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Patente auf Nahrungsmittel: Erbitterter Kampf um den Brokkoli

Weltweit forschen Konzerne an neuen Pflanzensorten. Im Hintergrund tobt ein Verteilungskampf: Es gibt immer mehr Patente, Kritiker befürchten einen Ausverkauf der Gene.

Von Kristin Hüttmann, Gent

Die Sonne scheint von Januar bis Dezember, jeden Tag, von 6 bis 22 Uhr, die Unwetterwahrscheinlichkeit beträgt null Prozent. Perfekte Bedingungen also, um Pflanzen zu züchten. In weißen Stahlregalreihen recken sich Tausende grüne Stängel aus kleinen Schälchen mit durchsichtigem Nährboden. Hier wird nichts dem Zufall überlassen - im gleißend hellen Licht der Wachstumskammern im belgischen Gent wächst die Zukunft des Bayer-Konzerns - und die der Menschheit: genmanipulierte Pflanzen.

Michael Metzlaff, 56, grauer Vollbart, führt durch die Labore des Genter Innovationszentrums. Der Molekularbiologe und sein Team tüfteln hier am Erbgut, entwickeln neue Pflanzensorten, die widerstandfähiger gegen Hitze und Trockenheit sind und die - ausgestattet mit einem schicken Markennamen - eines Tages mehr Körner hervorbringen als ihre natürlichen Verwandten.

Im Labor designtes Leben

Sie erschaffen neues Leben, designt im Labor. Darauf ist Metzlaff stolz: "In die neuen Sorten sind Technologien eingebaut, die riesige Investitionen verschlungen haben", sagt er. Weltweit forschen Agrar-, Chemie- und Saatgutkonzerne an neuen Pflanzensorten. Mit neuen Techniken wollen sie den Ertrag von Reis, Weizen, Soja oder Baumwolle steigern - und auch ihre Umsätze. Auf immer mehr Pflanzen melden sie Patente an, sodass Kritiker bereits vor einem "Ausverkauf der Gene" warnen. Im Hintergrund tobt ein Verteilungskampf um die Eigentumsrechte am Leben - und damit um die Dominanz über ganze Märkte.

Inzwischen versuchen einzelne Akteure sogar, ganze Wertschöpfungsketten zu beherrschen, vom Korn bis zum Brot, von der Futterpflanze bis zum Schnitzel, über die gesamte Kette der Lebensmittelproduktion. Eine starke Konzentration der Branche stellt eine Gefahr dar: Nach einer Analyse der Organisation ETC kontrollieren heute nur zehn Konzerne etwa zwei Drittel des globalen Saatgutmarkts, darunter der US-Agrarriese Monsanto, der Schweizer Konzern Syngenta sowie die deutschen BASF und Bayer.

Metzlaff kann diese Aufregung nicht verstehen, er sieht sich im Auftrag einer guten Sache. Mit neuen Pflanzen will er helfen, den steigenden Nahrungsbedarf in der Welt zu stillen: "Wenn wir entsprechende Technologien in der Hand haben, haben wir fast die Pflicht, sie anzuwenden." Etwa 15 Jahre dauert es in der Regel, bis aus einem Forschungsansatz ein Produkt wird, das sich vermarkten lässt. Zwischen 2003 und 2009 hat Bayer mehr als 1,5 Milliarden Euro in den Geschäftsbereich Bioscience gesteckt, zu dem auch das Genter Zentrum gehört. Von 100 Ideen setzt Metzlaff vielleicht fünf um, und nach vielen Versuchen wird daraus eines Tages vielleicht eine neue Sorte. "Für mich ist es ganz logisch, dieses geistige Eigentum oder letztendlich die Technologien, die daraus entstehen, auch patentrechtlich zu schützen", sagt er.

Kontrollversuche nicht nur bei Genpflanzen

Die Kritiker sehen das anders. Ihrer Meinung nach können Patentinhaber den Verkauf und Anbau des Saatguts kontrollieren, über den Einsatz von Spritzmitteln bestimmen - weil zu einem bestimmten Saatgut oft nur ein bestimmtes Mittel passt - und schließlich "Patentgebühren" für Agrarprodukte kassieren.

Einen derartigen Versuch startete kürzlich Monsanto. In Argentinien konnte der Konzern bisher keinen Patentschutz für den Anbau seiner gentechnisch veränderten Sojabohnen durchsetzen. Also klagte er gegen die niederländischen Importeure von argentinischem Sojaschrot. Der Europäische Gerichtshof wies die Klage Mitte Juli jedoch zurück: Der Schutz für biotechnologische Erfindungen beziehe sich nur auf das Saatprodukt, nicht auf das, was daraus gewonnen werde, heißt es in der Urteilsbegründung. Monsanto war für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Nach Recherchen von Greenpeace ist das nicht der einzige Vorstoß. Monsanto will auch das Fleisch von Schweinen, die mit seinen gentechnisch veränderten Futterpflanzen gefüttert wurden, als Erfindung für sich beanspruchen. "Es ist einfach faszinierend zu sehen, wie systematisch Unternehmen versuchen, in diese Wertschöpfungskette reinzukommen", sagt Christoph Then, Gentechnikexperte und Koordinator der Initiative Scouting Biotechnology, eines Netzwerks für die Beratung und Projektbegleitung im Bereich Biotechnologie. Eine Schreckensvorstellung, die für ihn schon bald Realität zu werden droht: Patentschutz vom Saatgut über Futterpflanze und Tier bis hin zu Würstchen und Braten.

Eigenleistung ist zweifelhaft

Diese Kontrollversuche beschränken sich nicht nur auf gentechnisch veränderte Pflanzen. "Die Patente auf konventionelle Züchtungen nehmen zu", warnt Then. Also auf Pflanzen, die mit herkömmlichen Techniken gezüchtet wurden. Laut Europäischem Patentabkommen heißt es zwar, dass Patente für Pflanzensorten oder Tierrassen wie Blumenkohl oder Schwein nicht erteilt werden. Aber die erfinderische Eigenleistung mancher erteilter Patente ist durchaus zweifelhaft. "In letzter Zeit werden aufgrund neuer Verfahren zunehmend Patente auch für natürliche genetische Eigenschaften beantragt und erteilt", sagt Petra Jorasch, Referentin für Patentrecht beim Bundesverband Deutscher Pflanzenzüchter (BDP). "Diese Entwicklung droht den Züchtungsfortschritt zu verlangsamen, die genetische Vielfalt zu verengen und Abhängigkeiten von Lizenzgebern zu erhöhen."

Ein prominentes Beispiel ist das Brokkoli-Patent: Das Europäische Patentamt (EPA) in München hat ein Verfahren des britischen Unternehmens Plant Bioscience patentiert, mit dem der Anteil von Glucosinolat in Broccoli erhöht werden kann, das vorbeugend gegen Krebs wirken soll. Das Patent schützt das Verfahren, mit dem der Brokkoli gezüchtet wurde, aber auch die Samen und die fertigen Pflanzen.

Bei dem Verfahren ermitteln die Züchter die dafür verantwortlichen Gene im Brokkoli-Erbgut und kennzeichnen sie mit genetischen Markern. Anschließend wählen sie die entsprechenden Brokkoli-Pflanzen anhand der Markergene aus und setzen sie in der Pflanzenzucht ein. Obwohl dieses Verfahren konventionelle Züchtungsschritte enthält, hat das EPA die markergestützte Selektion als technisches und damit patentierfähiges Verfahren betrachtet. Gegen das Patent legte jedoch der Schweizer Konzern Syngenta Einspruch ein. Heute findet hierzu vor der Beschwerdekammer des EPA eine Anhörung statt. Seinen Patentanspruch rechtfertigt Plant Bioscience mit der Technik, mit der es die verantwortlichen Gene aus dem Erbgut gefischt hat. Eine solche konventionelle Technik beherrsche heute jeder bessere Laborant, unken Kritiker.

Ergebinis im Oktober erwartet

"Alle Gesetzesparagrafen müssen immer irgendwie ausgelegt werden", sagt dazu Siobhan Yeats, Patentprüferin im Pflanzenbereich des EPA. "Wer damit Probleme hat, muss sich an den Gesetzgeber wenden." Mit einem schnellen Ergebnis rechnen jedoch weder EPA noch die Kritiker. "Wahrscheinlich werden sie erst Ende des Jahres zu einer Entscheidung kommen", sagt Yeats. Wie diese aussehen könnte, weiß sie nicht. "Keine Ahnung - die Leute von der großen Beschwerdekammer sprechen nicht mit uns. Die sind absolut unabhängig."

Beobachter sehen in der Entscheidung einen Präzedenzfall. Schon jetzt gibt es Dutzende ähnliche Patente, von Salat über Schweinefleisch bis zu Milchkühen. Gentechnikexperte Then macht dafür die Patentrichtlinie verantwortlich: "Sie ist so schwammig formuliert, dass das Patentamt sie auslegen kann, wie es will", sagt er. Nach Auffassung des Bundesverbands Deutscher Pflanzenzüchter ist eine Änderung der europäischen Biopatentrichtlinie notwendig, um ein ausgewogenes Schutzrechtsystem in der Pflanzenzüchtung zu gewährleisten.

Bei Bayer möchte man sich nicht zu dem laufenden Verfahren äußern. Die Anwälte aus der Patentabteilung können nicht von derartigen Grenzfällen im eigenen Haus berichten. Auch wenn die Bayer-Forscher gleichfalls auf konventionelle Züchtung setzen. "Wir arbeiten mit allen Technologien, die zur Verfügung stehen", sagt Metzlaff, "sonst kann man kein neues Saatgut entwickeln". Dafür braucht es die herkömmliche Züchtung und das ursprüngliche Saatgut. "Der Schatz im Keller der Züchter ist das Keimplasma", sagt Metzlaff. Das ist das Ursprungssaatgut, aus dem sich alle anderen Sorten züchten lassen. "Daher sind Saatgutunternehmen für uns sehr interessant", sagt Metzlaff.

Die großen Konzerne versuchen, mit Übernahmen und Zukäufen ihre Marktposition abzusichern. Auch Bayer Bioscience will wachsen und seinen Umsatz von 503 Millionen Euro auf 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2018 steigern. Mit den vier traditionellen Hauptprodukten Reis, Raps, Baumwolle und Gemüse lässt sich allerdings nur ein Teil des Marktes bestücken. Daher will Bayer neue Sorten ins Sortiment aufnehmen, vor allem Weizen und Sojabohnen. Mehr Kulturen, mehr Patente, mehr Marktchancen.

Die neue Forschung braucht auch mehr Platz. Ein großes, modernes Gewächshaus ist bezugsfertig - direkt neben dem Genter Innovationszentrum. Im unteren Stockwerk werden die Wissenschaftler in den Laboren tüfteln, über ihren Köpfen neue Pflanzen unter dem Glasdach wachsen. Zumindest nach oben hat man hier eine schöne Aussicht.

FTD
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.
Oldtimer gekauft - bei Instandsetzung Unfallschäden entdeckt
Hallo, ich habe mir vor ein paar Wochen einen amerikanischen Oldtimer gekauft - ein Import aus den Staaten, bekam hier eine Vollabnahme und H-Gutachten. Aufgrund der Entfernung konnte ich den Wagen jedoch lediglich auf Fotomaterial besichtigen und auf den Fotos sah er aber sehr gut aus - hatte wenig Laufleistung und wurde auch beim Gespräch mit dem Verkäufer am Telefon mit einem guten Zustand beworben. Nach der Lieferung fielen mir dann sofort 2 Roststellen auf, wo ich mir noch sagte "Hey - das Auto ist 40 Jahre alt - darf es haben, also reparierst du es einfach". Bei der Reparatur stellen sich dann jedoch weitere Roststellen heraus, die sogar zur Demontage der Innenverkleidungen, Kotflügel und Windschutzscheibe führten. Aber Ok - altes Auto. Der Wagen ging daraufhin zum Lackierer und wurde dort weiter behandelt. Dabei kamen dann weitere Mängel zum Vorschein: Die Beifahrertüre wurde bereits im unteren Bereich dick mit Spachtel überzogen - die Unterkante wurde ausgetauscht und von innen nicht versiegelt - das Blech rostete durch. Jedoch war das gesamte untere Türdrittel komplett verbeult - dazu braucht es schon einen recht großen Hammer. Ca. 8mm dicke Spachtelbrocken musste ich abschlagen. An einer Stelle wurde das Blech der Seitenwand bereits ausgetauscht. Durch die schlechte Arbeit waren Blechteile vollständig durchrostet. Auf der anderen Seitenwand hatte der Wagen einen weiteren Treffer kassiert - das Blech war eingedrückt und wurde mit massig Spachtel übergetüncht. Von außen nur anhand sehr schlechtem Lackbildes zu sehen und von innen sind deutlich Schweißpunkte vom Blechzughammer erkennbar. Auch die Seitenscheiben waren stümperhaft montiert. Diese wurden nicht mit Scheibenkleber, sondern einer kaugummiartigen Substanz montiert und fielen bei der Demontage der Zierleisten dem Lackierer bereits entgegen. Laut Verkäufer wurden die Seitenwände zwar überlackiert (was man auch sehen konnte), ein Grund wurde jedoch nicht genannt - angeblich schlechter Lack oder Kratzer. Nun meine Frage: Im Kaufvertrag ist der Wagen wie folgt beschrieben: "Keine Unfallschäden laut Vorbesitzer" "Dem Verkäufer sind auf andere Weise keine Unfallschäden bekannt" Weitere Regelungen gibt es im Kaufvertrag nicht. Durch die Beseitigung der Durchrostungen an den unfachmännisch ausgeführten Blech- und Spachtelarbeiten ist der Preis für die Lackierung deutlich gestiegen. Kann man beim Verkäufer hierfür mitunter Schadensersatz geltend machen? Gekauft wurde das Fahrzeug Mitte Dezember 2018, geliefert in der 2ten KW im Januar. Danke im Voraus für eure Antworten.