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"A Warning": Neues Trump-Buch verspricht "schockierende" Enthüllungen – der Autor ist (k)ein Unbekannter

Wie irre sind die Zustände im Weißen Haus unter Donald Trump wirklich? Ein neues Buch gibt womöglich Auskunft darüber: "A Warning" stammt aus der Feder desselben Whistleblowers, der in einem Zeitungsartikel behauptet hatte, "Teil des Widerstands" im Weißen Haus zu sein.

US-Präsident Donald Trump guckt grimmig

Dürfte wenig begeistert von "A Warning" sein: US-Präsident Donald Trump

AFP

Es ist eine "Warnung", und zwar wortwörtlich: Ein Whistleblower aus dem Weißen Haus hat angekündigt, am 19. November ein Buch zu veröffentlichen. Sein Titel: "A Warning". Viel ist über seinen Inhalt noch nicht bekannt – nur soviel: Es könnte Trump gefährlich werden.

Der Verlag, bei dem es erscheint, verspricht in einer Pressemitteilung, es werde ein "explosives Buch, das einen schockierenden Bericht aus erster Hand" über Trump und seine Amtszeit geben werde. Die Ankündigung ist vor allem deshalb brisant, weil der Autor (k)ein Unbekannter ist.

Wer steckt hinter "Anonymous"?

Geschrieben hat das Buch nach Angaben des Verlags ein hochrangiges Mitglied der Trump-Regierung. Er oder sie möchte unerkannt bleiben und tritt deshalb unter dem Pseudonym "Anonymous" auf. 

Ganz unbekannt ist "Anonymous" allerdings nicht: Im September 2018 erschien in der "New York Times" ein Artikel mit der Überschrift "Ich bin Teil des Widerstands innerhalb der Trump-Administration". Bei dem Verfasser dieses Artikels soll es sich nach Angaben des Verlags um dieselbe Person handeln, die auch "A Warning" geschrieben hat.

Der Bericht in der "Times" sorgte damals für Furore: Der oder die Autor/in beschrieb darin einen unmoralischen Präsidenten, der "ungestüm, widersprüchlich, kleinlich und ineffizient" handle. Viele hochrangige Mitarbeiter im Weißen Haus würden deshalb unter Hochdruck daran arbeiten, "Teile seiner Agenda und seine schlimmsten Neigungen zu torpedieren". Trump war über den Artikel derart erbost, dass er den damaligen Justizminister Jeff Sessions anwies, den ungenannten Verfasser ausfindig zu machen und gegen ihn zu ermitteln. 

Der Whistleblower konnte seine Identität jedoch geheim halten – und wird dies nach Angaben des Verlags auch weiter tun. Unklar ist auch, ob er oder sie weiter für die Trump-Regierung tätig ist. Auf Nachfrage des US-Senders "CNN" wollte sich der Verlag dazu nicht äußern. Herausgeber Sean Desmond erklärte gegenüber der "Times" lediglich, der Autor habe gute Gründe, anonym zu bleiben. "Anonymous" erkläre in dem Buch, warum er oder sie unerkannt bleiben möchte, "und diese Gründe haben mich überzeugt."

"A Warning" als Warnung vor Trumps Wiederwahl

"CNN" soll es nach eigenen Angaben gelungen sein, bereits ein Exemplar von "A Warning" zu erhalten. Demnach sei es offensichtlich, dass der Autor mit seinem Buch versuche, die USA "zu überzeugen, Trump 2020 nicht wiederzuwählen." Herausgeber Desmond sagte dem Sender, das Buch sei eine "ernste Sache und ist eine ernste Warnung hinsichtlich unseres Präsidenten."

Trumps Pressesprecherin bemühte sich indes, die potenzielle Brisanz des Buchs herunterzuspielen. "CNN" gegenüber sagte Stephanie Grisham lediglich – wohl mit einem ironischen Unterton: "Es erfordert viel Überzeugung und Mut, anonym ein ganzes Buch zu schreiben."

Trump selbst zeigte sich ebenfalls kurz angebunden. "Wo ist der Whistleblower?" fragte er auf Twitter – unklar ist jedoch, ob damit tatsächlich der Verfasser von "A Warning" gemeint ist. Der US-Präsident hat es derzeit mit mehr als einem Whistleblower zu tun. 

Mehr Raum für Enthüllungen – aber auch für potenzielle Hinweise auf den Whistleblower

Wie die "Times" berichtet, soll "A Warning" 272 Seiten umfassen und damit deutlich mehr Raum für potenzielle Enthüllungen bieten als der Artikel aus dem vergangenen Jahr. Allerdings, so die "Times" weiter, steige damit auch das Risiko, enttarnt zu werden. Die hohe Seitenzahl biete "mehr Gelegenheit, Hinweise auf seine oder ihre Identität zu entdecken."

Auch eine hochentwickelte, forensische Identifikationssoftware könne deswegen leichter eingesetzt werden und potenzielle Ähnlichkeiten zwischen "A Warning" und anderen geschriebenen Erzeugnissen erkennen – ähnlich wie zum Beispiel bei Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling, der man mit einer solchen Software weitere, unter Pseudonym erschienene Romane zuordnen konnte. 

Das Cover des brisanten Buchs

Das Cover des brisanten Buchs

Bereichern möchte sich "Anonymous" am Verkauf des Buches übrigens nicht: Wie in der Pressemitteilung zu lesen ist, sollen alle Honorare und Tantieme an gemeinnützige Organisationen gespendet werden, die die Arbeit von Regierungen kritisch hinterfragen und sich für Pressefreiheit einsetzen.

Quellen: Pressemitteilung, "CNN", "New York Times"