Vogelgrippe Kontrollen sollen das Virus aufhalten


Mit scharfen Kontrollen versuchen Behörden, das tödliche Vogelgrippe-Virus H5N1 aus Deutschland fernzuhalten. Auch die Wiedereinführung der Stallpflicht wird diskutiert.

Nach der Ausweitung der Vogelgrippe in der Türkei sind in in Deutschland verschärfte Sicherheitsmaßnahmen ergriffen worden. Hessische Gesundheitsbehörden kontrollierten laut Umweltministerium mehrere Busse. 200 Kilogramm Risiko-Lebensmittel wie Geflügelfleisch oder Eier wurden sichergestellt. Das Agrarministerium in Niedersachsen wies die Sicherheitsbehörden an, Flüge aus der Türkei stärker zu überprüfen. Auch Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Mecklenburg-Vorpommern setzen auf mehr Kontrollen.

Der Deutsche Bauernverband forderte noch strengere Sicherheitsmaßnahmen. "Bei Reisenden aus der Türkei und importierten Waren muss ganz genau hingeschaut werden", sagte Bauernpräsident Gerd Sonnleitner der in Hannover erscheinenden "Neuen Presse". Die Bundesländer müssten ihre Anstrengungen zur Abwehr der Vogelgrippe verstärken, meinte Sonnleitner.

In der EU gilt bereits ein Einfuhrverbot für Geflügel und Geflügelprodukte aus der Türkei und anderen betroffenen Ländern. Außerdem soll vom heutigen Dienstag an das Importverbot für Geflügelprodukte aus den östlichen Nachbarländern der Türkei auch auf Federn ausgedehnt werden. Wer gegen das Importverbot verstößt, muss mit Bußgeldern von bis zu 25.000 Euro rechnen.

Neue Fälle in der Türkei und in China

In der Türkei hatte sich die Zahl der Vogelgrippefälle bei Menschen nach Behördenangaben bis Montag auf 15 erhöht. Die Tierseuche hat inzwischen auch den europäischen Teil des Landes erreicht, bei Istanbul wurden infizierte Hühner gemeldet. Bei den neu erkrankten Patienten handelt es sich um zwei Brüder im Alter von vier und fünf Jahren, einen Zwölfjährigen und einen weiteren Fünfjährigen aus dem Schwarzmeergebiet nordöstlich der Hauptstadt Ankara. Außerdem hat sich ein 18-Jähriger aus der osttürkischen Stadt Van infiziert, wo in der vergangenen Woche bereits drei Geschwister aus Dogubeyazit gestorben waren. Bei zwei von ihnen hatten Labortests den gefährlichen Vogelgrippeerreger H5N1 als Todesursache bestätigt.

In China wurde am Dienstag ein achter Vogelgrippe-Fall bei einem Menschen betätigt. Wie das Gesundheitsministerium in Peking mitteilte, sei bei einem sechsjährigen Jungen aus der zentralchinesischen Provinz Hunan das gefährliche H5N1-Virus nachgewiesen worden. Der Zustand des Jungen sei stabil. Der Fall sei der Weltgesundheitsorganisation gemeldet worden.

Keine Übertragung von Mensch zu Mensch

Der WHO zufolge gibt es auch derzeit keine Anzeichen für eine Übertragung des Erregers von Mensch zu Mensch. "Glücklicherweise bleibt es bis jetzt ein Tiervirus, das sich leicht von Huhn zu Huhn überträgt", sagte der Leiter des WHO- Influenzaprogramms, Klaus Stöhr, im Rundfunk Berlin-Brandenburg. Allerdings lasse sich eine Infektion von Mensch zu Mensch nicht ausschließen.

Bundesregierung rät zu großer Vorsicht

Die Bundesregierung rief Urlauber zu verstärkter Vorsicht auf. Sie sollten in den betroffenen Ländern keine Geflügelmärkte besuchen und Kontakte mit Tieren vermeiden, sagte eine Sprecherin des Agrarministeriums. Das größte Risiko gehe von illegalen Transporten von Geflügel und Geflügelprodukten aus.

Kommt wieder die Stallpflicht?

Agrarminister Seehofer will am Mittwoch mit den Ländern beraten, wie vorhandene Kontrollkapazitäten stärker gebündelt werden können. "Wir werden mit den Kontrollen nicht nachlassen und mit ganzer Härte gegen die Personen vorgehen, die verbotene Produkte oder lebende Tiere einzuführen versuchen." Er kündigte zugleich an, er werde "bei der geringsten Gefahr" nicht zögern, eine erneute Stallpflicht für Geflügel anzuordnen.

Der Präsident des staatlichen Friedrich-Loeffler-Institutes, Thomas Mettenleiter, hält eine erneute Stallpflicht für Geflügel für sinnvoll. Viele Vögel zögen über den Westen der Türkei im Frühjahr zurück nach Mitteleuropa. Mettenleiter appellierte in den Dortmunder "Ruhr Nachrichten" eindringlich an Geflügelhalter, Auffälligkeiten sofort zu melden. Auf eine Seuche sei man zwar vorbereitet. Ein frühzeitiges Entdecken des Erregers entscheide aber letztendlich über den Erfolg.

DPA/AP AP DPA

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