"Beifang" Keine Chance für Schweinswale


Sind sie erst einmal in die tödlichen Maschen der modernen Fischernetze geraten, haben die streng geschützten Schweinswale in Nord- und Ostsee keine Chance mehr

Sind sie erst einmal in die tödlichen Maschen der modernen Fischernetze geraten, haben die streng geschützten Schweinswale in Nord- und Ostsee keine Chance mehr. Sie können zum Atmen nicht mehr auftauchen und verenden jämmerlich als ungewollter "Beifang", wie die Umweltorganisation WWF schon seit Jahren kritisiert.

An die 10.000 Tiere dieser kleinsten Walart ereilt jährlich dieses Schicksal allein in der Nordsee - bei einem Bestand von geschätzt 300.000 Tieren. In der Ostsee, wo nach letzten Schätzungen nur noch wenige hundert Tiere des Schweinswals vorhanden sind, steht die Population wegen der Beifangproblematik bereits vor dem Zusammenbruch, wie Jochen Lamp vom WWF-Ostseebüro in Stralsund betont.

Meeresschutz oder Wirtschafts-Nutzung

"Die Zeit läuft uns davon", warnte auch der WWF-Referent Internationaler Meeresschutz, Stephan Lutter. Die wirtschaftliche Nutzung von Nord- und Ostsee hat in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen: Schifffahrt, Gas- und Ölplattformen, Kabeltrassen, Windparks sowie Fisch-Trawler, die mit ihren Fanggeräten die Meeresböden durchpflügen, haben die empfindlichen Lebensräume stark geschädigt.

Seit einigen Jahren werden nach Angaben des Naturschutzbundes (BUND) alarmierend viele Schweinswale in Nord- und Ostsee tot angeschwemmt. Die Belastung mit Schadstoffen sowie Nahrungsmangel wegen Überfischung werden als wesentliche Gründe angesehen. Die Untersuchungen von Beifängen oder tot aufgefundenen Schweinswalen seit 1990 weisen zunehmend gesundheitliche Schäden und einen deutlich schlechteren Allgemeinzustand auf als bei den Artgenossen in weniger belasteten, nördlicher gelegenen Gewässern, wie Ursula Siebert von der Außenstelle Kiel im Forschungs- und Technologiezentrum Westküste in Büsum bestätigt.

Schutzgebiete reichen nicht

Der dringenden Forderung der Umweltschützer nach "einem Netz von Meeresschutzgebieten" wird nach Ansicht des WWF nur ungenügend nachgekommen. "Das kürzlich von Bundesumweltminister Jürgen Trittin vorgelegte Schutzkonzept mit weiteren fünf Meeresschutzgebiete jenseits der Zwölf-Meilen-Zone im Bereich der deutschen Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Ostsee, ist zwar ein großer Schritt, reicht aber nicht aus", stellt Lamp fest.

Besonders das Gebiet der Pommerschen Bucht als eines der ökologisch wichtigsten Gebiete der gesamten Ostsee muss nach Lamps Dafürhalten gemeinsam mit Polen und Dänemark zu einem internationalen Schutzgebiet entwickelt werden. "Seevögel und Wale kennen keine Grenzen", sagt Lamp. Er mahnt die Bundesregierung, ihrer Verpflichtung zur Rettung der Ostseeschweinswale auch entsprechende Taten folgen zu lassen.

Schutz der "Kadetrinne"

Erweiterter Schutz muss nach Ansicht des WWF auch der Kadetrinne als "einer der Lebensadern der Ostsee" zu Teil werden. Über diese Rinne mit ihren intakten Unterwasserlebensräumen zwischen Mecklenburg und der dänischen Insel Falster fließt von Westen der lebenswichtige Salzwasserzustrom für das Binnenmeer Ostsee. Trotzdem habe das Bundesumweltministerium in der viel befahrenen Kadetrinne bisher nur einen unzureichenden Streifen als Schutzgebiet ausgewiesen, bemängelt der WWF.

Unbehandelt liegt seit August bei der EU-Kommission ein Verordnungsentwurf zum Schutz der Schweinswale, der ein Verbot der Treibnetzfischerei bis 2007 und eine sofortige Begrenzung der Netzlängen von bisher 20 auf 2,5 Kilometer vorsieht. Zudem soll nach dem Willen der Kommission ein akustischer Signalgeber (Pinger) am Netz befestigt werden, der die Wale warnt und vom Netz vertreibt. WWF-Fischereiexpertin Heike Vesper bedauert, dass dieser "längst überfällige Schritt" auch bei der in dieser Woche laufenden EU-Ministerratstagung für Landwirtschaft und Fischerei wieder nicht zur Entscheidung steht.

Als Erfolg wertet Vesper, dass im zu Ende gehenden Jahr die Konferenz des Abkommens zum Schutz der Kleinwale in Nord- und Ostsee (ASCOBANS) erstmals einen sofortigen Schutzplan für Ostseeschweinswale auf den Weg brachte. Erfreulich sei auch, dass die ASCOBANS-Vertragsstaaten Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Großbritannien, Niederlande, Polen und Schweden sich zudem auf die Erstellung eines "Erholungsplan für die Bestände der Schweinswale bis zum Jahr 2005 einigten.

Lutz Jordan


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