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A. Petzold: #DasMemo: Sheriff Trump, ein launenhaftes Monster

Grob kann Donald Trump am besten. Auch nach dem Orlando-Massaker teilt er wild aus. stern-Stimme Andreas Petzold sagt, wie unberechenbar ein Alltag mit Trump als US-Präsident aussehen könnte.

Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt: Unberechenbarkeit als einzige Konstante.

Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt: Unberechenbarkeit als einzige Konstante.

Wenn es um Rassismus, Ausgrenzung und Beleidigungen geht, dann ist Donald Trump tatsächlich das, was er stets von sich behauptet: unschlagbar. Das beweist einmal mehr seine Rede am Dienstag im Saint Anselm College im US-Bundesstaat New Hampshire. Das Orlando-Attentat dient dabei als perfekte Vorlage, um wieder wüst gegen Muslime auszuteilen. Amerikanische Muslime hält er überwiegend für Komplizen der Terroristen, "denn sie wissen doch, was passiert". Nicht nur Muslime – alle Bürger aus terrorverdächtigen Ländern sollen künftig nicht mehr einreisen dürfen. Wie ein US-Präsident globalen Terrorismus bekämpfen will und eine halbwegs vernünftige Außenpolitik steuern will, wenn er gleichzeitig die islamischen Nationen weltweit gegen sich aufbringt, bleibt Trumps Geheimnis. Wie alle Nationalisten, ob in Frankreich, England oder Deutschland, spielt er mit der Angst vor staatlichem Kontrollverlust und setzt dem eine einfache Botschaft entgegen: Wenn ich nicht Präsident werde, versinkt Amerika im Chaos. Das muss reichen, um die vier Punkte aufzuholen, die ihn in Umfragen derzeit von Hillary Clinton trennen.

Als Konsens-gepolter Westeuropäer beobachtet man den "Make-America-great-again"-Proleten immer wieder aufs Neue irritiert, wie er unbekümmert fahrlässig seine Krawallthesen unters Volk bringt. Grob kann er am Besten. Typisch seine Behauptung nach dem Massaker von Orlando: "Wenn mehr Menschen in dem Club Waffen gehabt hätten, wäre das Ausmaß der Tragödie kleiner gewesen." Er will den Wilden Westen zurück. Sheriff Trump tritt durch die Saloon-Tür, zwei 45er am Gürtel, und jagt alle zum Teufel.

Verbirgt Donald Trump eine clevere Strategie?

Wie kann es sein, dass dieser Großkotz mit seinen clownesken Thesen ernst genommen und demnächst vermutlich zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten gekürt wird? Sind die Konsequenzen seiner Hasstiraden zu komplex für die Trumpianer? Ist es ist ihnen schlicht gleichgültig, wie sich aus dem wirren Geschwätz des Milliardärs konkrete Politik ableiten lässt?  Wenn man mit seinen Anhängern redet, schält sich noch ein andere Sicht heraus: Viele seiner Fans sind offenbar davon überzeugt, dass Trump nicht so dumm sei, zu glauben, was er seit Monaten sagt. Sie halten dem ewig frisch Geföhnten zugute, zwar kühl kalkulierend den Zorn von Millionen zu formulieren, aber im Oval Office am Ende überlegt und ausgewogen zu handeln. Sie erwarten, dass er die etablierten Politik-Dealer aus den Washingtoner Hinterzimmern jagt, aber dann das Richtige tut. Dass er doch keine Mauer zwischen Mexiko und den USA baut und Muslimen die Einreise nicht verwehren wird. 

Aufruf zur Einheit versus Angstmache: So unterschiedlich reagieren Clinton und Trump auf das Orlando-Massaker

Sie rechnen damit, dass sich hinter Trumps Schnauze-Voll-Rhetorik eine clevere Strategie verbirgt. Sie glauben, dass er mehr kann, als mit Beleidigungen gegen Muslime, Mexikaner und Frauen mediale Ekstase zu verursachen. Vielleicht stimmt es ja: Trumps Widersprüchlichkeit ist, wenn man so will, sein Rüstzeug, das ihn davor bewahrt, den Unsinn belegen zu müssen, den er der Welt entgegenschleudert. Hatte er nicht Hillary Clinton zu seiner Hochzeit eingeladen, und nun verachtet er sie? Und hat er nicht jahrelang Republikaner und Demokraten mit Wahlkampfspenden versorgt – und nun sind auf einmal alle etablierten Politiker verbrauchte Muster ohne Wert? Von seinem ekelhaften Rassismus abgesehen lässt sich auch kein klares Weltbild rauslesen – außer, dass er alles besser kann und "niemand so intelligent ist wie ich"!

Trump als Präsident? Wie der Alltag aussehen könnte

Derweil fahren seine Gedanken Achterbahn, und trotzdem kommen seine Fans ohne Schleudertrauma davon. Seine Reden stecken voller hanebüchener, sich widersprechender Aussagen. Er will innerhalb von acht Jahren Amerikas Staatsschulden abbauen und gleichzeitig die Steuern senken. Mehr als elf Millionen Mexikaner ausweisen ohne zu erklären, wer dann in Amerika die Drecksarbeit macht, die Hecken schneidet und Burger brät. Anscheinend hoffen die republikanischen Sympathisanten, dass ihn die Sachzwänge bei politischen Entscheidungen dann doch einhegen. Aber die Wahrheit ist: Niemand weiß es. Niemand kann vorhersagen, was er tun wird, wenn ihm sein Stabschef bei der Morgenlage im Weißen Haus ein Problem auf den Tisch legt. Trump selbst wahrscheinlich am allerwenigsten.

Vielleicht beschließt er mittags, dass auch ein US-Präsident das Recht auf Unvernunft hat und befiehlt eine sinnlose Militärmission. Vielleicht feuert er am nächsten Tag seinen Stabschef, um ihn abends wieder einzustellen. Vielleicht ordnet er morgens Strafzölle gegen China an und rudert am Abend wieder zurück, weil Peking im Gegenzug neue Zollschranken für amerikanische Importautos fallen lässt.

Im Moment erscheint dieser Mann als launenhaftes Monster, eine Art politischer King-Kong von dem man nicht weiß, ob er dem Kreml aufs Dach steigen wird oder die blonde Angela beschützen möchte. Sicher ist nur: Sollte er Barack Obamas Nachfolger werden, wird Unberechenbarkeit die neue Konstante der amerikanischen Politik.