Fliegen Ein gutes Gedächtnis hat seinen Preis


Nichts ist umsonst - möglicherweise hat der Mensch im Laufe der Evolution für seine Intelligenz andere Nachteile inkauf nehmen müssen. Diese Annahme hegen Forscher aufgrund von neuen Experimenten an Fliegen.

Forscher der Universität von Freiburg in der Schweiz haben herausgefunden, dass Fliegen mit Erinnerungen stressanfälliger sind und rascher sterben. Sie gehen davon aus, dass der Mensch während der Evolution für seine Intelligenz Einbußen in anderen Bereichen hinnehmen musste.

Die beiden Biologen führten mit mehreren hundert Taufliegen Lernexperimente durch, wie die Universität am Dienstag zu einer im Wissenschaftsmagazin "Science" veröffentlichten Studie schrieb. Dabei trainierten sie die Fliegen, einen bestimmten Geruch mit einem mechanischen Schock in Verbindung zu bringen.

Energieverbrauch für Langeziterinnerungen ist hoch

Einige Fliegen erlernten diesen Zusammenhang zwischen Geruch und Gefahr in einer einzigen langen Sitzung, andere Tiere in mehreren kurzen Lektionen. Im ersten Fall wird das neue Wissen im "Anästhesieresistenten Gedächtnis" gespeichert, im zweiten Fall im viel dauerhafteren Langzeitgedächtnis.

Nach dem Training setzten die Biologen die Taufliegen mit Nahrungs- und Wasserentzug unter Stress. Hatten sich die Tiere weniger stabile Erinnerungen zugelegt, hielten Sie diese extremen Bedingungen im Durchschnitt 21 Stunden lang aus. Jene, die Nährstoffe und Energie für die Speicherung von Langzeiterinnerungen aufgewendet hatten, starben dagegen nach 17 Stunden. Offenbar sei der Energieverbrauch für das Anlegen von Langzeiterinnerungen so hoch, dass er die Insekten für Wasser- und Nahrungsmangel anfälliger mache, folgerten die beiden Forscher.

Nahrungs- und Wassermangel seien unter natürlichen Bedingungen keine Seltenheit für Taufliegen. Die neuen Resultate ließen deshalb vermuten, dass das energetisch kostspielige Langzeitgedächtnis nicht nur Nutzen bringt, sondern auch mit ökologisch bedeutsamen Kosten einhergeht. Die Studie werfe die Frage auf, ob auch der Mensch während der Evolution für seine Intelligenz Einbußen in anderen Bereichen hinnehmen musste. Der Freiburger Biologe Tadeusz Kawecki hält dies für wahrscheinlich.

AP


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