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Ölpest im Golf von Mexiko: US-Justiz ermittelt gegen BP

Die USA wollen BP jetzt vor Gericht an den Kragen: Die Regierung habe wegen der Ölpest strafrechtliche Ermittlungen gegen den Konzern eingeleitet, teilte Justizminister Holder mit. Angesichts des erfolglosen Kampfes gegen das Öl suchen die Behörden nun sogar Rat in Hollywood.

Die US-Regierung leitet zivil- und strafrechtliche Ermittlungen gegen den Energiekonzern BP wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko ein. Die Regierung habe mit entsprechenden Ermittlungen begonnen, zu denen sie per Gesetz verpflichtet sei, teilte US-Justizminister Eric Holder am Dienstag nach einem Treffen mit den zuständigen Staatsanwälten mit. Bundesbehörden wie das FBI nähmen an der Untersuchung teil.

"Unsere Umweltgesetze sind sehr eindeutig", sagte Holder. Die Staatsanwälte hätten eine "ausreichende Basis", um eine strafrechtliche Ermittlung einzuleiten. Die USA wollten dabei äußerst akribisch vorgehen. "Wir werden nicht eher ruhen, bis wir Gerechtigkeit haben." Auch Präsident Barack Obama drohte mit juristischen Konsequenzen: "Wenn unsere Gesetze gebrochen wurden und dies zu Tod und Zerstörung führt, dann verspreche ich, dass wir die Verantwortlichen vor Gericht bringen."

Auch anderen Firmen droht ein Verfahren

Experten zufolge waren die strafrechtlichen Ermittlungen gegen BP nur noch eine Frage der Zeit. Dabei könnte es nicht nur dem Ölkonzern an den Kragen gehen, sondern auch anderen beteiligten Firmen. So betrieb Transocean die Bohrplattform "Deepwater Horizon", deren Explosion die Katastrophe vor einigen Wochen ausgelöst hatte. Halliburton war für Zementarbeiten an dem Bohrloch verantwortlich. Cameron International lieferte die Vorrichtung, die ein unkontrolliertes Austreten von Öl und Gas eigentlich hätte verhindern sollen.

Möglicherweise kommen auf BP viele Milliarden Dollar Kosten zur Zahlung von Schadenersatz wegen der Ölpest zu. Schon aktuell summieren sich die Kosten für den Konzern auf knapp eine Milliarde Dollar. Angesichts dieser Entwicklung gerät BP auch an den Börsen erheblich unter Druck. BP-Aktien fielen in London am Dienstag zum Teil bis zu 15 Prozent, der Unternehmenswert sank zeitweise um 18 Milliarden Euro.

BP startet riskanten Versuch, das Öl zu stoppen

Nach US-Medienberichten erreichte die Ölpest jetzt erstmals auch die Bundesstaaten Mississippi und Alabama. Dort seien erste Teerklumpen an Land gespült worden, hieß es. Bisher war die Katastrophe auf die Küste Louisianas beschränkt.

BP unternimmt derweil einen neuen Anlauf, die Ölpest in den Griff zu bekommen. BP-Ingenieure hätten am Dienstag mit dem Absägen des defekten Steigrohres in 1500 Metern Tiefe begonnen, teilte der Einsatzleiter der US-Regierung, Thad Allen, mit. Anschließend soll ein Auffangbehälter über der Öffnung platziert und das Öl auf ein Schiff abgeleitet werden. Alle Arbeiten werden von Robotern durchgeführt.

Ob die Aktion zum Erfolg führt, könne man erst in einigen Tagen sehen. Ohnehin ist das Vorgehen nicht ohne Risiko: Nach dem Absägen des Steigrohres droht zeitweise wesentlich mehr Öl als bisher in den Golf von Mexiko zu fließen. Experten warnen, die auslaufende Menge könnte zeitweise um 20 Prozent zunehmen. Selbst BP geht davon aus, dass mit dieser Methode nicht alles ausströmende Öl aufgefangen werden kann.

Starregisseur James Cameron soll helfen

Angesichts des bisher erfolglosen Kampfes gegen die Ölpest suchen die US-Behörden nun sogar Rat in Hollywood. Vertreter der Umweltschutzbehörde, der Küstenwache und des Energieministeriums trafen sich am Dienstag mit einer Gruppe von mehr als 20 Wissenschaftlern, Ingenieuren und anderen Experten, zu denen auch Filmemacher James Cameron gehörte. Der Regisseur von "Avatar" und "Titanic" gilt als Fachmann für Unterwasserfilme und ferngesteuerte Unterseeboote. Die Bundesbehörden erhoffen sich von ihm neue Ideen, um die Lecks in der Tiefe endlich zu schließen.

Sechs Wochen nach dem Unfall der Bohrinsel "Deepwater Horizon" bemüht sich die US-Regierung zudem um ausländische Hilfe. Man denke dabei an Unterstützung aus Ländern wie die Niederlande, Kanada und Mexiko, sagte Allen. Es gehe um Hilfen, wie das Ölleck in der jetzt beginnenden Hurrikansaison geschlossen werden kann. Seit dem Sinken der Bohrinsel strömen jeden Tag hunderttausende Liter Öl ins Meer.

DPA/Reuters / DPA / Reuters