Fischwelt Unterwassermonster im Mittelmeer


Vor der Küste Italiens tummeln sich Kugelfische, Hammerhaie und Barracudas. In Schiffsbäuchen sind sie aus tropischen Gewässern dorthin gelangt. Und fühlen sich pudelwohl, denn das Mittelmeer wird immer wärmer.

Taucher vor Sizilien oder im Golf von Ligurien reiben sich die Augen: Wo früher lediglich Schwärme von Doraden, Sardinen und Tunfischen das Meer bevölkerten, bahnen sich jetzt auch "Unterwassermonster" wie Hammerhaie, schwarze Marline und Kugelfische ihren Weg durch die Tiefen. "Wir wissen schon seit rund zehn Jahren von diesem Phänomen", sagt Franco Andaloro vom italienischen Meeresforschungsinstitut ICRAM. "Grund für die Ausbreitung der Exoten in den heimischen Gewässern sind die steigenden Wassertemperaturen des Mittelmeeres, die auch für die Giftalgen vor den Küsten verantwortlich sind", erklärt er.

Wie in einem tropischen Aquarium

Die meisten dieser "fremden" Fische seien wahrscheinlich in den Wasserballastbehältern von Schiffen aus dem Pazifik und der Karibik nach Italien gelangt, "und hier haben sie dann einen perfekten Lebensraum vorgefunden", sagte ICRAM-Geologe Sergio Silenzi der DPA. Jedoch trage nicht nur die Klimaveränderung die Verantwortung für die sprunghafte Vermehrung der tropischen Neuankömmlinge: "Wir überfischen unsere Meere und schwächen damit heimische Arten. Dies begünstigt natürlich die Verbreitung von eingewanderten Spezies", betonen die Experten.

Ob Schweinedrückerfische aus der Karibik, schwarz-gelb gestreifte Riffbarsche aus dem Indopazifik, Große Barracudas aus dem Roten Meer, tropische Riesenkrebse oder Zackenbarsche aus der Andamanensee: Unterwasserfreunden im Golf von Messina, bei Triest oder Neapel kommt es manchmal so vor, als seien sie in ein tropisches Aquarium gestiegen.

Weißer Hai gesichtet

Selbst Steven Spielbergs Kultstreifen "Der Weiße Hai" mag manchem ins Gedächtnis kommen: Erst vor wenigen Wochen haben Biologen vor den Pelagischen Inseln im Süden Italiens ein Jungtier der Art Carcharodon carcharias gesichtet. Bei einer Kontrollfahrt entdeckten die Forscher ein 1,50 Meter langes Exemplar. Zuvor war nur einziges Mal ein Weißer Hai im Mittelmeer gesichtet worden - und zwar in der Nähe der Insel Pantelleria. Wahrscheinlich gebe es im Umkreis der Pelagischen Inseln Lampedusa, Linosa und Lampione ein Gebiet, in dem sich die berüchtigten Tiere vermehren könnten, hieß es. Auch Tiger- und Hammerhaie wurden bereits in Italien gefangen.

Die Ausbreitung der Exoten sei nicht unbedingt ein negatives Phänomen, meint Silenzi unterdessen. "Auf lange Sicht besteht jedoch die Gefahr, dass viele unserer Arten aus dem Mittelmeer verdrängt werden." Die tropischen Fische seien einfach widerstandsfähiger: "Ein Artenschwund könnte die Folge sein", erklärt Silenzi. Und nach Meinung der meisten Wissenschaftler ist ein Ende der klimatischen Veränderung nicht abzusehen: Wenn die Meerestemperaturen zwischen Genua und Palermo weiter steigen, könnte das für Doraden und Sardinen irgendwann das Ende bedeuten.

Carola Frentzen/DPA DPA

Mehr zum Thema


Wissenscommunity


Newsticker