Klimaschutz Bye, bye, Stand-By!


Weg mit dem Stand-By-Modus! Um Energie zu sparen, fordert Renate Künast, in Deutschland den Bereitschaftsmodus an Elektrogeräten abzuschaffen. Die Branche reagiert verhalten auf Pläne der Grünen-Politikerin.

In der Klimaschutz-Debatte hat die Grünen-Politikerin Renate Künast ein Verbot des Bereitschaftsmodus von Elektrogeräten vorgeschlagen. Die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag erklärte, damit lasse sich eine Energiemenge einsparen, die der Leistung von zwei Kernkraftwerken entspreche. Während eine Studie des Fraunhofer-Instituts ISI die Forderung plausibel erscheinen lässt, sprach die Elektrotechnikindustrie von einer "pauschalen und undifferenzierten" Anregung.

Dem "Mannheimer Morgen" sagte Künast, mit der Abschaffung der so genannten Stand-by-Schaltungen könne eine Menge Energie gespart und damit der Ausstoß des Treibhausgases Kohlendioxid verringert werden. Der für den Verbraucher nützliche Nebeneffekt sei eine spürbar niedrigere Stromrechnung. Denkbar sei, einen konkreten Stichtag festzulegen, ab dem Geräte wie Fernseher, Radios oder Videorekorder mit Bereitschaftsschaltung nicht mehr verkauft werden dürfen.

Technisch sei das einfach machbar. Zur Begründung sagte die Grünen-Politikerin, der Stand-by-Modus "frisst ohne Sinne und Verstand Strom", auch wenn man sich gar nicht im Haus befinde. "Wenn wir alle Stand-by-Schalter in Deutschland abschaffen, können wir auf den Strom von zwei Kernkraftwerken verzichten", sagte Künast. Das Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung in Karlsruhe (ISI) bestätigte, dass allein im Jahr 2004 elektrische Geräte in deutschen Haushalten und Büros im Stand-by-Zustand 18 Milliarden Kilowattstunden Strom verbraucht haben. Das entspricht von der Leistung her zwei durchschnittlichen Atomreaktoren und damit laut ISI der gesamten Stromerzeugung durch Windkraft in Deutschland.

Drei Milliarden Kilowattstunden Strom sparen

"Eine Set-Top-Box beispielsweise, die künftig in jedem Haushalt stehen wird, der Digital-Fernsehen empfangen will, verbraucht im Stand-by-Modus tagaus tagein acht Watt", sagt Barbara Schlomann von ISI. Aufs Jahr umgerechnet summiere sich das zu rund 54 Kilowatt. Und bei knapp 60 Millionen Fernsehern würden daraus über drei Milliarden Kilowattstunden. Nach Einschätzung der Fraunhofer-Forscher wird sich an den enormen Verlusten aus dem Stand-by-Betrieb ohne einschneidende Maßnahmen bis 2015 wenig ändern: Zwar habe es bei einigen Geräten wie PC oder Fernsehen in den letzten Jahren technische Verbesserungen der Hersteller gegeben, doch gleiche die Zunahme bei den Gerätezahlen diese Einsparungen nahezu aus.

Laut ISI verbrauchten Geräte sogar im so genannten Schein-aus-Modus immer noch etwas Strom. Allerdings sei auch das Einsparpotenzial in Höhe von rund neun Milliarden Kilowattstunden immens, wenn die jeweils besten Technologien eingesetzt würden, heißt es bei ISI. Das Institut schlägt deshalb eine Klassifizierung der Geräte nach Energieeffizienz vor.

Geräte erzwingen Stand-by-Modus

Auf die Möglichkeit, sparsamere Schlummerschaltungen herzustellen, verweist auch die Deutsche Energie-Agentur (DENA). Sie macht aber wie auch der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (BITCOM) darauf aufmerksam, dass Geräte häufig für Zwecke konstruiert sind, die den Stand-by-Modus geradezu erzwingen: Anrufbeantworter, Aufnahmegeräte, Computer, Modems, Faxgeräte oder Drucker.

DENA-Chef Stephan Kohler sagte der AP, im Ziel sei er sich mit der früheren Verbraucherschutzministerin einig, aber nicht über den Weg: "Ich halte ein Verbot nicht für sinnvoll." "Die Frage ist vor allem, ob das der Verbraucher mitmacht", heißt es beim Zentralverband Elektrotechnik und Elektronikindustrie (ZVEI) in Frankfurt am Main. Im übrigen habe die Industrie den Stand-by-Verbrauch ihrer Geräte in den letzten Jahren dramatisch verringert, und es gebe noch immer erhebliches Verbesserungspotenzial.

Anselm Bengeser/AP AP

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