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Kalifornien bebt: Der nächste Tsunami kommt bestimmt

Innerhalb von nicht einmal einer Woche bebte die Erde in Kalifornien viermal. Mal wieder werden die Bewohner an Karfreitag im Jahr 1964 erinnert, als der schlimmste Tsunami in der Geschichte der USA über sie hineinbrach.

Von Karsten Lemm

Auch diesmal blieb der Schrecken ohne Folgen: Innerhalb von nur fünf Tagen ist Kalifornien vier Mal von einem Erdbeben erschüttert worden. Zuletzt wackelte der Grund am Donnerstagabend mit einer Stärke von 6,4. Wie schon beim Beben der Stärke 4,9, das nur Stunden zuvor in Südkalifornien zu spüren war, gab es keine Schäden und keine Verletzten.

Erst am Dienstag bebte die See, gemessen wurde der Wert 7,0 auf der Richterskala, die Behörden gaben vorsorglich Tsunami-Alarm - bald gefolgt von der Entwarnung. Eine Riesenwelle von der Art, wie sie im Dezember weite Teile Asiens verwüstete, blieb den Amerikanern erspart. Glück gehabt, denn Crescent City - der kleine Ort in Nordkalifornien, vor dem das Zentrum des Bebens lag - kennt die zerstörerische Kraft der Killerwellen nur zu gut.

Am 27. März 1964, es war Karfreitag, brach über Crescent City der größte Tsunami in der Geschichte der USA herein. Fast acht Meter hoch türmten die sich Wasserwände, und die See riss alles mit, was sich ihr in den Weg stellte - spülte Autos fort, riss Wände ein, nahm Menschen das Leben: 13 der 3000 Einwohner des Küstenstädtchens, das an Oregon grenzt, starben in den Fluten.

Dass es nicht mehr waren, erklärt Dennis Powers, Autor des Buches "The Raging Sea", das die Geschichte der Jahrhundertflut erzählt, mit dem Timing: "Die Zahl der Opfer blieb relativ niedrig, weil sich der Tsunami am späten Abend ereignete, als die Menschen zu Hause waren und nicht in der Stadt", sagt Powers, Professor an der Southern Oregon University. Doch an der Gewalt der Wellen und dem Schrecken, den sie verbreiteten, änderte das nichts. Ohne Warnung brach das Unheil über die Einwohner von Crescent City herein - der Tsunami kam in vier Wellen, und die letzte, um 1.45 Uhr in der Früh, war die gewaltigste.

Auslöser des Unheils war ein Erdbeben der Stärke 9,0 in Alaska. Bis das Meer tausende Meilen südlich in Kalifornien zuschlug, vergingen Stunden. Dass es ausgerechnet Crescent City traf, war eine simple Frage der Geographie: Die Stadt, sagt Powers, "lag genau auf der Wirkungslinie des Bebens in Alaska". Der Schaden, der damals fünf Millionen Dollar betrug, läge heute wohl wesentlich höher - genau wie die Zahl der Todesopfer, die bei einem vergleichbaren Tsunami zu befürchten wären. Denn Crescent City hat heute über 7000 Einwohner, mehr als doppelt so viele wie 1964.

Dass irgendwann

die nächste Killerwelle die Westküste der USA heimsuchen wird, daran hat Powers keinen Zweifel: "Das ist nur eine Frage der Zeit", sagt er - die Erdplatten, die im Pazifik gegeneinander reiben, direkt vor der Küste, geben keine Ruhe. Als sie sich diesmal verhakten, nur um sich dann am Dienstag mit einem mächtigen Ruck zu lösen, gab es nur deshalb keinen Tsunami, "weil sich die Platten seitlich aneinander vorbeischoben, nicht übereinander", sagt Powers. Obendrein war das Beben mit Stärke 7,0 "ein eher schwaches im Vergleich zu solchen, die typischerweise Tsunamis auslösen." Glück gehabt eben.

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