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Amnesty International: Zahl der weltweiten Hinrichtungen geht zurück - doch die Dunkelziffer ist groß

Mindestens 690 Hinrichtungen in 20 Ländern gab es laut Amnesty International im letzten Jahr. Derart niedrige Zahlen wurden zuletzt im Jahr 2008 verzeichnet. Doch die Dunkelziffer ist groß. 

Die Todeszelle des berüchtigten Huntsville-Gefängnisses in den USA hat schon viele Hinrichtungen gesehen

25 Menschen in den USA starben im letzten Jahr durch eine Hinrichtung

DPA

Im vergangenen Jahr wurden nach Angaben von Amnesty International weltweit so wenige Hinrichtungen dokumentiert wie zuletzt vor zehn Jahren. Die Menschenrechtsorganisation verzeichnet im Jahresbericht 2018 zur Todesstrafe mindestens 690 Hinrichtungen in 20 Staaten. Im Vorjahr waren es noch 993 Exekutionen in 23 Staaten.

Allerdings gebe es eine erhebliche Dunkelziffer vor allem in China, wo auch 2018 mutmaßlich mehrere Tausend Menschen hingerichtet worden seien, heißt es in dem Bericht, der seit Mittwoch vorliegt. Vier Länder waren demnach für 78 Prozent der dokumentierten Exekutionen verantwortlich: Iran (mindestens 253), Saudi-Arabien (149), Vietnam (mindestens 85) und der Irak (mindestens 52).

Der Iran führt die Statistik vor Saudi-Arabien, Vietnam und dem Irak an. Im Iran wurden demnach mindestens 253 Menschen hingerichtet, in Saudi-Arabien 149, in Vietnam 85 und im Irak 52. Insgesamt sind die vier Staaten für 78 Prozent der Exekutionen verantwortlich. Im Iran ging die Zahl der Hinrichtungen im Vergleich zum Vorjahr zwar deutlich zurück, das Land setze aber seine völkerrechtswidrige Praxis fort, Menschen zu verurteilen und hinzurichten, auch wenn diese zum Tatzeitpunkt minderjährig waren, erklärte Amnesty. In den USA wurden 25 Menschen hingerichtet. Laut der Statistik wurden im vergangenen Jahr mindestens 2531 Todesurteile in 54 Ländern neu gefällt. Zwei Drittel aller Staaten haben Amnesty zufolge die Todesstrafe abgeschafft oder verhängen sie in der Praxis nicht mehr.     

In 142 Ländern bereits keine Hinrichtungen mehr

"142 Staaten wenden die Todesstrafe heute nicht mehr an, 1987 waren es nur 69 - das ist eine wichtige Entwicklung zu einer Welt ohne Hinrichtungen", erklärte Markus N. Beeko, Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland. Einen deutlichen Anstieg der Todesurteile um mehr als 75 Prozent verzeichnete Amnesty in Ägypten, von 402 im Jahr 2017 auf mindestens 717. In Burkina Faso wurde die Todesstrafe im vergangenen Jahr den Angaben zufolge abgeschafft. Gambia und Malaysia hätten ein Moratorium erlassen und verzichteten bis auf weiteres auf Hinrichtungen.     

Die insgesamt erhebliche Abnahme der Hinrichtungen habe im Wesentlichen zwei Ursachen: "Zum einen haben einige derjenigen Länder, die weltweit immerfort für das Gros der Hinrichtungen verantwortlich sind, wie Irak, Iran, Pakistan und Somalia die Anwendung der Todesstrafe zurückgefahren", stellt die Organisation fest. "Zum anderen verringerte sich auch die Zahl der Länder, von denen bekannt wurde, dass sie Hinrichtungen durchgeführt haben."

Abschaffung der Todesstrafe: Trend sei nicht mehr umzukehren

Es habe im Kampf gegen die Todesstrafe auch einige Rückschritte gegeben, stellt die Organisation fest. In der Mehrheit der Länder, die Menschen zum Tode verurteilen oder hinrichten, werde die Todesstrafe nach Prozessen verhängt, die nicht den internationalen Rechtsstandards für ein faires Gerichtsverfahren entsprechen. In einigen Fällen basierten Urteile sogar auf Aussagen, die durch Folter oder Misshandlung erpresst worden sein könnten - so in Ägypten, Bahrain, China, Irak, Iran und Saudi-Arabien. Trotzdem gelte: "Der Trend zur Abschaffung der Todesstrafe ist nicht mehr umzukehren. Jedes Jahr wird der Kreis derjenigen Staaten, die auf die Todesstrafe verzichten, größer."

Markus N. Beeko erklärte dazu: "Die Todesstrafe ist grausam, unmenschlich, verstößt gegen das Recht auf Leben und gegen den Geist der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte." Zwei Drittel der Staaten weltweit hätten die Todesstrafe abgeschafft oder verhängten sie nicht mehr. Der Rückgang der Exekutionen sei "eine wichtige Entwicklung zu einer Welt ohne Hinrichtungen."

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np / DPA / AFP