Entflohene Kobra in Mülheim Wohnhaus wird acht Wochen abgesperrt


Das Mietshaus in Mülheim an der Ruhr wurde bis in den kleinsten Winkel auf den Kopf gestellt - doch ohne Erfolg. Die Suche nach der hochgiftigen Monokelkobra ist beendet, für die Bewohner sind die Unannehmlichkeiten aber noch lange nicht vorbei.

Der Kobra-Alarm im Ruhrgebiet ist zu Ende: Die tagelange Suche nach einer kleinen Giftschlange in Mülheim an der Ruhr wurde am Sonntagnachmittag abgebrochen. Die Helfer sahen trotz ihrer fieberhaften Bemühungen "keine Aussicht mehr auf Erfolg". Das Haus wird verschlossen, einmal täglich geht die Feuerwehr dort auf Patrouille. Der drei Monate alten Monokelkobra droht unterdessen der Hungertod.

Vier Tage lang hatte sich die bis dahin ruhige Gegend, in der der 19 Jahre alte Schlangenbesitzer wohnte, im Ausnahmezustand befunden, nachdem das hochgiftige Reptil aus seinem Terrarium entflohen war. Feuerwehren, Technisches Hilfswerk (THW), Deutsches Rotes Kreuz, Stadt und Ordnungsamt waren angerückt und hatten die Straße abgesperrt. Doch die Schlange blieb trotz intensiver Suche verschwunden.

Journalistenteams befragten die Nachbarn, die Kobrasuche machte sogar Schlagzeilen im europäischen Ausland. Radiosender verbreiteten Tipps aus der Bevölkerung, wie die fingerdicke 30-Zentimeter-Schlange gefunden werden könne. Viele Menschen kritisierten den 19 Jahre alten Schlangenbesitzer und forderten eine Lizenz für die Reptilien-Haltung nach Art eines Führerscheins.

Endoskope und Mehl zur Schlangenjagd

Am Sonntag dann kam das THW mit Endoskopen. Die Mini-Kameras lugten in die hintersten Ritzen und Winkel. Nachts wurden doppelseitige Klebebänder angebracht, an denen die Schlange haften bleiben sollte. Mehl wurde ausgestreut, in dem sie Spuren hätte hinterlassen können. Allein, sie blieb verschollen.

Erst am Samstag zuvor hatte die Kobra in der Dachgeschosswohnung ihr neues Heim bezogen - dem inoffiziellen Vernehmen nach in einem Kasten, in dem eine PC-Lüftung wohl das rechte Schlangenklima schaffen sollte. Durch diesen Ventilator soll die Kobra entschwunden sein, als er abgeschaltet war. Der 19-Jährige hatte die Schlange auf einem Exoten-Markt für 70 Euro erworben. Für eine Stellungnahme war er nicht zu erreichen.

Beobachter meinten, der junge Mann habe nicht wie ein erfahrener Reptilien-Halter gewirkt. Es war seine zweite Schlange, und nachdem sie weg war, hatte er Alarm geschlagen. Schließlich ist so ein Tierchen mit einem Gift ausgerüstet, das binnen Stunden tödlich wirkt. Das Serum, das davor bewahrt, hatten Sanitäter bereit gehalten. Es wird nun nicht mehr benötigt.

Das Haus ist unbewohnbar

Nachdem die Suchaktion einmal ins Rollen gekommen war, wurde die Wohnung komplett auf den Kopf gestellt. So gründlich, dass der Mieter einstweilen nicht zurückkehren kann. Der Mülheimer konnte nur noch zuschauen, wie die Zimmer komplett ausgeräumt wurden, Hab und Gut abtransportiert wurde oder in Containern landete. Inzwischen ist das Dachgeschoss quasi in einen Rohbauzustand zurückversetzt worden.

Böden, Wände, Zwischendecken, alles wurde freigelegt. Dach- und Bodenbalken liegen offen. Jeder Eimer Schutt wurde gründlich durchsiebt - von Männern mit Mundschutz, hohen Stiefeln und langen Handschuhen. Ein teurer Einsatz: Allein die Arbeit der Feuerwehr kostete 850 Euro pro Stunde. Da waren die anderen Helfer noch nicht mitgerechnet: Entrümpler, Bauunternehmer, Möbeltransporter.

Nachdem die Helfer entschieden hatten, die Suche zu beenden, versiegelten sie das Wohnhaus für die nächsten acht Wochen. Klebebänder wurden ausgelegt, auf denen die Schlange vielleicht doch noch hängen bleibt. Für die anderen beiden Mietparteien bedeutet der Verschluss, dass sie sich für rund zwei Monate Ausweichquartiere suchen müssen - zunächst auf Kosten der Stadt. Ob der 19-Jährige die Kosten für den Einsatz übernehmen muss, wird noch geprüft.

Eva Gerten, DPA DPA

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