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Vermehrte Kritik vom Sprachrohr: "Breitbart" und Donald Trump: Bröckelt die große Liebe?

Donald Trump und die rechtslastige Nachrichtenseite "Breitbart" leben in einer Art Symbiose. Das Portal feiert ihn und er dankt es mit exklusiven Informationen. Nun gibt es erste Risse am Fundament ihrer Beziehung. Das Portal setzt vermehrt kritische Spitzen in Richtung des US-Präsidenten.

US-Präsident Donald Trump (l.) und sein Chefstratege Stephen Bannon, ehemaliger Chef der Webseite "Breitbart"

US-Präsident Donald Trump (l.) und sein Chefstratege Stephen Bannon, ehemaliger Chef der Webseite "Breitbart"

"Breitbart" und Donald Trump: Das ist eine große Liebesgeschichte. Die rechtslastige Nachrichtenseite und der US-Präsident leben seit dem Wahlkampf in einer Art Symbiose. Auf dem Portal wird Trump als ihr heldenhafter Kämpfer gegen "das Establishment" gefeiert, nirgends sonst wird "The Donald", wie er dort oft liebevoll genannt wird, derart leidenschaftlich gepriesen. Ex-"Breitbart"-Chef Stephen Bannon ist einer von Trumps obersten Beratern. Im Gegenzug gibt es immer wieder exklusive Interviews und Einblicke ins Weiße Haus. Außerdem zieht Trump das Portal gerne als Quelle für seine Behauptungen heran und verschafft ihm so zusätzliche Aufmerksamkeit. Doch wie bei jeder Liebesgeschichte ist auch diese nicht ganz frei von Streitigkeiten. Es gibt erste Risse am Fundament der Beziehung.

Auf dem ersten Blick ist bei "Breitbart" zwar alles beim Alten. Im obersten Beitrag über ein "exklusives Briefing mit konservativen Medienvertretern" - darunter natürlich auch Vertreter von "Breitbart" - darf Trump munter von seinen erfolgreichen ersten 100 Tagen erzählen. Wie er Jobs in die USA zurückholt, wie viel besser er mit Syrien umgeht als noch sein Vorgänger Obama, und was er mit all den "Illegalen" im Land machen möchte. Die von ihm unterzeichneten Gesetze zum Abbau von staatlichen Regulierungen werden als "Meilenstein" gepriesen und in unzähligen Beiträgen wird beschrieben, wo Trump überall seine zahlreichen Wahlversprechen bereits jetzt einlöse. So weit, so normal für "Breitbart".

Harte Kritik an Donald Trump auf "Breitbart"

Aber auf den zweiten Blick findet man in den vergangenen Wochen gleich mehrere kritische Artikel und Kommentare zu Trump und seiner Politik - und die kommen von den meinungsgewaltigen und einflussreichsten Stimmen der Seite. Ann Coulter zum Beispiel, Trumpfan der ersten Stunde und eine extrem nationalistische Buchautorin und Kolumnistin. Unter dem Titel "Lassie, Come Home" schrieb sie sich am 12. April den Frust von der Seele. "Trumps Syrien-Missgeschick", heißt es da, sei "unmoralisch", breche "jedes Versprechen" seines Wahlkampfes und könne seine "Präsidentschaft versenken". In mahnendem Tonfall erinnert sie ihn an seine früheren Aussagen, dass die USA "größere Probleme als Assad" habe. Sie zählt die US-Invasionen der vergangenen Jahrzehnte und hält - nicht zu Unrecht - fest, dass keine davon eine Erfolgsgeschichte gewesen sei. Zwar entlastet sie Trump teilweise, schließlich stecke das "Establishment in Washington" hinter dem Sinneswandel. Dennoch schließt sie ihren Text mit "Wir wollen den 'Präsidenten von Amerika' zurück - nicht den 'Präsidenten der Welt'".

Coulters Kolumne ist kein Einzelfall. In einem Audio-Beitrag vom 17. April beschwert sich "Breitbart"-Mann Peter Schweizer bitterlich über eine Personalentscheidung Trumps und nennt sie "beunruhigend". Und Chefredakteur Alex Marlow sagt darin, er sei "zunehmend besorgt um mögliche Korruption in Trumps Weißem Haus".

Ein weiterer bekannter Kopf der Seite, Raheem Kassam, blies mit einem anderen Artikel ins selbe Horn. Der Chefredakteur des London-Ablegers von "Breitbart" berichtet von der "Wählerbasis" im US-Bundesstaat Michigan, die ihre Sorgen äußert, dass Trump seine harten Wahlversprechen zur Einwanderung offenbar aufweiche. Auch der Einfluss seiner Familienmitglieder in der Regierung stoße dort auf Kritik. "Sollten die ersten 100 Tage im Amt  - insbesondere der zweite Teil davon - ein Fingerzeig (für die weitere Amtszeit, Anm. d. Red.) sein, so wird "the Donald" in drei Jahren einiges erklären müssen", schreibt Kassam.

Interessantes Timing auf "Breitbart"

Noch sind es vereinzelte Spitzen, die im Meer aus Pro-Trump-Beiträgen nahezu untergehen. Insgesamt ist "Breitbart" seinem Präsidenten immer noch wohl gesonnen und berichtet fast ausschließlich positiv über ihn. Die kritischen Beiträge aber sind dennoch interessant. Zum einen vom Timing her: Kurz zuvor gab es die ersten Berichte aus dem Weißen Haus, nach denen der frühere "Breitbart"-Chef Bannon in Trumps Beraterstab an Bedeutung verliert. Jüngst wurde er aus dem Nationalen Sicherheitsrat abberufen.

Zum anderen kommen die Spitzen von den einflussreichen Meinungsmachern der Seite und sind daher ein klares Signal. Sie sind erste Alarmglocken, die in Richtung Trump läuten sollen. "Wenn Trump seine Wahlversprechen einhält, werden wir ihn loben", mahnt "Breitbart"-Sprecher Chad Wilkinson laut "CNN". "Wenn er diese Versprechen bricht, werden wir draufhauen." Allerdings schiebt er sofort hinterher: "Draufhauen ist vielleicht nicht das beste Wort. Wir werden kritisch mit ihm umgehen."

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