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USA "Let’s Go Brandon!": Das steckt hinter dem neuen Schlachtruf der Trump-Bewegung

Melania und Donald Trump bei einem Baseball Spiel
Donald Trump und Ehefrau Melania beim Besuch der World Series. Bei dem Spiel kam es immer wieder zu "Let's Go Brandon!"-Sprechchören.
© Brynn Anderson / DPA
Die amerikanische Neue Rechte versammelt sich hinter dem kryptischen Schlachtruf "Let’s Go Brandon!". Ein gleichnamiger Song springt an die Spitze der US-Charts, Fans skandieren ihn im Stadion und Donald Trump verkauft passende T-Shirts. Wofür steht der Ausruf?

Ein Jahr nach der Wahl Joe Bidens zum Präsidenten der Vereinigten Staaten klafft weiterhin ein tiefer Graben zwischen den Anhänger:innen der Demokraten und den oppositionellen Republikaner:innen. Die konservative Partei scheint sich trotz der Wahlniederlage von den alten wirtschaftsliberalen Kräften der Bush-Administration zu lösen und findet seinen Platz zunehmend im rechtspopulistischen Lager der Trump-Anhänger:innen.

Der 45. Präsident der USA versammelt weiterhin eine große Fanbasis um sich. Seit Monaten tourt er trotz Niederlage durch verschiedene Bundesstaaten und behauptet, er wäre der rechtmäßige Gewinner im letzten November gewesen. Seit einigen Wochen hört man auf Trump-Rallyes jedoch vor allem einen Schlachtruf: "Let's Go Brandon!".

Der Ausruf ist ein unfreiwilliges Synonym für die Abneigung gegenüber dem amtierenden Präsidenten Joe Biden. Bei öffentlichen Veranstaltungen und im Internet verbreitet sich der Slogan wie ein Lauffeuer. Wie ist es soweit gekommen?

Missverständnis wird zum Schlachtruf

"Let's Go Brandon!" lässt sich auf einen kuriosen Vorfall im US-Motorsport zurückführen. Als der Nascar-Fahrer Brandon Brown Anfang Oktober von einer Reporterin interviewt wird, schallt von den Rängen ein altbekannter und eher unkreativer Schlachtruf: "Fuck Joe Biden!".

Die Reporterin verhörte sich, bewusst oder unbewusst, und machte aus den Verunglimpfungen gegen den Präsidenten kurzerhand begeisterte Jubelstürme für den Rennfahrer – "Let‘s Go Brandon!". Innerhalb kürzester Zeit wurde aus dem Missverständnis das neue vorherrschende Motto der Trump-Anhänger:innen.

"Let‘s Go Brandon": Vom Internet-Meme zum Chart-Erfolg

"Let’s Go Brandon!" hat in den vergangenen Wochen eine unfassbare Entwicklung vom Internet-Meme in die Mitte der Gesellschaft durchgemacht. Nach "Pepe The Frog" und diversen weiteren Misinformationskampagnen, ist die Bewegung ein weiteres Indiz dafür, wie krude und geschickt die amerikanische Neue Rechte im Internet agiert. Millionen Tweets und Posts später, erreicht die Brandon-Welle nun auch die analoge Welt.

Bei einer amerikanischen Airline begrüßte ein Pilot seine Passagiere mit dem Spruch, Soldaten tragen T-Shirts mit dem Aufdruck bei Preisverleihungen und auf Sportveranstaltungen im amerikanischen Süden sind Plakate mit dem Aufdruck beinahe genauso häufig zu sehen, wie die Namen der Mannschaften und Spieler.

Wer den Schlachtruf nutzt, inszeniert sich nicht nur als glühende:r Anhänger:in von Donald Trump, sondern drückt auch Hass gegen politische Eliten und die Demokraten aus. So auch der Rapper Bryson Gray. Sein Song "Let’s Go Brandon!" ist gespickt mit Verschwörungstheorien gegen Joe Biden und seine Corona-Politik und hat sich in der vergangenen Woche an die Spitze der iTunes-Charts katapultiert. Auch auf den drei folgenden Plätzen haben sich Brandon-Popsongs festgesetzt – trotz der weltweiten Begeisterung über das Comeback der britischen Sängerin Adele.

Brandon-Welle erreicht Washington

Auch in Washington findet der Schlachtruf immer mehr Anhänger:innen. Im Herzstück der amerikanischen Politik zeigten sich in den letzten Wochen immer mehr Republikaner:innen auf diese Weise solidarisch mit Donald Trump.

Floridas Abgeordneter Bill Posey beendete vor kurzem eine Rede im Repräsentantenhaus, in dem er die Faust hob und "Let’s Go Brandon!" rief, Colorados Abgeordnete Lauren Boebert inszenierte sich auf Twitter zu dem Song von Bryson Gray und Trumps ehemaliger Kontrahent um die republikanische Präsidentschaftskandidatur, Ted Cruz, posierte stolz vor einem Brandon-Plakat.

Bewegung könnte Donald Trumps Rückkehr einläuten

Der Erfolg des Schlachtrufs spricht sinnbildlich für den derzeit angeschlagenen Präsidenten Joe Biden. Der 78-Jährige hat mit sinkenden Umfragewerten in der Bevölkerung zu kämpfen. Steigende Corona-Infektionen, der verheerende Afghanistan-Abzug und der wirtschaftliche Preis einer hohen Inflation und Lieferengpässen lassen viele Wähler:innen enttäuscht zurück. Aktuellen Umfrage zufolge sind nur noch 43 Prozent mit der Arbeit des Präsidenten zufrieden. Nur Trump war zu diesem Zeitpunkt der Amtszeit unbeliebter.

Eben dieser scheint sich durch das "Let’s Go Brandon!"-Movement allerdings bestätigt zu fühlen. Immer wieder begrüßt Trump Fans in seinen E-Mails mit dem Schlachtruf und verkauft T-Shirts mit passender Aufschrift für 45 Dollar das Stück in seinem Online-Shop.

Seit seiner Wahlniederlage hält sich in Washington das Gerücht hartnäckig, Trump könne bereits bei den nächsten Wahlen 2024 wieder antreten. Zwei Drittel seiner Partei wollen ihn laut einer aktuellen Umfrage der Quinnipiac University wieder ins Präsidentschaftsrennen schicken. Auch Trump selbst hegte in der Vergangenheit immer wieder öffentlich Ambitionen auf eine erneute Amtszeit.

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Die Begeisterung seiner Anhänger:innen aufrecht zu erhalten, scheint daher ein wichtiges Puzzlestück in Trumps Wahlkampagne zu sein. Die "Let‘s Go Brandon!"-Bewegung kommt dem ehemaligen Präsidenten da gerade recht. Als Donald und Melania Trump am Wochenende ein Baseball-Spiel zwischen den Atlanta Braves und den Houston Astros besuchten, brach die Menge mehrmals in "Let’s Go Brandon!"-Sprechchöre aus. Trump blickte in seiner VIP-Loge sichtlich zufrieden auf die Massen herab.

Quellen:New York Times, Five Thirty Eight, Spiegel Online, Handelsblatt, Quinnipiac University


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