Umwelt Ölfluten ohne Ende

Die Ölfluten an der spanischen Atlantikküste nehmen auch sechs Wochen nach der Havarie des Tankers «Prestige» kein Ende. Das «Prestige»-Wrack ist löchriger als bisher angenommen.

Während ein kräftiger Südwind den Küstenbewohnern über Weihnachten eine Atempause verschaffte und die größten Ölteppiche in Richtung Frankreich trieb, machte sich in den Fischerorten in Galicien im Nordwesten Spaniens bereits Angst vor einer neuen Ölpest breit.

Löchriger als angenommen

Das 3.600 Meter tief auf dem Meeresgrund liegende Tankerwrack ist nämlich nach einem Bericht der Zeitung «La Voz de Galicia» viel löchriger als bisher angenommen. Der Rumpf der «Prestige» weise 26 undichte Stellen auf, durch die pro Tag 150 Tonnen Öl in den Atlantik strömten, berichtete das Blatt am Donnerstag unter Berufung auf das Hydrographische Institut im benachbarten Portugal. An der Stelle, an der der Tanker am 19. November gesunken war, bildete sich nach diesen Angaben auf dem Meer ein neuer Teppich von 4.000 Tonnen Öl, der auf die spanische Küste zutreibt.

Vierte Ölpest für Galicien

In Galicien drohte damit die vierte Ölpest seit Beginn der Katastrophe. Diese Angaben widersprachen den Informationen der spanischen Regierung. Vizeregierungschef Mariano Rajoy hatte mitgeteilt, die «Prestige» verliere «erheblich weniger Öl», allerdings keine Zahlen genannt. Madrid hatte bisher von 14 Lecks gesprochen, durch die maximal 125 Tonnen Öl am Tag austräten. In dem Wrack befinden sich noch bis zu 50.000 Tonnen Schweröl.

Frankreich bleibt gelassener

In Frankreich herrschte derweil eine gewisse Gelassenheit. Trotz der heranrückenden Ölteppiche war für die nächste Zeit nicht zu befürchten, dass «Prestige»-Öl an die Strände der französischen Westküste schwappen könnte. Die Ölflecken waren etwa 400 Kilometer vom Festland entfernt. Sie trieben nach Angaben der Schifffahrtsbehörden in Brest mit einer Geschwindigkeit von 1,2 Kilometern in der Stunde in nordöstlicher Richtung und waren am Mittwoch noch außerhalb der französischen 200-Meilen-Zone.

König forderte besseren Umweltschutz

Spaniens König Juan Carlos rief auf Grund des Tankerunglücks zu einem besseren Schutz der Umwelt auf. «Die Umwelt ist ein einzigartiges Erbe, für das es keinen Ersatz gibt», sagte der Monarch in seiner Weihnachtsansprache. Die Umweltschützer begrüßten den Aufruf. Sie bemängelten aber, dass die Bedeutung der Umwelt erst dann anerkannt werde, wenn sich Katastrophen ereignet hätten.

Schlechtes Wetter behindert Arbeiten

Das französische Spezial-U-Boot «Nautile» musste die Arbeiten zum Schließen der undichten Stellen am Tankerwrack wegen schlechten Wetters unterbrechen. Das Mini-U-Boot schloss bislang fünf Lecks mit Metallplatten. Davon hielten aber nur zwei Dichtungen vollständig. Die Operation gilt ohnehin nur als ein Provisorium. Experten prüfen, ob das Öl aus dem Wrack abgepumpt oder ob die «Prestige» zubetoniert werden kann.

Igleasias spendet Lied

Der spanische Schlagersänger Julio Iglesias kündigte an, die Autorenrechte für sein Erfolgslied «Un canto a Galicia» den Opfern der «Prestige»-Katastrophe zu vermachen. Das Lied, das in deutscher Version «Wenn ein Schiff vorüberfährt» heißt, beschreibt die Schönheit der galicischen Landschaft. Er werde die Autorenrechte den Organisationen übertragen, die unter der Ölpest zu leiden hätten und dagegen ankämpften, sagte der Schlagerstar.


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