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Atomstrom: Strahlende Zukunft

Überraschend viele Deutsche befürworten Atomstrom. Dabei bestehen deutliche Unterschiede zwischen Jung und Alt, Ost und West.

"Atomkraft? Nein Danke" Der gelbe Aufkleber mit der roten, lachenden Sonne zierte in den 80er Jahren unzählige Autos. Besonders nach der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl im Jahr 1986 hätte die Mehrheit der Deutschen gern auf Kernenergie zur Stromerzeugung verzichtet: 65 Prozent sprachen sich damals in einer Emnid-Umfrage gegen Atomkraftwerke aus, weitere 32 Prozent wollten zumindest keine neuen Reaktoren. Nur drei Prozent der Bürger plädierten seinerzeit für den Bau weiterer Atommeiler.

Doch die Kernschmelze von Tschernobyl, der größte anzunehmende Unfall, liegt zwei Jahrzehnte zurück - und die Stimmung ist überraschend deutlich gekippt: Heute plädieren nur noch 44 Prozent der Bundesbürger dafür, aus der Atomenergie auszusteigen, weil sie die Risiken für zu hoch halten. Fast genauso viele, 42 Prozent, stimmen der Aussage zu, Kernenergie sei ein sinnvoller Energieträger und solle auch künftig genutzt und gefördert werden. Das ergab eine repräsentative Sonderauswertung der Umfrage "Perspektive Deutschland", der weltweit größten gesellschaftspolitischen Online-Umfrage; bisher haben sich daran über eine halbe Million Deutsche beteiligt, bis Ende Januar kann man im Internet noch teilnehmen. Über 100000 Bürger äußerten sich darin bisher zum Thema Kernkraft. Perspektive Deutschland ist eine Initiative von stern, McKinsey, dem ZDF und Web.de.

Als besondere Kernkraft-Fans erwiesen sich in der Umfrage die Männer: 53 Prozent befürworten die Atomenergie, aber lediglich 29 Prozent der Frauen. Die Zustimmung steigt mit zunehmendem Alter. Auffällig ist auch das Gefälle zwischen Ost- und Westdeutschland: Während in den alten Bundesländern 40 Prozent der Bürger pro Kernenergie sind, findet sich für die Nutzung der Atomkraft in den fünf neuen Ländern eine Mehrheit von im Schnitt 51 Prozent.

Am positivsten stehen die Sachsen zur Kernkraft: 54 Prozent setzen auf diese CO2-freie, aber strahlende Form der Energiegewinnung. Es folgen Thüringen (53 Prozent) und Sachsen-Anhalt (49 Prozent). Diese drei Flächenländer sind zusammen mit dem Saarland die einzigen Bundesländer, in denen es noch nie einen Atomreaktor gegeben hat.

Am meisten Ablehnung erfährt die Atomindustrie bei den Bürgern von Hamburg mit nur 31 Prozent Zustimmung. Der norddeutsche Stadtstaat hat zwar keine Kernkraftwerke in seinen Landesgrenzen, bezieht aber den größten Teil seines Stroms von den an der Elbe gelegenen Reaktoren Brunsbüttel, Brokdorf und Krümmel in unmittelbarer Nähe.

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