den Rolling Stones, "Live And Let Die" von Paul McCartney sowie "Won't Get Fooled Again" von The Who. Chardonnay dagegen entfalte sich bestens bei "Atomic" von Blondie, "Rock DJ" vom Pop-Künstler Robbie Williams, "What's Love Got To Do With It" von Tina Turner oder auch "Spinning Around" von Kylie Minogue.

Der beteiligte Weinhersteller Aurelio Montes fühlt sich laut "times online" durch diese Beobachtung bestätigt. "Ich habe immer schon daran geglaubt, dass gregorianische Kirchenmusik den Geschmack unserer Weine besonders gut unterstützt. Da war es eine logische Folge, dass auch wissenschaftlich untersuchen zu lassen."

Die Gründe liegen im Gehirn

Die Ergebnisse der ungewöhnlichen Studie erklären die schottischen Wissenschaftler mit der "cognitive priming theory" aus der Psychologie. Hört man eine bestimmte Art von Musik, sollen bestimmte Bereiche des Gehirns angeregt werden. In der Folge verändert das auch die Wahrnehmung des Wein-Geschmacks.

Laut Adrian North, dem Leiter der Studie, sei schon lange bekannt, dass Musik das Verhalten der Hörer beeinflussen kann. Vor einiger Zeit war North Teil einer Forschungsgruppe, die den Einfluss von Musik auf das Kaufverhalten von Weintrinkern untersuchten. In der Weinabteilung eines Supermarkts wurde so über zwei Wochen entweder deutsche Blas- oder französische Akkordeonmusik gespielt. Es stellte sich heraus, dass die Käufer bei der französischen Musik etwa dreimal häufiger zu französischen Weinen griffen und bei der Blas-Musik zu den deutschen. "Nun haben wir zum ersten Mal gezeigt, dass das auch für den Geschmackssinn und damit die Art und Weise wie ein Glas Wein schmeckt, gilt", sagte er "times online".

Diese Beobachtung offenbart Weinhändlern und Restaurants ganz neue Marketingstartegien: Weinhändler könnten künftig dazu übergehen, Empfehlungen zur passenden Musik auf die Flaschen drucken zu lassen, erklärte North. Überrascht sein sollte man wahrscheinlich auch nicht mehr, wenn ein Kellner plötzlich Wagner spielt, um den Geschmack des Hausweins zu untermalen.

nis/DPA DPA

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